VW-Sanierung trägt Früchte

21.02.2007 10:21 Uhr
Umsatz- und Gewinnsprung: Die 2006 eingeleitete VW-Restrukturierung zeigt Wirkung.

Umsatz- und Gewinnsprung 2006 dank hoher Sondererträge / Kosten sollen weiter gesenkt werden / Positiver Ausblick

Europas größter Autokonzern Volkswagen ist im vergangenen Jahr auf dem Weg zu einer höheren Ertragskraft deutlich vorangekommen. Die in der Ära des früheren Vorstandschefs Bernd Pischetsrieder eingeleite Sanierung der Kernmarke VW zeigte Wirkung. VW profitierte zudem von einer kräftigen Absatzsteigerung. Nach einem Umsatz- und Gewinnsprung 2006 auch dank hoher Sondererträge soll die Dividende für die Aktionäre angehoben werden. An der Börse machte die VW-Aktie am Dienstag einen Kurssprung und legte zeitweise um sieben Prozent zu. Positiv aufgenommen wurde am Markt vor allem der Ausblick: 2007 rechnet der VW-Konzern mit einem leichten Anstieg der Auslieferungen an Kunden. Bisher war die Branche von einem Rückgang ausgegangen, weil im laufenden Jahr im Vergleich zu 2006 relativ wenig neue Modelle auf den Markt kommen. 2006 stieg das operative Ergebnis des Wolfsburger Konzerns vor Sondereinflüssen – also etwa Kosten für die Restrukturierung – um mehr als 50 Prozent auf rund 4,4 Mrd. Euro. Gründe sind zum einen eine Absatzsteigerung von zehn Prozent auf den Rekordwert von 5,7 Mio. Fahrzeugen. Zum anderen wurde die Wettbewerbsfähigkeit durch deutlich geringere Kosten erhöht. Grundlage dafür ist auch der neue Haustarif für die sechs westdeutschen Werke der Marke VW, den Management und die IG Metall im Herbst 2006 geschlossen hatten. Er sieht deutlich längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich vor. Bereits seit Jahren läuft zudem ein Programm, mit dem Prozesse optimiert werden sollen. Unter dem neuen Konzernchef Martin Winterkorn will Volkswagen mit "unverminderter Kraft" daran arbeiten, seine Kostenstrukturen weiter zu verbessern. Winterkorn hatte als Ziel formuliert, VW gewinnträchtiger zu machen als den derzeit erfolgreichsten Autobauer der Welt, Toyota. Nach VW-Darstellung wurde im vergangenen Jahr eine "gute Ausgangsposition" geschaffen, um die mittelfristigen Konzernziele zu erreichen. Für das Geschäftsjahr 2008 will der Hersteller ein Ergebnis vor Steuern von 5,1 Mrd. Euro erzielen. 2006 stieg das Vorsteuerergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent auf rund 1,8 Mrd. Euro. Belastend wirkten sich im vergangenen Jahr Kosten in Höhe von mehr als 2,5 Mrd. Euro für die Restrukturierung vor allem der Kernmarke VW aus. So unterschrieben im vergangenen Jahr rund 6.000 VW-Mitarbeiter in den sechs westdeutschen Werken Abfindungsverträge. Dazu kamen tausende von Beschäftigten, die in Altersteilzeit gingen, sowie ein Stellenabbau im Werk Brüssel. Viel Geld kostete VW auch eine einmalige Rentenzuzahlung im Zuge des neuen Tarifvertrages für die westdeutschen Werke. Das operative Ergebnis nach Sondereinflüssen sank daher um fast 21 Prozent auf rund zwei Mrd. Euro. Konzernergebnis mehr als verdoppelt Positiv zu Buche schlugen im vergangenen Jahr hohe Sondererträge, etwa aus dem Verkauf der Autovermiet-Tochter Europcar. Dazu kam eine Körperschaftsteuergutschrift in Höhe von fast einer Mrd. Euro. Unterm Strich betrug das Konzernergebnis nach Steuern 2,75 Mrd. Euro, nach 1,12 Mrd. im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 11,6 Prozent auf fast 105 Mrd. Euro. Die Dividende soll auf 1,25 (1,15) Euro je Stammaktie angehoben werden. Das operative Ergebnis 2007 werde voraussichtlich über dem operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen des Vorjahres liegen, hieß es. Zum Ergebnis der Kernmarke VW lagen noch keine Zahlen vor. Experten erwarten aber, dass die Marke gute Fortschritte gemacht hat. 2005 hatte das Ergebnis der Marke Volkswagen Pkw nur knapp über der "Null-Linie" gelegen. VW will am 9. März detaillierte Angaben zur Entwicklung in den einzelnen Marken und Regionen im vergangenen Jahr machen. Weiter rote Zahlen dürfte Volkswagen in den USA geschrieben haben. 2005 hatte VW in Nordamerika einen Verlust von 843 Mio. Euro verbucht. (dpa)

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