Die Kandidatur von Burkhard Weller für das Präsidentenamt des ZDK ist vom Tisch. Der Autohaus-Unternehmer hat seinen Verzicht am Dienstag erklärt. Hintergrund ist eine kurzfristig erhobene Forderung, die es in sich hat: Der Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD), dessen Präsident Weller derzeit ist, solle noch vor der Wahl dem ZDK beitreten. Ein solcher Schritt würde jedoch gegen die Satzung des VAD verstoßen.
"Unter diesen Voraussetzungen ist eine konstruktive Zusammenarbeit derzeit nicht möglich", erklärte Weller gegenüber AUTOHAUS. Die Forderung sei kurzfristig an ihn und den VAD herangetragen worden. Die Vorstandswahlen des ZDK finden heute in Frankfurt statt.
Der Zeitpunkt, zu dem diese Forderungen erhoben wurden, ist bemerkenswert. Denn die Frage einer VAD-Mitgliedschaft im ZDK hätte sich offensichtlich auch deutlich früher stellen lassen. Warum wurde die Mitgliedschaft nicht bereits Tage vor der Wahl zur Voraussetzung gemacht? Wenn eine solche Bedingung tatsächlich ausschlaggebend für die Unterstützung Wellers war, hätte sie sich frühzeitig klären lassen. Stattdessen wurde sie nach Wellers Darstellung erst unmittelbar vor der Wahl auf den Tisch gelegt.
Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, ob Weller hier ins offene Messer laufen gelassen wurde. War seine Kandidatur tatsächlich gewollt oder wurde ihm eine Hürde in den Weg gelegt, von der man wusste, dass er sie unter den gegebenen Umständen nicht nehmen konnte?
Verbandspolitisches Manöver?
Der Ablauf lässt zumindest den Verdacht aufkommen, dass die Kandidatur nicht nur an einer sachlichen Frage gescheitert ist, sondern möglicherweise an einem politischen Manöver. Denn eine Bedingung erst am Vorabend einer entscheidenden Wahl zu formulieren, die sich ohne Weiteres bereits Tage zuvor hätte klären lassen, befeuert Spekulationen.
In einem Schreiben an die Mitglieder des VAD betonte Weller, er habe seine Bereitschaft zur Kandidatur auf vielfachen Wunsch aus der Branche erklärt. Angesichts der schwierigen Lage des ZDK habe er kurzfristig Verantwortung übernehmen wollen, vorausgesetzt, es gebe ein klares Mandat für Veränderungen. Sein Ziel sei gewesen, den Dachverband strategisch neu aufzustellen und Händler wie Werkstätten stärker zu einen. Das Schreiben liegt AUTOHAUS vor.
Kritik an kurzfristigem Druck
Weller verweist darauf, von Beginn an transparent gemacht zu haben, dass eine Entscheidung über einen möglichen Beitritt des VAD erst auf der Mitgliederversammlung am 3. November getroffen werden könne. Gleichwohl hätten einige Akteure kurz vor der Wahl ultimativ eine sofortige Entscheidung zugunsten einer Mitgliedschaft gefordert. "Für solche Spielchen stehe ich nicht zur Verfügung", so Weller.
VAD weiter stärken
Für den VAD sieht Weller nun andere Prioritäten. Zunächst gelte es, den Verband der Automobilhändler Deutschlands weiter zu stärken. Die Entwicklung im ZDK werde man jedoch aufmerksam verfolgen.
An seiner grundsätzlichen Haltung zur Rolle des VAD im ZDK hält der Berliner Unternehmer fest. Wenn sich der Verband neu aufstelle, sei eine Beteiligung des VAD sinnvoll. Weller: "Ich bleibe dabei: Wenn der ZDK sich gut aufstellt, sollten wir dabei sein. Aber nicht jetzt und nicht so."
Mit seinem Rückzug verliert die ZDK-Präsidentschaftswahl kurz vor der Entscheidung einen prominenten Kandidaten. Gleichzeitig werfen die Vorwürfe des VAD-Präsidenten Fragen über die Vorgänge im Vorfeld der Wahl auf.
Rainer Adams