Experte: Absatzkrise kann bis zu 60.000 Jobs kosten

21.11.2008 13:55 Uhr
IFA-Chef Diez: ""Es müssen vielleicht einige Werke schließen oder es werden sogar Hersteller Pleite gehen."
© Foto: Ford

Nach Ansicht von Willi Diez stehen in der Autobranche bis Ende 2009 zehntausende Arbeitsplätze auf dem Spiel, sollte sich "die Situation nicht deutlich entschärfen". Für den Handel forderte er Bürgschaften seitens der Hersteller.

Die Finanz- und Absatzkrise könnte in der deutschen Autobranche nach Ansicht des Branchenexperten Willi Diez in den nächsten Monaten bis zu 60.000 Jobs kosten. Bei Herstellern und Zulieferern könnten bis Ende 2009 bis zu 50.000 Arbeitsplätze verloren gehen, wenn sich die Situation nicht deutlich entschärfe, sagte der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft Geislingen in einem Gespräch am Freitag in Nürtingen. Bei den Autohändlern seien bis zu 10.000 Jobs bis zum Jahr 2010 in Gefahr. Er befürchte, dass bis dahin "von den 9.500 Unternehmen 1.500 verschwinden". Weltweit gibt es seiner Einschätzung nach am Automobilmarkt gegenwärtig enorme Überkapazitäten. Derzeit arbeiten bei den deutschen Autoherstellern und den Zulieferern rund 760.000 Menschen. Die deutschen Autohändler beschäftigen Angaben des Experten zufolge rund 470.000 Mitarbeiter. Im Moment gehe er davon aus, dass die weltweite Autoproduktion im nächsten Jahr deutlich sinken werde, sagte Diez. Er rechne damit, dass 2009 weltweit mit rund 50 Millionen Neuwagen fünf Millionen weniger Fahrzeuge verkauft werden als im vergangenen Jahr. Für 2008 geht der Experte von 53 Millionen verkauften Neuwagen aus. "Es ist dringend ein Abbau der Kapazitäten notwendig", sagte Diez. Dies werde sich über den Wettbewerb regeln. "Es müssen vielleicht einige Werke schließen oder es werden sogar Hersteller Pleite gehen." Der Professor für Automobilwirtschaft rechnet in diesem Jahr mit einer Überkapazität von zehn Millionen Fahrzeugen weltweit und 2009 sogar mit knapp 18 Millionen zu viel produzierten Autos. "Hersteller müssen für Händler bürgen" "Die Händler haben wie auch die Zulieferer gleich zwei große Probleme - den Absatzrückgang und Schwierigkeiten bei der Finanzierung", sagte Diez. Sie kämen wenn überhaupt derzeit fast nur noch an teuere Kredite, mit denen sie ihre Bestände finanzieren könnten. "Die Hersteller müssen für ihre Händler bürgen, damit diese von den Banken wieder Kredite bekommen", forderte Diez. "Aus eigener Kraft können sie sich kaum gegen die Krise stemmen." Nach Einschätzung des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe wird mehr als die Hälfte der deutschen Autohändler in diesem Jahr rote Zahlen schreiben. (dpa)

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.