Der Verzicht auf das eigene Auto hat Zukunft. Laut einer aktuellen Studie des Automotive Institute for Management (AIM) an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht besitzen schon jetzt 72 Prozent aller Carsharing-Nutzer kein Fahrzeug – und bei starkem Wachstum soll die Zahl der Kunden in Deutschland bis 2020 auf zwei Millionen steigen. Zum Vergleich: 2012 teilten nach Branchenangaben knapp eine halbe Million Bundesbürger das Auto. "Der Markt ist momentan sehr dynamisch; gerade angesichts des Expansionskurses vieler Anbieter ist bis zum Jahresende mit einem erheblichen Wachstum zu rechnen", erklärte Prof. Tobias Schäfers, einer der Studienleiter.
Das Carsharing-Geschäft läuft hierzulande zweigleisig. Auf der zurzeit noch größeren Schiene tummeln sich die eher traditionellen Anbieter des sogenannten "stationsbasierten" Carsharing. Knapp 150 Unternehmen sind in etwa 340 Städten tätig. Die herkömmliche Methode nutzen etwa 270.000 Kunden.
Demgegenüber stehen die Angebote der Autobauer wie Car2go (Daimler), DriveNow (BMW) oder Quicar (VW). Sie laufen unter dem Begriff des "Free-Floating", hinter dem sich die freie Wahl eines unbenutzten Fahrzeugs und dessen Abstellen an einem beliebigen Ort innerhalb des Nutzungsgebietes verbirgt. Etwa 180.000 Nutzer sind in Großstädten und Ballungsräumen registriert, sie bezahlen ihre Mietgebühr per Speicherkarte oder über das Handy.
Große Auswahl, hohe Zufriedenheit
Aufgrund des guten Carsharing-Angebots gab etwa jeder Vierte der 1.200 Befragten an, seinen Wagen abgegeben zu haben. Zudem zeigen die Nutzer eine hohe Zufriedenheit und die Bereitschaft, weiter diese Art der Mobilität zu wählen – unabhängig von den jeweiligen Anbietern. Denn mehr als 30 Prozent der Carsharing-Kunden nutzen mehr als einen einzigen Dienstleister.
Diese Kunden sind bei den stationären Diensten zwischen 17 Jahren und 39 Jahren alt, die frei verfügbaren Fahrzeuge bei den Hersteller-Programmen mietet überwiegend eine noch jüngere Klientel. Die Nutzungsdauer der an festen Standorten übernommenen Autos liegt meist zwischen zwei und vier Stunden. Dagegen beträgt sie beim Free Floating laut AIM-Studie zu 90 Prozent nur bis zu einer Stunde. (mid/wp/rp)