Der Mensch strebt nach Größe – eine Erkenntnis, die Friedrich Nietzsche früh formulierte und die Autohersteller seither mit jedem neuen Modell bestätigen. Auch Skoda zeigt ambitionierte Züge: Mit dem Peaq definieren die Tschechen die neue Spitze ihres Elektro-Portfolios. Der 4,87 Meter lange Stromer überragt den bisherigen SUV-Primus Kodiaq um fast zwölf Zentimeter und wird nur vom Superb als Verbrenner-Flaggschiff noch leicht übertroffen.
Was 2022 als Vision 7S die Zukunft der Marke andeutete, steht nun kurz vor dem Serienstart. Wenn der Peaq im Herbst kommt, soll er mehr sein als ein weiteres E-Modell: ein Statement des gewachsenen Selbstbewusstseins. Ein großes SUV, das Mutterkonzern Volkswagen seiner Tochter erstaunlich großzügig überlässt – ohne selbst ein ebenbürtiges Elektro-Pendant anbieten zu können.
Vieles aus der Studie Vision 7S übernommen
Auffällig ist, wie viel des Showcars in der Serie gelandet ist. Zwar durften wir den Peaq nur getarnt fahren, doch hinter verschlossenen Türen zeigte Skoda bereits das finale Design. Die neue Formensprache Modern Solid prägt den Auftritt deutlich: klare Kanten, flächige Oberflächen, ein ruhiges, selbstbewusstes Design. Die geschlossene Front mit "Tech-Deck"-Element wirkt wie ein technisches Visier, hinter dem Sensoren verborgen sind. Die LED-Lichtsignatur orientiert sich klar an der Studie. Mit seiner Höhe von nur 1,70 Metern wirkt der Peaq gestreckter und dynamischer als viele Konkurrenten; das kantige Heck erinnert leicht an Volvo oder BMW.
Technisch nährt sich der in Mlada Boleslav gebaute Peaq aus dem VW-Regal. Die Basis ist eine verlängerte 400-Volt-MEB-Architektur, der Radstand von 2,96 Metern entspricht dem ID. Buzz. Die Antriebe stammen ebenfalls aus der Konzernwelt und kommen auf 150 oder 220 kW. Standard ist Heckantrieb, die Variante "X" ergänzt einen E-Motor an der Vorderachse. Zwei Batteriegrößen stehen zur Wahl – 60 und 90 kWh. Mit der großen Batterie sollen bis zu 600 Kilometer Reichweite möglich sein. Am Schnelllader zieht der Peaq mit maximal 195 kW in rund einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent. Funktionen wie Vehicle-to-Load und perspektivisch bidirektionales Laden unterstreichen den Alltagsnutzen.
Skoda Peaq (Vorserie)
Wettbewerb ist gut aufgestellt: Kia EV9, Ioniq9 und EQB
Die Konkurrenz ist stark: Kia EV9, Hyundai Ioniq 9, Mercedes EQB, Peugeot E-5008. Doch Skoda setzt weniger auf Extreme, sondern auf eine ausgewogene Gesamtperformance – eine traditionelle Stärke der Marke. Im Innenraum präsentiert Skoda einen deutlichen Qualitätssprung. „Moving Living Room“ nennt die Marke das Konzept. Wertige Materialien, intuitive Bedienung und ein ruhiges, fast wohnliches Design prägen das Ambiente. Bis zu sieben Sitze sind möglich; die zweite Reihe lässt sich um bis zu 15 Zentimeter verschieben und schafft so auch hinten Platz für Erwachsene – zumindest auf kürzeren Strecken.
Simply-Clever-Lösungen und Premium-Flair
Mit dem Relax-Paket wird der Peaq zur mobilen Lounge: Sitze mit Massagefunktion, Beinauflagen und eine Wellness-App gestalten die Pausen angenehmer. Das neue Panorama-Glasdach ist das größte der Marke, ein ausklappbares Tablett in der Mittelkonsole und ein 14-Lautsprecher-System von Sonos ergänzen die Komfortausstattung. Der Laderaum fällt üppig aus: 1.010 Liter im Fünfsitzer plus ein 37-Liter-Frunk. Viele Simply-Clever-Details erhöhen den Nutzwert.
Digital setzt Skoda komplett auf eine Android-basierte Plattform. Ein 13,6-Zoll-Screen dient als Steuerzentrale, kombiniert mit Fahrerdisplay und optionalem Head-up-Display. Die Bedienlogik erinnert an Smartphones: Apps lassen sich sortieren, ordnen und frei konfigurieren. Beim Start zeigt das System stets die zuletzt genutzten Einstellungen – auch die Möglichkeit, Fahrassistenten schnell abzuschalten.
Preise starten bei rund 50.000 Euro
Beim ersten Fahreindruck zeigt sich der Peaq komfortorientiert. Trotz 20-Zoll-Rädern bügelt er Unebenheiten nahezu lautlos glatt. Das optionale DCC regelt die Dämpfer automatisch und hebt das Komfortniveau noch einmal deutlich über das der Skoda-Elektrogeschwister. Gleichzeitig wirkt der Peaq fahrstabil und gut kontrollierbar. Preislich soll er sich an vergleichbaren Kodiaq-Modellen orientieren. Die Basisversion mit 150 kW dürfte knapp unter 50.000 Euro starten.