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Trotz Rekordabsatz: Audi verdient etwas weniger

Der Gegenwind nimmt zu: Audi-Chef Stadler.
© Foto: Uwe Lein/dapd

Der Rekordabsatz 2012 hatte seinen Preis: Nachlässe und Werbung kosteten die VW-Tochter eine Milliarde Euro mehr. Unter dem Strich sank der Gewinn leicht. Und dieses Jahr wird nicht einfacher.


Datum:
12.03.2013
4 Kommentare

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Audi bekommt die Folgen der Autokrise in Europa zunehmend zu spüren. Trotz Rekordverkäufen verdiente die erfolgsverwöhnte VW-Tochter im vergangenen Jahr unter dem Strich etwas weniger Geld als noch 2011, wie Audi am Dienstag in Ingolstadt mitteilte. Zwar erzielten die Bayern vor allem dank der Märkte in Übersee auch bei Umsatz und operativem Gewinn wieder Bestwerte, doch der Wind wird rauer.

Für 2013 gibt sich Audi-Chef Rupert Stadler nur vorsichtig optimistisch und kündigt an, dass Audi weiter wachsen wolle. Mit einer raschen Erholung in den europäischen Krisenstaaten rechnet Audi nicht. So werde etwa der spanische Markt in den nächsten Jahren nicht das Niveau von vor der Krise erreichen, sagte der neue Vertriebschef Luca de Meo. Dort sei die Hauptaufgabe derzeit, das Händlernetz zu erhalten.

Auch Stadler beklagte die Lage in Europa: "In Italien liegt die Nachfrage auf dem Niveau von 1979, das heißt, der Automobilmarkt ist im übertragenen Sinne um mehr als 33 Jahre zurückgeworfen worden." Die VW-Tochter, die sich mit ihren eigenen Marken wie dem Motorradhersteller Ducati und der Sportwagenschmiede Lamborghini zunehmend einen italienischen Anstrich verleiht, schaut mit Sorge nach Süden. 

"Märkte werden zurückkommen"

Viele Staaten hätten mit der Staatsverschuldung, schwacher Konjunktur und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. "Das kriegen Sie nicht von heute auf morgen weggeräum", sagte Stadler. Mittelfristig würden die Menschen dort aber wieder neue Autos brauchen und kaufen wollen. "Die Märkte werden wieder zurückkommen."

Weltweit hat Audi im Januar und Februar bei den Verkäufen weiter zugelegt. "Das bedeutet erst einmal: Uns ist ein guter Start gelungen. Aber wir wissen auch: Es handelt sich nur um eine Momentaufnahme", sagte Stadler. 2012 verkaufte Audi 1,455 Millionen Autos – so viele wie nie zuvor. Der Umsatz wuchs um mehr als vier Milliarden auf 48,8 Milliarden Euro und liefert damit mehr als ein Viertel der gesamten VW-Erlöse und einen großen Anteil des operativen Gewinns. Die Tochter bleibt damit die Ertragsperle der Wolfsburger.

Vertrieb geht ins Geld

Unter dem Strich sank der Gewinn der VW-Tochter im vergangenen Jahr allerdings leicht um zwei Prozent auf knapp 4,4 Milliarden Euro. Insgesamt ist Audi-Chef Rupert Stadler aber zufrieden. "2012 war für uns ein sehr erfolgreiches Jahr. Wir haben unsere Ziele übertroffen." Vor allem für den Vertrieb musste der BMW-Rivale im vergangenen Jahr allerdings viel Geld ausgeben: Die Kosten für Werbung, Preisnachlässe und die Einführung neuer Vertriebssysteme kletterten um fast eine Milliarde Euro auf fast 4,6 Milliarden Euro.

Die Umsatzrendite – die Kennzahl gibt Auskunft über die Rentabilität – sank von zwölf auf elf Prozent. Damit steht Audi aber immer noch blendend da. Zum Vergleich: Die Autosparte von Daimler schaffte nur 7,1 Prozent. Branchenprimus BMW lag nach neun Monaten bei 10,9 Prozent.

Stadler sieht Audi trotz der Widrigkeiten auf Kurs. Das Ziel, bis 2015 mehr als 1,5 Millionen Autos zu verkaufen, dürfte der Hersteller früher erreichen. Der Plan, bis 2020 an BMW vorbeifahren zu wollen und mehr als zwei Millionen Autos zu verkaufen, steht nach wie vor. "Wir sind da tiefenentspannt", meinte Stadler. Der Münchner Erzrivale legt seine Zahlen kommende Woche vor. Die beiden Oberklassehersteller konnten sich bisher von der Autokrise in Europa dank der Geschäfte in China und den USA einigermaßen abkoppeln.

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KOMMENTARE


Antonio Tabuchis

12.03.2013 - 12:42 Uhr

"Die Kosten für Werbung, Preisnachlässe...4,6 Milliarden Euro." Also bei 1.455.000 an den Mann/die Frau gebrachten Audi durchschnittlich pro Auto 3.161 Euro! Ist das nicht gerechtfertigt, sofort den Listenpreis um diesen Betrag zu senken? Letztendlich ärgert sich der geneigte Käufer ja auch über Promi-Rabatte, kostenfreie Überlassungen in Film und Fernsehen und über "Sonderkunden" wie politische Fraktionen in Bund und Land, Bürgermeisterautos, die Konditionen angeboten kriegen, von denen man selbst als Käufer eines Massenautos einer Massenmarke nur träumen kann...


Mr.T.

12.03.2013 - 15:09 Uhr

Herr Tabuchis, Sie vergessen, dass Audi ein Massenhersteller eines Massenproduktes ist :)


K. Wempe

13.03.2013 - 15:28 Uhr

Ich kann "Mr.T:" nur zustimmen. Ein Premiumprodukt glänzt durch Alleinstellungsmerkmale. Dies kann ich bei Audi nicht feststellen, da der überwiegende Anteil der Modelle auf simpler Volkswagentechnik basiert bzw. sogar in Skoda und Seat eingebaut wird. Es gibt sie, die Premiumhersteller. Die heißen allerdings Mercedes, BMW oder Cadillac. In anderen Branchen Rolf Benz oder Hülsta. Oder käme jemand auf die Idee, aufgehübschte IKEA Möbel als Premium zu bezeichnen?


Michael Martin

13.03.2013 - 17:34 Uhr

@ Mr. T: Den Leuten scheints egal zu sein, die kaufen es trotzdem. Warum hat Audi die beste Umsatzrendite? Billig einkaufen (dank gleichen Bauteilen) und schweineteuer verkaufen. Nur das Marketing macht den Unterschied und dafür zahlen die Leute Geld. Aber das ist bei Rolf Benz oder Hülsta genauso. Oder auch bei Jack Wolfskin: Made in Bangladesch. Den Leuten ist das Wurst, gekauft wirds trotzdem und die Aktionäre freuts. Den Menschen ist es auch egal, dass Audi nur noch optischen Einheitsbrei fabriziert. Hauptsache "Vorsprung durch Technik". ;-)


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