Vorstellung Smart #2: Die Suche nach der verlorenen Legende

23.06.2026 05:50 Uhr | Lesezeit: 2 min
Rückgrat des #2 ist die neue, eigens entwickelte 400 Volt Electric Compact Architecture.
© Foto: Smart

Amtlich ist es schon länger, jetzt geht es ans Eingemachte. Wenn im nächsten Frühjahr der neue Smart #2 an den Start geht, soll er an die Tugenden des ikonischen Smart Fortwo anknüpfen – und alles viel besser können. Erstmals gibt Smart jetzt detailliertere Einblicke in Interieur und Technik des kommenden City-Mobils.

Dauerte es früher von der ersten Skizze bis zum fertigen Auto vier bis fünf Jahre, so hat sich die Entwicklungszeit heute nahezu halbiert. Besonders eilig hat es in diesen Tagen Smart. Die schwäbische Tochter aus gutem Hause, jeweils halb im Besitz von Geely und Mercedes Benz, ließ sich vom China-Speed inspirieren. Von der Idee zum neuen Smart #2 bis zum seriennahen Konzeptcar, vorgestellt im April auf der Auto China in Peking, verging kaum ein Jahr. Die fertige Version soll im Oktober auf dem Pariser Autosalon stehen, die Markteinführung erfolgt im März 2027.

Was wir dann erwarten dürfen, rückt Smart in bewährter Salamitaktik nach und nach raus. In Rom gab es jetzt erste Einblicke in die Technik und das Interieur. Hier soll also die Idee des ursprünglichen Fortwo in die elektrische Zukunft Fahrt aufnehmen. Seit der Gründung 1994 hat sich Smart mehrfach neu erfunden. Was einst als radikales Mobilitätskonzept von Mercedes-Benz begann, entwickelte sich nach dem Einstieg des chinesischen Geely-Konzerns zu einer globalen Elektroautomarke mit völlig anderen Dimensionen. Die aktuellen Modelle #1, #3 und #5 sind moderne Crossover und SUVs. Wohl profitabler als ihre Vorgänger – aber eben keine Smarts im ursprünglichen Sinn. Denn für viele Menschen bestand die Identität der Marke nie aus Me-Too-Produkten oder Plattformarchitekturen. Sie bestand aus einem einzigen Modell: dem Fortwo.

Smart: Zurück zum Kern

Jetzt besinnt sich Smart wieder auf seinen Kern. Aus 2,50 Meter werden knapp 2,80 Meter. Die Designsprache entspricht dabei ziemlich genau dem, was wir von einem modernen Fortwo erwarten konnten. Die Räder sitzen weit außen an den Karosserieecken, die Überhänge bleiben minimal, während die Front die moderne Lichtsignatur der Marke interpretiert. Ein stimmiger Zweisitzer mit typischer Smart-DNA, gegossen in einen kurzen, stämmigen Körper. Genau so hätte ein Apple iCar aussehen können. Die weitgehend crashresistente Tridion-Zelle, die zum Markenzeichen wurde, kehrt zurück und soll dem #2 auf kompaktem Raum höchste Robustheit, Schutz und Stabilität garantieren. Eine Zweifarbenlackierung wie beim Vorgänger gilt als gesetzt, ebenso die geteilte Tailgate-Heckklappe, auf deren unterem Sitzteil man so herrlich, händchenhaltend den Sonnenuntergang anhimmeln konnte.

Während andere Hersteller versuchten, möglichst viel Auto auf möglichst wenig Fläche zu packen, stellte Smart die provokante Frage: Warum eigentlich? Warum vier Sitze, wenn meistens nur einer genutzt wird? Warum fünf Meter Blech bewegen, wenn man in der Stadt ohnehin nur im Stau steht? Und so folgt der neue #2 der alten Philosophie. Auf kleinster Fläche bringt Smart reichlich Raum und Technik unter. Oder, um es in den Worten von Europachef Wolfgang Ufer zu sagen: "Wir machen das ja nicht zum ersten Mal".

Rückgrat des #2 ist die neue, eigens entwickelte 400 Volt Electric Compact Architecture, kurz ECA. Die Tatsache, dass sich Smart diesmal nur auf den E-Antrieb konzentrieren musste, machte die Sache einfacher. Tief im Unterboden findet sich eine noch nicht weiter spezifizierte Batterie aus dem Geely-Sortiment. Mit einer Kapazität von 35,7 kWh ist sie - natürlich rein zufällig - genauso groß wie die der neuen Elektro-Kleinwagengeneration um den VW ID.Polo. Im #2 soll die angestrebte Reichweite rund 300 Kilometer betragen und sich damit zum Vorgänger nahezu verdoppeln. Für die DC-Schnellladung von zehn bis 80 Prozent verspricht Smart weniger als 20 Minuten.


Smart Concept #2

Smart Concept #2 Bildergalerie

Im Gegensatz zum Fortwo, der noch mit einer recht prähistorischen DE-Dion-Achse auskommen musste, gönnt sich der #2 eine aufwändige Fünflenker-Hinterachse. Unterstützt vom tiefen Schwerpunkt des Akkus verspricht sich Smart davon eine bessere Traktion, mehr Agilität und eine stabilere Straßenlage. Der Wendekreis von 6,9 Metern entspricht dem des alten Zweiers und untermauert den Anspruch, in der City wieder King of Knirps zu werden.

Modular ausgelegt ist die ECA-Plattform skalierbar für Radstände von 1,87 bis 2,50 Meter. Was die Fantasie für weitere Ableger beschleunigt und das Projekt rentabler machen dürfte. Ein Cabrio sollte keine Diskussionen hervorrufen, ein etwas längerer Viersitzer dürfte ebenso folgen. Wir könnten uns noch einen kompakten Crossover vorstellen, ebenso Cargo-Versionen mit wechselbaren Containern für Handwerker oder den urbanen Zulieferverkehr.

Keine Kanten und kaum Knöpfe

Wolfgang Ufer und sein Team sind offen für vieles. "Was gefällt, und unsere Kunden erwarten, könnten wir uns grundsätzlich auch vorstellen.", verklausuliert der Mann, der seit über 20 Jahren bei Smart ist und für das Projekt brennt wie Zunder. Was wir als Early-Birds zum noch streng geheimen Innenraum sagen, scheint den Smarties wichtig zu sein.

Aktuell können wir ihn nur in einer sogenannten Sitzkiste betrachten. In schneeweiß gehalten, kontrastiert von goldenen Elementen, sieht das im Design-Studio Nizza entstandene Interieur noch ziemlich unschuldig aus, soll im Wesentlichen aber so kommen. Heißt: Das obere, mit Stoff bezogene Cockpitelement zieht sich wellenartig von links nach rechts, alles hier ist rund oder oval, vier große Luftauslässe in Form von Düsenjäger-Triebwerken – ganz ähnlich den Rückleuchten - sind übers Cockpit verteilt.

Es gibt keine Kanten, und außer am Lenkrad auch kaum Knöpfe. Mittig thront ein leicht zum Fahrer gewandter Monitor, hinterm Steuer sitzt ein kleineres digitales Cockpit.  Das Raumgefühl ist schon jetzt smartlike. Innen scheint der Winzling erneut größer zu werden als außen. Die beiden vollwertigen Sitze sind so designt, dass sie wie eine durchgehende Bank erscheinen und weil im Fußraum keine Mittelkonsole den Weg versperrt, lässt sich in engen Parklücken ganz easy wahlweise links oder rechts aussteigen.

Der Smart #2 wird ein ordentliches Paket an aktuellen Fahrassistenten erhalten, es wird drei Fahrprogramme (Sport, Comfort, Eco) und anfangs drei Varianten geben. Ein Basismodell, das unerwartet günstig unter die 20.000 Euro-Marke schlüpfen soll, eine etwas großzügiger ausgestattete Version und ein Performance-Modell, also einen Brabus-Smart.

Der Ur-Smart war nahezu konkurrenzlos. Heute kämpfen Elektro-Kleinwagen, urbane Crossover, Sharing-Angebote, E-Bikes und öffentliche Mobilitätskonzepte um dieselbe Zielgruppe. Für neuen Kultstatus braucht der Smart #2 Begehrlichkeit. Er muss die überzeugendste Antwort auf die Frage liefern, wie individuelle Mobilität in Großstädten künftig aussehen soll. Er muss so clever, so charmant und so unverwechselbar sein, dass Kunden bereit sind, auf Platz, Prestige und manchmal sogar auf Vernunft zu verzichten. Der kleinste Smart war nie eine rationelle Entscheidung, sondern immer eine bewusste Wahl.


Smart #2 (Vorserie)

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