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Branchenkrise: Continental lässt Federn

Branchenkrise
Continental lässt Federn
Continental Hauptverwaltung
Im Juli hatte Continental seinen Jahresausblick bei Umsatz und Gewinnmarge kappen müssen.
© Foto: Continental
Zum Themenspecial Automobilzulieferer

Die Serie der Negativnachrichten deutscher Autozulieferer reißt nicht ab. Continental-Chef Degenhart spricht von einem "sehr herausfordernden" Marktumfeld - und kündigt Konsequenzen an.

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental sieht sich angesichts der Lage auf den Automärkten zu harten Einschnitten gezwungen. Nach dem jüngsten Gewinneinbruch will das Unternehmen Stellen streichen und damit Kosten senken. Zudem sollen Investitionen in Technik für den Verbrennungsmotor gekappt werden. "Derzeit ist das Marktumfeld sehr herausfordernd", sagte Conti-Chef Elmar Degenhart. "Auf den rückläufigen Markt reagieren wir mit strenger Kostendisziplin und Erhöhung unserer Wettbewerbsfähigkeit."

Die Unternehmensleitung habe dem Aufsichtsrat ihre Strategie dargelegt. Der daraus entstehende Handlungsbedarf werde nun mit den Arbeitnehmervertretern besprochen. Es sei noch nicht abzusehen, wann Entscheidungen fielen, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX: "Wir müssen unsere Kosten weiter anpassen." Wie viele Stellen dem womöglich zum Opfer fielen, sei jetzt Gegenstand von Diskussionen.

Die Belegschaft bringe alle Voraussetzungen für den Umbruch hin zu Elektroantrieben mit, sagte die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und IG-Metall-Vizechefin Christiane Benner. "IG Metall, IG BCE und Arbeitnehmervertretungen werden mit den Arbeitgebern verbindliche Schritte festlegen, wie dieser Wandel erfolgreich gestaltet und Beschäftigte an den betroffenen Standorten umqualifiziert und in Beschäftigung gehalten werden können", fügte sie hinzu.

Die Autoproduktion sei im zweiten Quartal im Jahresvergleich um sieben Prozent gesunken, in Contis Hauptmärkten sogar um neun Prozent, sagte Schäfer. Zu den anstehenden Maßnahmen gehöre die Überprüfung des Portfolios. Mögliche Verkäufe wollte er weder bestätigen noch ausschließen.  

Mitarbeiterzahl heruntergefahren

Bereits im ersten Halbjahr fuhr der weltweit zweitgrößte Autozulieferer die Mitarbeiterzahl nach Angaben von Schäfer etwas herunter, wenn Zukäufe herausgerechnet werden. Zur Jahresmitte beschäftigte Conti 244.615 Mitarbeiter.

Einen Anpassungsschritt geht Continental bereits in der Antriebssparte, die der Konzern kommendes Jahr an die Börse bringen will. Auf die maue Nachfrage nach Komponenten für den Verbrennungsmotor will Conti reagieren, indem die Investitionen in den Bereich zurückgefahren werden. Neue Aufträge hierfür würden künftig eine geringere Rolle in dem Unternehmensteil spielen.

Auf dem Prüfstand steht zudem das Geschäft mit der Abgasnachbehandlung. Verstärkt werden soll hingegen der Fokus auf Elektroantriebe. Spartenchef Andreas Wolf will den schneller als erwartet wachsenden Markt rund um Hybridantriebe und Elektrifizierungssysteme nutzen.

Im zweiten Quartal hatte die Sparte mit der Antriebstechnik es insgesamt schwer. Der Umsatz ging bereinigt um Zukäufe und Wechselkursschwankungen zurück, das operative Ergebnis fiel gleich um 40 Prozent auf nur noch 72,5 Millionen Euro.

Am Vortag hatte auch der vor Conti weltweit größte Autozulieferer Bosch angekündigt, dass die schwächere Nachfrage vor allem nach Dieselmotoren Stellen kosten werde. Der 'Süddeutschen Zeitung' sagte Bosch-Chef Volkmar Denner, der Automarkt entwickle sich "deutlich schwächer, als wir alle noch vor einem Jahr gedacht haben". Es handele sich nicht um eine kurzfristige Delle.

"Kein Nachlassen des Gegenwinds" 

Vor gut zwei Wochen hatte Continental seinen Jahresausblick bei Umsatz und Gewinnmarge kappen müssen. "Für das zweite Halbjahr erwarten wir kein Nachlassen des Gegenwinds", stellte Schäfer klar. Sinkenden Umsätzen standen bei Conti im zweiten Quartal steigende Produktionskosten gegenüber, auch bei Forschung und Entwicklung sowie in Vertrieb und Verwaltung stiegen die Kosten. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn sackte um 41 Prozent auf 484,8 Millionen Euro ab.

Widerstandsfähiger als die Autozuliefersparte zeigt sich nach wie vor das Reifengeschäft. Der Bereich mit Reifen ist seit Jahren die Ertragsperle von Conti. Im zweiten Quartal hat Conti weltweit einen leicht positiven Effekt aus Preisen und teureren Reifen erzielt, die schwächere Erstausrüstung infolge der geringeren Autoproduktion machte das aber wieder zunichte. (dpa)

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