"KaDeWe" für Autos: Chinas Luxus-Gebrauchtwagenhandel setzt Maßstäbe

08.05.2026 12:59 Uhr | Lesezeit: 3 min
AKD vermarktet in seinen Malls fast ausschließlich Premium- und Luxusfahrzeuge, mit durchschnittlichen Verkaufspreisen von rund 50.000 Euro.
© Foto: Ralph M. Meunzel/AUTOHAUS

Klasse statt Masse: Top-Händler Chen Xianda setzt in seinen AKD Automalls konsequent auf Luxusfahrzeuge. Strikte Einkaufspolitik und datengetriebene Prozesse sind die Erfolgsfaktoren.

Wer verstehen will, wie professioneller Gebrauchtwagenhandel im Premiumsegment funktionieren kann, kommt an den vier bzw. künftig fünf AKD Automalls in Shanghai, Shenzhen, Chengdu, Tianjin und künftig in Foshan nicht vorbei. Geführt von Chen Xianda, zählt AKD zu den größten spezialisierten Händlern für gebrauchte Premiummarken weltweit.

Während der Auto China-Businessreisen 2026 von AUTOHAUS gewährte der Unternehmer Einblicke in sein Geschäftsmodell in Shanghai und Shenzhen. Xianda skizzierte eindrucksvoll die Realität eines Marktes, der sich mit westlichen Maßstäben nicht mehr messen lässt. 

AKD ist kein klassisches Autohaus, sondern ein Kaufhaus für hochwertige Gebrauchtfahrzeuge – quasi ein "KaDeWe" des Fernen Ostens für Autos. Seit rund 25 Jahren ist das Unternehmen im Markt aktiv – gewachsen ohne externe Investoren; allein aus dem operativen Geschäft heraus, wie Chen erklärte. 

Klasse statt Masse 

Verkauft werden fast ausschließlich Fahrzeuge im oberen Segment, mit durchschnittlichen Verkaufspreisen von rund 50.000 Euro. Volumenmodelle spielen kaum eine Rolle. Das heißt "Klasse statt Masse" auch für den größten Porsche-Gebrauchtwagenhändler. Xianda betonte, dass Volumenfahrzeuge in China kaum noch profitable Perspektiven hätten. Transparente Preise, informierte Kunden und eine extreme Angebotsbreite lassen Margen dort regelrecht kollabieren. Die Stabilität findet AKD deshalb im Premium- und Luxussegment.

Wie überall ist auch in China der Margendruck massiv. Wo früher zweistellige Renditen möglich waren, hat sich die Spanne deutlich reduziert. Gleichwohl zeigt das Unternehmen, dass man im Gebrauchtwagengeschäft weiterhin gut verdienen kann – allerdings nur mit absoluter Prozessdisziplin. Ein zentraler Hebel sind auch in China die Zusatzerträge: Finanzierung, Versicherung, und Garantieprodukte spielen eine tragende Rolle.


Chinesischer Autohandel - Besuch in der AKD Luxury Car Mall

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Einkauf als Nadelöhr 

Nicht der Verkauf, sondern der Einkauf ist laut Xianda das Nadelöhr des Geschäfts. AKD kauft selektiv und strikt qualitätsorientiert – lieber weniger Fahrzeuge, dafür mit kalkulierbarem Risiko. Elektroautos werden differenziert bewertet: Während viele E-Autos zuletzt stark an Wert verloren haben, gelten einzelne Marken – etwa Tesla oder ausgewählte chinesische Hersteller, wie Aito oder LI Auto – weiterhin als stabil. 

Wie nutzt AKD die Digitalisierung? Rund 60 Prozent aller Leads kommen aus der eigenen App, weitere Anteile aus WeChat-Mini-Programmen und Empfehlungen bestehender Kunden. Der Verkaufsprozess bleibt dennoch hybrid: Die finale Entscheidung fällt fast immer vor Ort, mit Probefahrt und persönlicher Übergabe – trotz vollständig digital vorbereiteter Prozesse.

KI für Preissteuerung und Marketinginhalte 

AKD setzt auch gezielt auf Künstliche Intelligenz (KI). Allerdings nicht als Marketing-Gag, sondern zur Preissteuerung, wie der Inhaber weiter berichtete. Nach jedem Verkauf werden Einkauf, Aufbereitungskosten, Marktpreis und Standtage analysiert. Ziel ist ein lernendes System, das künftige Einkaufs- und Preisentscheidungen präziser macht. Auch im Marketing – etwa bei der Content-Erstellung – kommt KI inzwischen substanziell zum Einsatz. 

Das größte Risiko sieht Xianda nicht in Absatzschwierigkeiten, sondern in plötzlichen Neuwagenpreissenkungen der Hersteller. Diese wirken unmittelbar auf die Gebrauchtwagenwerte. "Geschwindigkeit werde damit zur Überlebensfrage. Lange Standzeiten sind Gift für das Ergebnis", sagte er. Für ihn ist klar, wer Preisdisziplin, digitale Leadsteuerung und Risikomanagement nicht beherrscht, wird im Gebrauchtwagenmarkt verlieren. Nicht laut – sondern leise, über die Bilanz.


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