Wenn sich auf der kalifornischen Halbinsel von Monterey einmal im Jahr die internationale Autosammler-Szene trifft, spielt Geld traditionell eine eher untergeordnete Rolle. Auch 2026 gab es bei den Auktionen der Car Week wieder Rekordverkäufe zu Rekordpreisen. Doch für die ist eine immer kleinere und exklusivere Gruppe von Fahrzeugen verantwortlich.
Laut einer Auswertung des Marktbeobachters Classic Analytics kamen bei den fünf großen Auktionshäusern bis Samstag Fahrzeuge für insgesamt 747,9 Millionen Dollar unter den Hammer – so viel wie noch nie. 844 von 1.124 angebotenen Autos fanden einen Käufer, was einer Verkaufsquote von 75 Prozent entspricht. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es 76 Prozent. Gestiegen ist hingegen der durchschnittliche Verkaufspreis: von rund 529.000 auf gut 886.000 Dollar.
K-förmiger Markt
Doch der Rekord ist nur die halbe Geschichte. Classic Analytics spricht von einem immer ausgeprägteren "K-förmigen Markt": Ganz oben erzielen seltene, kaum ersetzbare Autos Rekordsummen, während gewöhnlichere Sammlerfahrzeuge selbst in gutem Zustand teilweise hinter den Erwartungen zurückbleiben. Das Rekordergebnis werde deshalb von einer vergleichsweise kleinen Zahl außergewöhnlicher Fahrzeuge stark nach oben gezogen.
Wie weit die Spitze mittlerweile enteilt ist, demonstrierte ein Sportwagen: Das Shelby Cobra Daytona Coupé von 1964 brachte bei Gooding Christie’s 42,9 Millionen Dollar und stellte damit einen neuen Auktionsrekord für ein amerikanisches Automobil auf. Auf Rang zwei folgte der als Wohltätigkeitslos angebotene Ferrari Luce Tailor Made Sedan von 2026 mit glatten 40 Millionen Dollar. Ein McLaren F1 von 1996 kam auf 34,7 Millionen Dollar und setzte damit eine neue Bestmarke für ein britisches Auto. Eine Chevrolet Corvette Grand Sport von 1963 erzielte 18,7 Millionen Dollar – ebenfalls Rekord für die Baureihe.
Monterey Car Week 2026 - Oldtimer-Auktionen (Auswahl)
Damit war Monterey in diesem Jahr wie schon im Vorjahr ein Ferrari-Festival. Damals hatten acht der Italiener die Top Ten besetzt, diesmal waren es immerhin noch sieben. Und gerade bei den neueren Modellen blieb das springende Pferd das Maß der Dinge: Ein Ferrari F50 von 1996 kostete bei Mecum 14,6 Millionen Dollar, ein 288 GTO von 1985 bei RM Sotheby’s 11,6 Millionen und ein F40 von 1991 8,4 Millionen Dollar. Für alle drei Baureihen wurden damit neue Auktionsbestmarken erzielt.
Dass Sammler gerade für Supersportwagen der jüngeren Vergangenheit so tief in die Tasche greifen, ist in Kalifornien kein Einzelfall. Fahrzeuge aus den 1980er- bis 2020er-Jahren erzielten laut Classic Analytics im Median Preise, die 31 bis 38 Prozent über den vorher attestierten Werten lagen. Bei Ferrari komme noch ein weiterer Faktor hinzu: Der Besitz besonders seltener Modelle sei für manche Stammkunden auch strategisch interessant, weil er die Verbundenheit mit der Marke dokumentiere und damit die Chancen auf die Zuteilung künftiger Kleinserien verbessern könne.
Ganz anders sieht es bei vielen klassischen Oldtimern aus. Fahrzeuge aus den 1950er- und 1960er-Jahren machten zusammen mehr als ein Drittel des Angebots aus, waren aber zugleich die einzigen Altersgruppen, deren Medianpreise unter den zustandsangemessenen Vergleichswerten von Classic Analytics lagen. Besonders deutlich zeigt sich die Zweiteilung bei den Autos der 1960er-Jahre: Während Shelby und Corvette mit extrem seltenen Modellen Rekorde feierten, lag das übrige Segment im Median 6,2 Prozent unter dem Vergleichswert. Ein berühmter Name oder ein hohes Alter allein reicht also längst nicht mehr für einen Millionenpreis.
Verkaufsquote praktisch unverändert
Dass der Gesamtumsatz neue Höhen erreicht, bedeutet nach Einschätzung von Classic Analytics demnach nicht, dass der gesamte Oldtimermarkt boomt. Die Verkaufsquote ist gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert, während die Spitzenpreise explodieren. Dabei setzt sich auch der Wandel der Monterey Car Week fort. Früher standen dort vor allem die großen Klassiker im Mittelpunkt, in den vergangenen Jahren kamen immer mehr aktuelle Kleinserien, Hypercars und exklusive Neuwagen hinzu. Nun zeigt sich diese Verschiebung auch auf dem Auktionsparkett. Neben klassischen Ferrari werden jüngere McLaren, Bugatti, Lamborghini oder Hennessey zunehmend zu den neuen Sammlerstücken.