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Hyundai Deutschland-Chef im Interview: "Wir brauchen unsere Händler"

Hyundai Deutschland-Chef im Interview
"Wir brauchen unsere Händler"
Jürgen Keller, neuer Geschäftsführer von Hyundai Deutschland (l.), im Gespräch mit AUTOHAUS-Redakteur Armin Wutzer.
© Foto: Chris Neumann / Thüllen Gruppe

Im Interview mit AUTOHAUS spricht Jürgen Keller über seine neue Aufgabe als Geschäftsführer von Hyundai Deutschland, den Reiz der Marke und das Verhältnis zum Handel.

Von Armin Wutzer/AUTOHAUS

Seit 1. Juli 201 ist Jürgen Keller neuer Geschäftsführer der Hyundai Motor Deutschland GmbH. Und gleich einer seiner ersten öffentlichen Auftritte in der neuen Rolle führt den ehemaligen Opel-Manager in den Handel – zur 100-Jahr Feier der Autohaus-Gruppe Thüllen in Aachen. Dort trafen wir ihn vier Tage nach Amtsantritt zu einem ersten Interview

AUTOHAUS: Herr Keller, wie war Ihre erste Woche als neuer Geschäftsführer von Hyundai Deutschland?

Jürgen Keller: Sie war davon geprägt, dass ich möglichst viele Leute kennenglernt habe. Am Montag habe ich als erstes mein Team in Offenbach getroffen und mich den Mitarbeitern persönlich vorgestellt. Dann gab es natürlich auch gleich erste Gespräche und Meetings mit den Bereichsverantwortlichen. Dienstag habe ich einige Händlervertreter in lockerer Atmosphäre kennenglernt. Damit wollte ich bewusst ein Zeichen setzen, wie wichtig mir die Beziehung zum Handel ist. Dabei haben wir auch darüber gesprochen, was bereits sehr gut funktioniert und was ich aus Sicht des Handels anpacken sollte.

AH: Wie war die Stimmung bei diesem Treffen und was stand denn so auf der Wunschliste der Händler?

J. Keller: Die Händler haben mich positiv aufgenommen und waren sehr fair zu mir. Einige von ihnen kannte ich ohnehin schon aus meinem bisherigen Berufsleben. Das Treffen diente aber ganz bewusst ausschließlich dem Kennenlernen. Dabei wurden zwar auch ein paar neuralgische Punkte angesprochen. Es war aber keineswegs so, dass mir da eine Din A4 Seite mit 20 Punkten vorgelegt wurde, die ich jetzt anpacken soll. Da hatte Jeder Verständnis, dass ich zuallererst einmal das Unternehmen kennenlernen und mir ein Bild machen muss. Dazu will ich erst einmal zuhören und viele Fragen stellen – sowohl meinen Mitarbeitern als auch unseren Partnern im Handel. Dabei werde ich so manches beobachten, was bereits sehr gut läuft. Ich werde auch ein paar Dinge beobachten, die anders laufen als ich das bisher kannte. Dann werde ich fragen, wieso das so ist. In den meisten Fällen wird es dafür sehr gute Gründe geben. Bei anderen Dingen hingegen werden wir feststellen: Das sollten wir anders machen. Und so werde ich meine neue Aufgabe ganz unaufgeregt angehen. Das gute ist ja, dass Hyundai in Deutschland extrem erfolgreich ist. Darauf lässt sich sehr gut aufbauen.

AH: War das, was Sie eben beschrieben haben, Ihr Programm für die ersten 100 Tage?

J. Keller: In gewisser Weise. Heutzutage hat man – glaube ich – aber nur noch 100 Stunden. Man ist sofort mitten drin. Ich musste mich an meinem ersten Tag beispielsweise gleich mit einem Hagelschaden auseinandersetzen. Das ist aber auch gut und richtig so. 100 Tage sind einfach nicht mehr zeitgemäß, wenn es darum geht, die Dinge anzupacken. Aber es stimmt schon: Mein Programm für die erste Zeit lautet: Zuhören, Fragen stellen und dann relativ schnell verstehen welche Dinge man anpacken und neu oder anders machen muss.

AH: Gibt es schon ein paar Punkte, die Ihnen in diesem Zusammenhang aufgefallen sind?

J. Keller: Ja, die gibt es. An diesen Dingen gibt es aber auch noch einiges, was ich noch besser verstehen will. Daher glaube ich, ist es noch zu früh, öffentlich darüber zu sprechen. Das sollte ich besser erst mit meinem Team und dem Handel diskutieren.

AH: Was hat Sie gereizt, die Aufgabe als Geschäftsführer bei Hyundai anzunehmen?

J. Keller: Ich bin mittlerweile schon sehr lange in der Branche. Da beobachtet man natürlich die Wettbewerber. Und ich muss sagen: Was ich in den letzten Monaten und Jahren bei Hyundai beobachten konnte, das hat mich begeistert und nötigt mir großen Respekt ab. Dazu muss ich vielleicht ein bisschen ausholen. Wir sprechen heute vor dem Hintergrund der 100 Jahr-Feier der Thüllen Gruppe. Das ist ein fantastisches Jubiläum. Wenn man nun gegenüberstellt, dass die Hyundai Motor Company vor 52 Jahren gegründet wurde, wird erst wirklich deutlich, wie jung das Unternehmen ist. Auf dem deutschen Markt ist Hyundai sogar erst seit 28 Jahren. Und was sich in dieser kurzen Zeit entwickelt hat, ist erstaunlich! Ein gutes Beispiel dafür ist das erste Modell, der Hyundai Pony. Das war schon eine echte Herausforderung was Design und Technologie anging. Und jetzt ist Hyundai der weltweit fünftgrößte Automobilhersteller und in Deutschland bereits seit mehreren Jahren der wichtigste asiatische Importeur. Es ist bemerkenswert, mit welchem Tempo dieser Konzern unterwegs ist. Das gilt aber nicht nur für den Absatz sondern auch für die technologische Entwicklung. Hyundai ist inzwischen der weltweit einzige Hersteller der alle Antriebsformen in Serie anbietet. Sei es nun Benzin, Diesel, Hybrid, batterieelektrisch oder mit Wasserstoff. Da sieht man, mit welcher Macht sich das Unternehmen entwickelt. Und es wird ja so weitergehen. Bis 2021 wird es auf dem deutschen Markt 30 neue Modelle beziehungsweise Derivate geben. 2021 werden zudem mehr als 60 Prozent aller Modellreihen alternative Antriebe haben. Es geht also in wahnsinnigem Tempo voran. Das war für mich schon ein sehr wichtiges Argument.

AH: Welchen Stellenwert hat der Handel in Zukunft für Sie? Haben Sie hier eine bestimmte Philosophie?

J. Keller: Das lässt sich relativ einfach beantworten: Hyundai verfolgt ganz klar die Strategie, auch künftig keine eigenen Niederlassungen zu haben. Welchen Stellenwert hat also der Handel? Das ist unser Weg zum Kunden! Wir brauchen unsere Händler, um unsere Fahrzeuge an die Endkunden zu vermarkten. Und deshalb ist uns die Beziehung zum Handel wahnsinnig wichtig. Glücklicherweise gibt es bei Hyundai schon länger eine Tradition der guten und engen Zusammenarbeit. Und ich glaube, ich habe mir in den letzten Jahren ebenfalls den Ruf erworben, dass mir ein guter Kontakt zum Handel wichtig ist. In dieser Hinsicht wird sich bei Hyundai in den nächsten Jahren also nicht viel ändern. Das heißt freilich nicht, dass ich immer exakt das tue, was der Handel gerne hätte. Interessenkonflikte wird es immer wieder einmal geben. Entscheidend ist aber, dann miteinander zu reden und einen Kompromiss zu finden. Das Wort Kompromiss ist für manche ja etwas negativ behaftet. Das sehe ich aber anders: Es geht darum, einen Weg zu finden, mit dem beide Seiten gut leben und erfolgreich sein können. Darauf kommt es doch letztlich an.

AH: Vielen Dank für das Gespräch!

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