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Brüderle: "Atempause" bei Biosprit E10 sinnvoll

08.03.2011 10:24 Uhr
Rainer Brüderle
Laut Rainer Brüderle wird E10 auf jeden Fall fortgeführt. Allerding kann sich der Bundeswirtschaftsminister eine "Atempause" vorstellen, um in dieser Zeit die Autofahrer besser über E10 zu informieren.
© Foto: Jens Schlueter/ dapd

Wirtschaftsminister Brüderle kann sich ein Aussetzen des Biosprits E10 vorstellen, um Klarheit über dessen Verträglichkeit zu schaffen. Umweltminister Röttgen lehnt dies bisher ab.

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Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will zwar am Biosprit E10 festhalten, zeigt sich aber offen für einen Boxenstopp bei der Einführung des umstrittenen Kraftstoffs. Die Grundsatzentscheidung für eine E10-Fortführung sei gefallen, sagte der Minister am Dienstag im Südwestrundfunk. Es könne aber sinnvoll sein, den Biosprit für eine "Atempause" auszusetzen, um in dieser Zeit die Autofahrer besser über E10 zu informieren.

Doch Brüderle ist mit seiner Position bisher allein in der Bundesregierung. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wollen an E10 festhalten. Das Spitzenreffen in Brüderles Wirtschaftsministerium mit Vertretern der Mineralöl-, Auto- und Bauernbranche sowie mit Verbraucher- und Umweltschützern soll vor allem einen Appell für eine massive Informationsoffensive bringen.

Die Bundesregierung will zum Beispiel die Infos für Verbraucher an den Tankstellen verstärken. Das geht aus einer Vorlage für den Gipfel nach Angaben aus Regierungskreisen hervor. Damit sollten Auto- und Mineralölwirtschaft stärker in die Pflicht genommen werden. So sollen an Tankstellen mehr Listen ausgelegt werden, welche Wagen E10 tanken können. Der Verkehrsclub VCD bewertete den Benzingipfel angesichts der zu erwartenden eher mageren Ergebnisse "als Höhepunkt des Berliner Karnevals".

Als ein Grund für die Absatzkrise wird genannt, dass Autokonzerne keine Garantie für langfristige Schäden durch E10 übernehmen. Fast drei Millionen Autos vertragen E10 nicht, zudem gibt es Zweifel an den Klimaschutzvorteilen. Unterschiedliche Informationen zur Verträglichkeit haben zudem dazu geführt, dass auch Millionen Fahrer mit E10-tauglichen Autos auf das acht Cent teurere Super Plus ausweichen.

Röttgen gibt sich kompromisslos

Röttgen gibt sich anders als Brüderle kompromisslos. Er dringt darauf, die Einführung wie geplant fortzuführen. Er machte in der "Bild"-Zeitung erneut die Mineralölwirtschaft für die Verwirrung bei den Kunden verantwortlich. "Die jetzige Aufregung hängt damit zusammen, dass die Wirtschaft nervös geworden ist, weil sie ihr eigenes Produkt zu schlecht vermarktet hat", sagte Röttgen. Er sei dennoch zuversichtlich, "dass das entstandene Misstrauen beim Verbraucher wieder abgebaut werden kann". Die Einführung von E10, das Tempo, die Produktwerbung und die Preisgestaltung sei Sache der Ölkonzerne. "Sie dürfen sich ihre Fehler bei der Einführung nicht vom Verbraucher bezahlen lassen", sagte Röttgen mit Blick auf mögliche Strafzahlungen für zu wenig verkauftes E10, die auf die Spritpreise aufgeschlagen werden könnten.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin griff Röttgen bei "Spiegel online" scharf an und warf ihm vor, nicht präsent zu sein. "Obwohl Klimaschutz zu Norbert Röttgens Kernaufgaben gehört, ist er im Konflikt um E10 ein Totalausfall", sagte der frühere Umweltminister. Röttgen sei im aktuellen E10-Chaos "komplett abgetaucht und spielt keine Rolle". Dass der Gipfel auf Initiative von Brüderle stattfinde, sei ein klares Zeichen. "Ein Minister, der sich so etwas wegnehmen lässt, hat innerlich schon abgedankt", sagte Trittin. Offensichtlich sei Röttgen der Landesvorsitz der CDU in Nordrhein-Westfalen wichtiger als seine Amtspflichten.

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KOMMENTARE

Dieter M. Holzel

08.03.2011 - 10:41 Uhr

Dieser Minister hat sich noch nie mit Ruhm bekleckert, bei OPEL hat er sich auch Tendenzen angeschlossen und es kam ganz anders, blöd ge- laufen für ihn, zum falschen Zeitpunkt das Falsche gesagt. Jetzt soll wohl die autofahrende Bevölkerung für teueren Treibstoff " weichge- klopft " werden, " Atempause " ist dafür die Definition dieses Herrn Brüderle. Nachdem der " Benzingipfel " am heutigen Faschingsdienstag statt findet, kann man es durchaus als Faschingstreiben betrachten.


O. Koller

08.03.2011 - 13:22 Uhr

Alles in allem eine erstaunliche Debatte. In anderen Ländern fahren die Autos mit reinem Ethanol und bei uns geht das alles angeblich nicht und es braucht "Benzin-Gipfel"!! Bei unserer Tankstelle wurde E 10 Anfang Februar eingeführt und hatte da schon einen Anteil von über 20% am Treibstoff-Umsatz. Täglich kommen Autofahrer und fragen nach der Möglichkeit, E 10 zu tanken. Ebenso fragen täglich Kunden in unsrerer Vertragswerkstatt (vier Marken verschiedener Konzerne) und es liegen Freigaben für die meisten Fahrzeuge vor! Die angebliche Verunsicherung der Fahrzeughalter wird wohl überwiegend von den Medien und Laien-Politikern ohne Fachverstand hervorgerufen!


Stephan Visontay

08.03.2011 - 22:51 Uhr

Sehr geehrter Herr Koller, ich gebe Ihnen vollkommen recht, bei allem guten Willen kann auch ich wenig Verständnis für dieses ganze Theater und die teilweise dummen Kommentare hier, aufbringen. Jede Person, die des Lesens und Telefonierens mächtig ist, kann sich informieren. Auch ich habe dies getan, zuerst im Internet, danach beim Importeur. Mit Warteschleife hat mich das Ganze ca. 2,5 min. an Zeit gekostet. Zwischenzeitlich liegt mir die Bestätigung des Importeurs auch schriftlich vor. Jede Person die diesbezüglich nach Aufklärung von wem auch immer schreit ist entweder zu bequem diese paar Minuten zu investieren oder es sind andere Gründe, die ich jetzt hier nicht nennen möchte. Mag sein, dass die Argumente der Regierung in Sachen Umweltschutz zweifelhaft sind, das Argument, die Abhängigkeit vom Öl ein wenig zu reduzieren, ist aber durchaus nachvollziehbar.


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