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Frankreich senkt Maximalgeschwindigkeit: Wie sinnvoll ist Tempo 80 auf Landstraßen?

Um die Zahl der Verkehrstoten zu verringern, will Frankreich das auf Landstraßen erlaubte Maximaltempo verringern
© Foto: ÖAMTC

Auf einer gut ausgebauten Landstraße zwangsweise mit 80 km/h vor sich hinbummeln? Das führt zu Autofahrer-Frust. Besser ist eine andere Lösung.


Datum:
11.01.2018
5 Kommentare

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Von Hanne Schweitzer/SP-X

Um die Zahl der Verkehrstoten zu verringern, will Frankreich das auf Landstraßen erlaubte Maximaltempo verringern: Ab 1. Juli soll die Höchstgeschwindigkeit von 90 auf 80 km/h gesenkt werden. In Deutschland passieren die meisten Unfälle mit tödlichen Folgen ebenfalls auf Landstraßen. Den Vorstoß unseres Nachbarlandes halten Unfallforscher für deutsche Straßen jedoch nur bedingt für tauglich.

Typische Ursache für schwere Landstraßen-Unfälle ist überhöhte Geschwindigkeit. „Wenn die Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr in Deutschland weiter sinken soll, dann müssen wir über angemessene Geschwindigkeiten auf Landstraßen reden", sagt Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates. Der DVR fordert schon seit einigen Jahren, die Höchstgeschwindigkeit auf schmalen Landstraßen mit einer Fahrbahnbreite von bis zu sechs Metern, auf 80 km/h zu senken. Der Deutsche Verkehrsgerichtstag empfahl bereits 2015, die Regelgeschwindigkeit – also aktuell 100 km/h – auf 80 km/h zu senken und im Gegenzug gut ausgebaute Straßen für Tempo 100 freizugeben.

In die gleiche Kerbe schlägt die Unfallforschung der deutschen Versicherer (UDV): "Sinnvoller als ein generelles Tempolimit ist es, die Geschwindigkeit je nach Ausbauzustand festzulegen", so UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Bei schmalen, schlecht ausgebauten Straßen würde dann Tempo 70 gelten, bei breiteren Straßen in besserem Zustand 90 oder 110 km/h, gemäß dem Regelwerk RAL (Richtlinie für die Anlage von Landstraßen), das für den Bau neuer Straßen gilt.

Limit an realer Gefahr orientieren

Der Vorteil dieser Regelung: Das Limit orientiert sich an der realen Gefahr und ist für den Autofahrer leichter einzusehen. Vor allem Letzteres ist Brockmann zufolge ein wichtiger Aspekt, da sonst nach Erkenntnissen der Unfallforschung die vorgegebene Geschwindigkeit einfach nicht eingehalten wird.

Der Großteil der Landstraßen ist hierzulande allerdings nicht umfassend ausgebaut: Grob geschätzt würden laut Brockmann bis zu 15 Prozent der Landstraßen für 110 km/h freigegeben werden können, auf den meisten Straßen (85 Prozent) wäre dann eine Verringerung Maximalgeschwindigkeit notwendig, auf 90 oder 70 km/h.

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KOMMENTARE


Michael

11.01.2018 - 17:51 Uhr

Wie am Anfang des Artikels erwähnt passieren die meisten Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit, also es wird Schneller gefahren als Erlaubt. Von daher was soll eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 KM/H bringen ? Wenn die Leute die Unfälle bauen Schneller fahren als Erlaubt.


Gert

11.01.2018 - 22:29 Uhr

Hallo, wie viele Reglementierungen denn noch.Fahrschule absolviert, ja, Geschwindigkeit an die "eigenen Fähigkeiten " und die Verkehrsbedingungen anpassen". Wer dieses zum Eigenschutz nicht beherzigt, der schaut auch nicht auf Schilder. Da gilt " leider " nur lernen durch Schmerz! Wie seit Jahrtausenden.


Frank E.

11.01.2018 - 23:00 Uhr

Ich bedanke mich bei jedem LKW-Fahrer, der auf der gut ausgebauten B3 seinen Führerschein riskiert und die Blechlawine im Pendlerverkehr mit verbotenem Tempo 80-90, statt regelkonform 60!, näher ans Ziel bringt. Wenn die LKWs nur 60-70 fahren, häufen sich riskante Überholmanöver, gelegentlich auch durch Sprinter, die auf "Startplatz" 13 hinter dem LKW sind. Wenn Leute mit Tempo 150 gegen den Alleebaum fahren, macht es keinen Unterschied, ob 80 oder 100 erlaubt war. Wenn Fahrzeuge beim Überholen kollidieren, muss der Überholer nicht zwingend ein Raser sein. Wir haben immer noch die Regeln, die in den 50er Jahren sicherlich sinnvoll waren. Diese fahle Tempodiskussion wird mir seit vielen Jahren viel zu einschichtig geführt. LKWs nur 60km/h, Überholen, technische Verbesserungen... fällt alles aus dem Blickfeld.


Landei

12.01.2018 - 08:45 Uhr

Tempolimits auf deutschen Straßen.Das Thema wird hat uns schon jahrzehntelang begleitet und wird auch in der Zukunft immer aktuell bleiben.Doch wovon reden wir eigentlich?Etwa 3200 Verkehrstote im Jahr - das entspricht 0,004% der Bevölkerung. In Bezug auf die Gesamtzahl der Todesfälle reden wir von 0,35%. Ein Prozentsatz, bei dem sich die Frage stellt, warum deswegen so ein Aufheben gemacht wird.Durch Krebs sterben jedes Jahr über 200.000 Menschen in Deutschland - rund ein Viertel der gesamten Todesfälle. Das Geld für neue Tempolimits sollte meiner Meinung nach also besser in die Krebsforschung/ - prävention investiert werden.Gerade im Hinblick darauf, dass sowieso schon ein Großteil der Straßen geschwindigkeitsbeschränkt sind.Es ist aber hier nur die Rede von überhöhter Geschwindigkeit als Unfallursache Nr.1.Die Meinung kann ich so nicht teilen. - Vielmehr ist zu beobachten, dass der Konsum von Alkohol, Drogen, Medikamenten und anderen berauschenden Mitteln stark zugenommen hat - mit entsprechenden Auswirkungen auf den Verkehr.Am Schlimmsten und mit Sicherheit für einen Großteil der Unfälle verantwortlich ist aber die Mobiltelefonnutzung. Der Nachweis ist aufwändig und wird daher vermutlich nicht so oft geführt. Aber - Meiner Meinung nach sollte nicht eine Sippenhaft in Form von generellen Tempolimits diese Thematik verbessern, sondern bessere Aufklärung und Suchtprävention. (Auch ein Mobiltelefon ist suchtgefährdend!!)Auch dürfte eine weitere Verschärfung der Strafen bei Mobiltelefonnutzung - bis hin zu Haft bei Unfällen mit Todesfolge - dazu führen, dass sich Autofahrer wieder mehr auf den Straßenverkehr konzentrieren.In diesem Sinne: Bitte den Blick weiter öffnen. - Vielen Dank.


Grantler

12.01.2018 - 11:51 Uhr

Die Frage erinnert irgendwie an die Frage nach dem Tempolimit auf den deutschen Autobahnen. Eine französische Landstraße ermöglicht (i.d.R.) kaum höhere Geschwindigkeiten, ist also nicht mit den Verhältnissen in Deutschland vergleichbar.


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