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Mineralölsteuer: Bundesregierung hält am Dieselprivileg fest

Im Kampf für eine bessere Luft will das Umweltbundesamt Diesel-Fahrer beim Tanken stärker zur Kasse bitten.
© Foto: Bosch

Welche Zukunft hat der Diesel? Die Debatte hält an. Jetzt steht auch das Dieselprivileg bei der Steuer in der Kritik.


Datum:
14.08.2017
5 Kommentare

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Die Bundesregierung hält an der Begünstigung von Diesel-Kraftstoff bei der Mineralölsteuer fest. "Es gibt keine Pläne, da eine Änderung herbeizuführen", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Montag in Berlin. Er verwies auf die höhere Kraftfahrzeugsteuer für Diesel-Autos, die der Vergünstigung bei der Mineralölsteuer gegenüberstehe. Am Wochenende hatte die Chefin des Umweltbundesamts (UBA), Maria Krautzberger, gefordert, das Dieselprivileg zu überprüfen. Auch Umweltverbände verlangen seit Jahren, Diesel und Benzin gleich zu besteuern, und damit Diesel an der Tankstelle teurer zu machen als bisher.

Das Bundesumweltministerium will sich in die Debatte nicht einmischen, obwohl das UBA ihm als Behörde unterstellt ist. "Wir brauchen nicht mehr Steuern, sondern einen Qualitätscheck des bestehenden Steuersystems", sagte ein Sprecher. Das Steuersystem müsse insgesamt ökologischer werden. Die Dieselsteuer isoliert anzuheben, würde dazu führen, das Diesel-Fahrer alleine die Zeche zahlten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte sich in der am Donnerstag erscheinenden "Super Illu" für das Dieselprivileg stark: "Diese Vorteile für Dieselautos gibt es vor allem auch deshalb, weil sie weniger CO2 ausstoßen. Da ist der Diesel besser als der Benzinmotor." Moderne Dieselautos müssten aber auch die Normen für den Ausstoß von gesundheitsgefährdendem Stickoxid erfüllen. Die Kunden müssten sich darauf verlassen können, dass die versprochenen Umweltwerte auch stimmten.

Das Umweltbundesamt hingegen will im Kampf für eine bessere Luft Diesel-Fahrer beim Tanken stärker zur Kasse bitten. Behördenchefin Maria Krautzberger brachte in der Debatte um die Zukunft der Antriebstechnik erneut eine Abschaffung des Dieselprivilegs bei der Steuer ins Gespräch. Dieses "muss auf den Prüfstand", sagte Krautzberger am Wochenende der "Rheinischen Post". "Dieselfahrer zahlen pro Liter Kraftstoff 18,4 Cent weniger als bei Benzin - den Staat kostet diese Subventionierung mittlerweile 7,8 Milliarden Euro pro Jahr, gut dreieinhalb Milliarden davon für die Pkw-Nutzung."

Abbau aller "umweltschädlichen Subventionen"

Selbst bei Abzug der höheren Kfz-Steuern für Diesel-Autos seien das rund eineinhalb Milliarden Euro vom Staat für die Selbstzünder pro Jahr. "Zum Vergleich: Die Förderung für Elektromobilität beträgt knapp eine Milliarde - aber bis 2020", sagte Krautzberger der Zeitung. Das Umweltbundesamt hatte wiederholt einen Abbau aller "umweltschädlichen Subventionen" gefordert, darunter die niedrigere Diesel-Besteuerung. Eine der Folgen der Subventionen sei die Luftverschmutzung durch Dieselfahrzeuge in den Innenstädten.

Erst am Freitag hatte Krautzberger die von den Autobauern eingeführten Prämien für den Kauf neuer Diesel kritisiert (wir berichteten). "Begriffe wie Umweltprämie oder Umweltbonus, wie sie derzeit von den Autoherstellern verwendet werden, sind irreführend", sagte die Behördenchefin der Deutschen Presse-Agentur. Umweltprämien müssten sich an Kriterien wie geringem Schadstoffausstoß, niedrigem Verbrauch und zukunftsweisendem Antrieb orientieren.

Die Autobranche ist derzeit schwer unter Druck. Viele Städte haben mit zu hohen Stickoxid-Werten durch Diesel-Abgase zu kämpfen. Es drohen Fahrverbote. Der Diesel-Marktanteil bei Neuwagen sinkt. Mit Nachrüstungen für Millionen von Diesel-Fahrzeugen über ein Software-Update sollen Wagen nun sauberer werden. Dies war Anfang August bei einem Diesel-Gipfel vereinbart worden. Hersteller haben außerdem Prämien beim Kauf neuer Diesel-Fahrzeuge angekündigt. Damit sollen alte Diesel mit höherem Schadstoffausstoß ersetzt werden.

Benzin-und Dieselsteuer

Der Spritpreis an der Tankstelle setzt sich aus mehreren Posten zusammen, wobei Steuern den größten Anteil ausmachen. Je Liter Benzin werden festgeschriebene 65,45 Cent Mineralölsteuer fällig, für Diesel 47,04 Cent. Außerdem schlägt die Mehrwertsteuer mit 19 Prozent zu Buche. Dazu kommen neben dem Produkteinstandspreis sogenannte Deckungskosten - diese Summe deckt die Kosten der Konzerne und ihren Gewinn ab.

Im Juli 2017 mussten Autofahrer für einen Liter Super laut Mineralölwirtschaftsverband im Schnitt 133,02 Cent pro Liter zahlen. Ein Liter Diesel kostete im Schnitt 110,80 Cent. Der Preisvorteil für Diesel kommt durch unterschiedliche Mineralölsteuersätze zustande. Bis Mitte der 1980er Jahre wurden Benzin und Diesel noch nahezu gleich besteuert. Danach stieg die Abgabe auf Benzin deutlich stärker.

Die Subventionierung von Diesel kam ursprünglich vor allem dem Transportgewerbe zu Gute: Nutzfahrzeuge und der gewerbliche Lkw-Verkehr sollten aus wirtschaftlichen Gründen weniger stark besteuert werden. Diesel-Pkw spielten damals noch keine große Rolle. (dpa)

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KOMMENTARE


Thomas S.

14.08.2017 - 09:00 Uhr

Wie kann man bei einem solchen Steuersatz von Subventionen sprechen. Super sollte billiger werden .


Paul

14.08.2017 - 10:15 Uhr

Ich Frage mich wie wir im Autohaus unsere Kunden noch richtig beraten sollen. Es muss eine Regelung her um wieder Sicherheit für die Bürger dieses Landes zu schaffen. Der Staat erlaubt sich mittlerweile einen zu tiefen Griff in unser aller Geldbeutel und hier reden wir von entgangenen Steuern und belasten die Menschen noch weiter. Das sollte man mal dem normal verdienenden Handwerker vernünftig erklären und da brauchen wir nur in unsere eigenen Betriebe zu schauen. Wir können dankbar dafür sein, dass diese Menschen jeden Tag ihr bestes leisten um diese Gesellschaft zu finanzieren. Denn nur das Handwerk schafft wahre Werte!Ich bin gespannt wie die Autobranche aus dieser Situation hervorgeht. Denn wenn wir nach Handwerkern schauen die unsere Elektroautos reparieren sollen werden wir merken, dass wir diese Leute nicht bezahlen können oder wie es jetzt schon der Fall ist wir nur noch wenige Handwerker finden.


Zustimmer

14.08.2017 - 10:49 Uhr

Korrekt. Dem ist nichts hinzu zu fügen.


wallibelli (E.Kühlwetter)

14.08.2017 - 11:35 Uhr

Man sollte schon bei der Wahrheit bleiben. Gut 3,5 Mia. Dieselsubvention für PKw an der Tanke (etwa 4,3 Mia. für LKw, die im Dieselskandal keine Rolle spielen), stehen mehr 6 Mia .€ jährliche Erlöse an Energieeratzsteuern bei der KFz-Steuer für Diesel-PKW gegenüber. Die Steuerbelastung für Diesel PKw ist demnach insgesamt sogar höher als bei Benzinern, denn denen werden keine 7,50 € je angefangene 100ccm Hubraum jährlich aufgeschlagen wird. Die Dieselsubvention wurde Anfang der 90ziger unter der Regierung Kohl eingeführt, um das inländische Transport- und Busgewerbe wettbewersfähig zu halten, das im Zuge der Grenzöffnung Osteuropas durch billigerere Dieselpreise in POL, TCH, SVK, ÖS und wie immer schon LUX massenwiese ihre Standorte in diese Länder verlegte. Auch heute sind die Dieselpreise in diesen Ländern tendenziell noch günstiger als bei uns. Man kann in D-land nur einen einheilichen Steuersatz für LKW und PKW-Diesel an der Tanke erheben, da LKW bis 3,5 t zGG in der Regel nur einen kleineren Einfüllstutzen haben und daher an PKW-Säulen betankt werden. Die Hersteller sparen sich in dieser Klasse, die fast immer auch als PKW-Kombi bzw. Kleinbus aufgelegt wird, den zweiten größeren LKW-Stutzen. Zur weiteren Klarstellung: Wir fördern E-Autos, wie keine andere technologische Entwicklung seit Bestehen unserer Republik. Sie sind 10 Jahre steuerbefreit, danach zahlen die Halter auf unbegrenzte Zeit nur den halben Steuersatz. Unsere Regierung hat zudem der Autoindustrie die Zusage gegeben, langfrsitig keine Autostromsteuern zu erheben, damit damit das E-auto möglichst schnell ans "Fahren" kommt. Konkret heißt das, unser Staat verzichtet bei Abschaffung des Verbrenners p.a. auf fast 50 Mia. Mineralölsteuer / Energiesteuer plus die Mwst. darauf, Energieersatzsteuer Diesel-PKw, CO2 Steuer und KFZ Steuer, obwohl die Steuern langfristig verplant sind. Der Betrag entspricht ca. 15 % des derzeitgen Bundeshaushalts. Das Thema holt uns spätestens ein, wenn die erste Million E-Autos auf den Straßen fährt. Die Autoindustrie präferiert als Ersatz Mwst.- Erhöhungen mit dem Argument, dass ein emissionsfreies Auto allen Bürgern zugute kommt. Wir sollten uns daher auf eine ca. 5 % Mwst. Erhöhung in den nächsten 10-20 Jahren gefasst machen (1% Mwst-Erhöhung entspricht ca. 11 Mia. € Steueraufkommen). Soviel zur e-Auto-Subvention. Wird das ca. 50 Mia.€ jährliche Verbrennersteueraufkommen auf die Autostromkosten (digitale Stromzähler im Fzg.) umgelegt, kann man die Betriebskosten eines E-Autos in die Tonne hauen.


t.c.

14.08.2017 - 16:15 Uhr

Tatsächlich sollten Diesel und Benzin gleich besteuert werden, auch was die KFZ Steuer angeht. Die Transportunternehmen können auch anders entlastet werden.Nebenbei: Benziner sind keineswegs umweltfreunflicher als Diesel; alle aufgeladenen Benziner (mit Turbo oder Kompressor) haben auch einen erhöten NOx Ausstoß, und Direkteinspriter produzieten Ruß.Das ganze ohne DPF und AD-blue. Mal sehn wann die drann sind.


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