Deutschland gibt nach dpa-Informationen einen Teil der nationalen Ölreserven frei. Hintergrund sind die wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Öl- und Spritpreise. Die G7-Staaten hatten deshalb über eine Freigabe von Reserven beraten. Mit dem Schritt erhofft man sich eine Beruhigung der Märkte und dass der durch den Krieg ausgelöste rasante Ölpreisanstieg abgefedert wird.
Die IEA hatte am Dienstag wegen der angespannten Lage an den Ölmärkten eine Sondersitzung abgehalten. Es gehe darum, die aktuelle Versorgungssicherheit und die Marktbedingungen zu beurteilen, was Einfluss auf eine folgende Entscheidung über die mögliche Freigabe von nationalen Ölreserven habe, hieß es von der IEA. Agenturchef Fatih Birol habe das Treffen mit den Regierungen der IEA-Mitgliedstaaten einberufen.
Handelsblatt: Größte Freigabe der Geschichte vorgeschlagen
Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, schlägt die IEA ihren Mitgliedsstaaten nun eine Freigabe von bis zu 400 Millionen Barrel Rohöl vor. Das würde die bisherige Höchstmenge von 182 Millionen Barrel zu Beginn des Ukrainekriegs deutlich übertreffen. 400 Millionen Barrel entsprächen in etwa der Menge, die vor dem Krieg innerhalb von 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Weiter hieß es, dass 19,5 Millionen davon aus den deutschen Reserven kommen sollen. Das wäre rund ein Fünftel der Vorräte hierzulande.
Ölpreis steigt seit Kriegsbeginn enorm
Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist praktisch zum Erliegen gekommen. Zuletzt haben Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung befeuert.
Am Mittwoch stiegen die Ölpreise mit der Sorge vor einer längeren Liefer-Unterbrechung durch die Straße von Hormus. Am Morgen wurde für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent 92,31 Dollar gezahlt und damit über fünf Prozent mehr als am Vortag. Der Preisrückgang, der am Montag eingesetzt und sich am Dienstag fortgesetzt hatte, ist damit vorerst gestoppt. US-Präsident Donald Trump hatte die Freigabe strategischer Ölreserven in Erwägung gezogen. Medien hatten berichtet, dass es auch eine Lockerung der Ölsanktionen gegen Russland geben könnte. Trump hatte außerdem ein schnelles Ende des Kriegs im Nahen Osten in Aussicht gestellt.
Deutsche Ölreserven für drei Monate
In Deutschland sind seit Ausbruch des Iran-Kriegs die Spritpreise deutlich gestiegen. In der Politik läuft eine Debatte über mögliche Gegenmaßnahmen und Entlastungen der Verbraucher. Am Abend kommen die Koalitionsspitzen von CDU, CSU und SPD zusammen. Deutschland bekommt sein Rohöl überwiegend nicht aus dem Nahen Osten und hält strategische Ölreserven für mindestens 90 Tage, um Versorgungsstörungen auszugleichen. Mit diesen sogenannten strategischen Ölvorräten könnte laut Bundeswirtschaftsministerium für drei Monate ein vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen werden. Verantwortlich ist der Erdölbevorratungsverband (EBV), der Rohöl und Mineralölerzeugnisse (Benzin, Diesel, Kerosin) lagert.
Die Vorräte an Erdölerzeugnissen sind den Angaben zufolge über ganz Deutschland verteilt, das Rohöl wird demnach vorwiegend in unterirdischen Speichern in Norddeutschland gelagert, von wo aus es über Pipelines oder auch per Schiff zur Verarbeitung in Raffinerien transportiert werden kann.
Um 55 Cent: Benzinpreise in den USA steigen deutlich
Auch Autofahrer in den USA bekommen die Auswirkungen des von ihrer Regierung geführten Krieges im Iran deutlich zu spüren. Seit Kriegsbeginn kletterten die Preise für bleifreies Benzin bis Dienstag (Ortszeit) um 55 Cent auf rund 3,54 US-Dollar pro Gallone, wie der amerikanische Automobilverband AAA auf Anfrage mitteilte. Das entspricht einem Anstieg von fast 19 Prozent. Es ist das erste Mal seit Juli 2024, dass der Durchschnittspreis die Marke von 3,50 Dollar knackte. Eine Gallone entspricht 3,785 Litern.
Im Vergleich zu deutschen Autofahrern kommen die Amerikaner dabei noch günstig weg: Pro Liter zahlen sie umgerechnet nur etwa 81 Euro-Cent. Wegen geringerer Steuern und Abgaben und der eigenen Ölproduktion liegen die Spritpreise in den USA grundsätzlich niedriger als in Deutschland.
Trump warb im Wahlkampf mit deutlich tieferen Energiepreisen
Der Krieg im Iran hat den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gebracht. Durch die Meerenge wird in Friedenszeiten rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert. Die Schockwellen des Stopps sind weltweit zu spüren - auch in Deutschland, wo am Montag selbst der Durchschnittspreis für die günstigste gängige Benzinsorte E10 auf über zwei Euro pro Liter kletterte. Das Thema Benzinpreise birgt gerade in den USA politischen Sprengstoff, auch mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen im November. US-Präsident Donald Trump versprach im Wahlkampf, die Förderung fossiler Energieträger wie Öl und Kohle auszubauen - und so die Energiepreise für seine Landsleute deutlich zu verringern.
Seit Beginn des Krieges sucht die US-Regierung nach Wegen, das Angebot auf den Weltmärkten zu erhöhen, etwa durch gelockerte Sanktionen für russisches Öl. Regierungssprecherin Karoline Leavitt versuchte am Dienstag, die Bürgerinnen und Bürger in den Vereinigten Staaten zu beruhigen: "Die US-Bevölkerung kann versichert sein, dass der jüngste Anstieg der Öl- und Benzinpreise nur vorübergehend ist."