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ADAC EcoTest: Erweitertes Prüfverfahren soll besseren Vergleich ermöglichen

Dr. Reinhard Kolke, Leiter ADAC Technik Zentrum Landsberg am Lech, an einem der E-Testfahrzeuge
© Foto: Presse+PR Pfauntsch

Der ADAC verschärft seinen EcoTest. Der Club will damit möglichst realistische Vergleichswerte in Sachen Verbrauch und Umweltbelastung serienmäßiger Elektromobile sowie Gas-, Benzin- und Dieselfahrzeuge liefern. Das neue Prüfverfahren und erste Ergebnisse wurden am Donnerstag in München vorgestellt.


Datum:
16.03.2012
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Ab sofort arbeitet der ADAC mit einem Prüfverfahren, das den tatsächlichen Verbrauch und die Umweltverträglichkeit von Neufahrzeugen aufzeigen soll und dabei den gleichen Maßstab für alle Antriebsformen anlegt. Dafür hat der Club den im Jahr 2003 eingeführten ADAC EcoTest verschärft und erweitert.

Unter realen Testbedinungen

Anders als bei sogenannten Umweltlisten oder Systemanalysen, prüfe der ADAC die Serienfahrzeuge mit eigenen Messungen. "Wir verlassen uns nicht auf die Verbrauchsangaben der Fahrzeughersteller und gehen zudem in praxisnahen Abgastests deutlich über die bestehende Gesetzgebung hinaus. Mit dem EcoTest untermauert der ADAC die Forderung nach immer saubereren und sparsameren Pkw", betonte Thomas Burkhardt, ADAC Vizepräsident für Technik, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in München. 

Die neue Methode benutze strengere Maßstäbe bezüglich des CO2-Ausstoßes. Außerdem werde auch der Schadstoffausstoß (HC, CO, NOx) von Fahrzeugen untersucht. Und: Im neuen Prüfverfahren werde nicht nur die Masse an Rußpartikeln kontrolliert, sondern auch deren Anzahl. Durch die Betrachtung "Well-to-Wheel" ("Von der Kraftstoffquelle bis zum Rad") beziehe das Verfahren den gesamten Prozess des Energieverbrauchs mit ein. Nur so könnten erstmals serienmäßige Elektromobile direkt mit Gas, Benzin- und Dieselfahrzeugen verglichen werden und der Verbraucher erhalte jetzt eine noch bessere Bewertung der tatsächlichen CO2-Emission eines Fahrzeugs. "Auch E-Autos sind schließlich nicht emissionsfrei", konstatierte Burkhardt. Zwar entstünden diese bei der E-Variante nicht im Auspuff, sondern im Kraftwerk. "Das ist aber genauso wichtig für die Ökobilanz des Fahrzeugs, denn wo letzlich die CO2-Emissionen entstehen, ist der Umwelt völlig egal."

Abweichungen bis zu 80 Prozent

Bei den Verbrauchswerten der Hersteller gelte jedoch nach der neuen EU-Norm: "Kein Licht, keine Klimaanlage, nicht mal das Radio ist eingeschaltet. Aber das entspricht nicht der Realität", kritisierte ADAC-Ingenieurin Sonja Schmidt. Beim EcoTest seien die Autos dagegen mit Abblendlicht und Klimaanlage unterwegs. Unter realistischen Bedingungen liege der Kraftstoffverbrauch plötzlich um zehn bis 30 Prozent über den Herstellerangaben – bei Elektroautos seien um bis zu 80 Prozent mehr Verbrauch ermittelt worden, so Dr. Reinhard Kolke, Leiter ADAC Technik Zentrum Landsberg am Lech.

E-Autos enttäuschen

Die ersten beiden nach der neuen Methode getesteten Elektroautos sorgen vorerst für Ernüchterung: Der Volvo C30 Electric und der Renault Fluence Z.E. Expression verfehlen beide mit vier Umweltsternen nicht nur die Höchstwertung von fünf Sternen, da der Verbrauch durch zu hohe Ladeverluste negativ beeinflusst wird, sie sind damit in ihren Energiekosten nicht wesentlich günstiger als Diesel- und Ottofahrzeuge.

Forderungen an Hersteller und Politik

Der neue ADAC EcoTest soll die Forderung des Clubs unterstreichen, die bestehenden technischen Möglichkeiten bei Abgas- und Verbrauchsreduzierungen in allen Fahrzeugklassen noch besser auszuschöpfen und weiterzuentwickeln. Die Prämissen im Einzelnen:

– Ein besserer, realitätsnaher Fahrzyklus soll so schnell wie möglich auch zum gesetzlichen Prüfstandard werden. Gegenwärtig wird der WLTP Zyklus (Worldwide harmonized Light Vehicles Test Procedure) der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) als Weltstandard diskutiert."

– CO2-Grenzwerte für die Fahrzeugflotte von 95 g/km im Jahr 2020 müssten nicht nur im gesetzlichen Prüfzyklus, sondern auch unter realen Fahrbedingungen (EcoTest) eingehalten werden

Benzin Direkteinspritzer hätten vom Gesetzgeber unnötig Verschmutzungsrechte (Partikelzahl) eingeräumt bekommen. Sie würden allein durch den EcoTest – wie Diesel – objektiv bewertet.

– Dieselmotoren müssen so schnell wie möglich mit Euro 6-Techniken ausgestattet werden, um Stickoxidemissionen deutlich auch außerhalb des gesetzlichen Prüfzyklus zu reduzieren und den Diesel aus neuen Umweltdiskussionen herauszunehmen.

– Euro 6-Techniken für Diesel seien angemessen zu fördern.

Erdgas und Autogas müssten von den Herstellern verstärkt angeboten werden. Sie hätten ein Potenzial auf fünf Umweltsterne.

– Elektrofahrzeuge müssten von den Automobilherstellern mit zusätzlich zugebautem Strom aus erneuerbarer Energie angeboten werden.
(lk)

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