Geldfalle Kalkulation: Wie Werkstätten richtig abrechnen

19.01.2026 00:41 Uhr | Lesezeit: 5 min
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Christoph Marschner, Geschäftsführer von MRM fair claim GmbH, zeigt Identica Partnerbetrieben in seinem Seminar, wie vollständige Schadenkalkulation gelingt.
© Foto: Identica

Hohe Ersatzteilpreise, steigende Löhne und strenge Prüfprozesse erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf Werkstätten. Die Kalkulation entscheidet heute mehr denn je über den wirtschaftlichen Erfolg eines Auftrags. Identica bietet deshalb seinen Partnerbetrieben ein spezielles Kalkulations-Seminar, um wirtschaftlich tragfähige Kalkulationen im Alltag sicher umsetzen zu können.

Im Fokus eines neuen Seminars bei Identica steht folgende Konstellation, die das K&L Werkstätten-Netzwerk gegenüber Unternehmern so beschreibt: "Stellen Sie sich vor, Sie führen fach- und sachgerechte Lackierarbeiten an einem verunfallten Fahrzeug durch. Abgerechnet wird am Ende aber nur die offensichtlichste Position: die Seitenwand hinten rechts. Sämtliche angrenzenden Teile? Nicht berechnet. Farbtonangleichung? Fehlt. Versteckte Nebenpositionen? Nicht angesetzt."

Solche Beispiele sind kein Einzelfall: "Nach unseren Auswertungen werden im Durchschnitt rund 20 Prozent zu wenig abgerechnet – oft, ohne dass es den Betrieben bewusst ist", erklärt Christopher Marschner, Geschäftsführer der MRM fair claim GmbH und Trainer des Identica Seminars "Kalkulation II – Expert // Von der vollständigen Schadenkalkulation bis zur Durchsetzung".

Marschner weiter: "Das kann sich heute kein Betrieb mehr leisten. Viele Werkstätten arbeiten voll ausgelastet, verdienen aber trotzdem zu wenig. Der Grund: Die Kalkulation spiegelt nicht das wider, was tatsächlich repariert wird."

Wenn die Software nicht zeigt, was wirklich passiert

Das Problem: Viele Kalkulationsprogramme bilden laut Marschner den Reparaturumfang nicht vollständig ab. Hauptpositionen würden automatisch angezeigt, Nebenarbeiten dagegen oft versteckt und deshalb schnell übersehen. Genau hier sieht Marschner das größte Risiko: "Es wird fachgerecht repariert, aber die Kalkulation zeigt nur einen Teil der Arbeit. Nebenarbeiten wie Farbtonangleichung oder die Herstellung einer geschlossenen Klarlackschicht fallen dann einfach unter den Tisch."

Besonders deutlich zeige sich das im Lackbereich. Dort entstehen schnell Fehlbeträge, weil einzelne Arbeitsschritte nicht erfasst werden, obwohl sie technisch zwingend erforderlich sind. "Das ist jedes Mal echtes Geld, das in der Werkstatt bleibt – und zwar nicht zu wenig. Hinzu kommt, dass vor allem die Lackierer nicht die notwendige Arbeitszeit erhalten, die sie für eine fach- und sachgerechte Lackierung benötigen", betont der Experte.

Sicherheit, Struktur und Durchsetzungskraft als Learings

Im Seminar geht es aber nicht nur darum, einzelne Positionen richtig zu setzen. Es vermittelt den gesamten Weg einer vollständigen Schadenkalkulation: vom technischen Verständnis über die betriebswirtschaftliche Bewertung bis zur professionellen Argumentation gegenüber Versicherern und Prüfdienstleistern.

Die Teilnehmenden erfahren, welche Positionen in welcher Situation zwingend notwendig sind, wie sie fachlich korrekt begründet werden und wie man auf automatisierte Rechnungskürzungen souverän reagiert. "Kürzungen sind ein regulärer Prozess und nichts Persönliches. Entscheidend ist, wie man damit umgeht", sagt Marschner. Deshalb enthält das Seminar auch einen Abschnitt, in dem typische Kürzungsfälle besprochen und realitätsnah durchgespielt werden.

Die Resonanz aus den bisherigen Seminaren ist eindeutig: Die Inhalte sind unmittelbar anwendbar und wirken direkt im Betrieb – von klareren Kalkulationen über weniger Rückfragen bis hin zu spürbaren wirtschaftlichen Effekten.

Identica stärkt wirtschaftliche Kompetenz

Identica kombiniert das Seminar mit weiteren Angeboten, die Werkstätten wirtschaftlich stabil aufstellen sollen. Dazu gehören der Kennzahlenkompass als Analyse-Instrument und die enge Begleitung durch die Systemberater. Sie unterstützen Betriebe bei der Umsetzung im Alltag, analysieren gemeinsam Zahlen und zeigen Wege auf, wie wirtschaftliche Entscheidungen dauerhaft verankert werden können.

"Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Werkstätten werden nicht einfacher", so Margarita Debos, Axalta Netzwerke-Managerin. "Umso wichtiger ist es, dass unsere Mitgliedsbetriebe Klarheit über ihre Zahlen haben. Das Seminar von Christopher Marschner zeigt sehr deutlich, wie viel Potenzial in einer vollständigen, fachgerechten Kalkulation steckt und wie viel Geld Werkstätten heute noch liegen lassen." Dem kann der Geschäftsführer von MRM fair claim GmbH nur zustimmen. Den entscheidenden Gedanken des Seminars fasst er so zusammen: "Nicht die Versicherung entscheidet, was eine Reparatur kostet, sondern die fachgerechte Kalkulation."

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