Know-how-Serie "Der Banker fragt": Chinesische Marken – gelingt der Durchbruch?

Creditplus Know-how-Serie "Der Banker fragt" KeyVisual mit Fragezeichen und Logo, Thema: chinesische Marken

Wie stehen die deutschen Händler und Autokäufer zu den neuen chinesischen Automarken? Sind die Newcomer aus Fernost Risiko oder Chance für den Handel? Was denken Handel und Kunden über Qualität und Preis-Leistung, welche Sorgen gibt es zu Kauf/Verkauf und Service? Die Ansichten gehen hier teilweise weit auseinander. Die spannenden Erkenntnisse der aktuellen Umfrage lesen Sie in der neuesten Folge von „Der Banker fragt ...“!

China hat zur IAA Mobility 2023 für mächtig Wirbel gesorgt, und zwar mit einem Feuerwerk an Modellneuheiten. Besucher und die internationalen Medien reagierten, je nachdem, begeistert oder bestürzt. „Die Chinesen kommen – und lehren die deutschen Autohersteller das Fürchten“ titelte beispielsweise die Neue Zürcher Zeitung. Für „Käufer und Klimaschützer“ sei das eine gute Nachricht, schließlich würden „die überwiegend elektrisch betriebenen Fahrzeuge chinesischer Anbieter immer besser“.

Ein Fünftel würde China-Autos kaufen
Wie werden die Newcomer aus Fernost bei den deutschen Händlern – aber auch ihren Kunden – angenommen? Laut einer Studie der Unternehmensberatung Simon-Kucher aus dem Sommer diesen Jahres sind 18 Prozent der befragten Privatkunden offen für den Kauf einer chinesischen Marke, unter E-Auto-Fahrern sind es sogar 26 Prozent. Die Befragung von Creditplus mit den Marktforschern von Puls ging noch weiter ins Detail ...


  • Handel und Kunden sind sich nicht grün: Dass das Preis-Leistungs-Verhältnis entscheidend für den Kauf von chinesischen Marken ist, vermutet vor allem der Handel (62 Prozent), auf Kundenseite bestätigen das in dieser Umfrage nur 27 Prozent.
  • Ausgerechnet bei Zuverlässigkeit und Sicherheit traut der Handel den chinesischen Marken mehr zu als die Kunden.
  • 15 Prozent der Kunden würden einem Online-Direktkauf bei chinesischen Marken zustimmen. Händler hätten mit 41 Prozent gerechnet.
  • China und Elektromobilität: Einen echten „Vorsprung“ sehen nur 29 Prozent der Kunden und 36 Prozent der Händler.


Hier zeigen sich erste Fragezeichen beim Vertriebsweg. Einem Online-Direktkauf würden demnach nämlich nur 15 Prozent der Kunden zustimmen, Händler hätten zu 41 Prozent mit deutlich mehr Akzeptanz gerechnet (bzw. dies befürchtet). Das zeigt: Wer in Deutschland den Markteintritt plant, sollte dazu lieber den klassischen Weg über den Markenhandel wählen. Ebenfalls wichtig für neue Importeure wäre es wohl, die lokale Versorgung mit Werkstattservice gleich mitzudenken: 53 Prozent der Kunden wünschen sich für ihr Fahrzeug eine Werkstatt vor Ort. Der Kauf eines chinesischen Fabrikats in einem Marken-Autohaus können sich immerhin schon 20 Prozent der potenziellen Käufer vorstellen, 39 Prozent der befragten Händler wären aktuell bereit, eine chinesische Marke ins Portfolio aufzunehmen.

Marco Christ, Generalbevollmächtigter Creditplus Bank AG
© Foto: Creditplus

Große Furcht – oder neue Möglichkeiten? Wie diese Umfrage zeigt, werden die neuen Player von Kunden mit freundlichem Interesse zur Kenntnis genommen. Für den Autohandel ergeben sich aus meiner Sicht vor allem neue Chancen – und willkommene Möglichkeiten.

Marco Christ, Chief Officer Retail Finance & Partnerbanking bei Creditplus

Vorsprung bei BEV?
Haben chinesische Marken einen Vorsprung auf dem Bereich der Elektromobilität? Anders als viele Headlines in der Tagespresse zur IAA verlauten ließen, sind die befragten Kunden und Händler hier weniger euphorisch. Einen echten „Vorsprung“ sehen nur 29 Prozent der Kunden und 36 Prozent der Händler. Dass Kunden sich vor allem wegen eines besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnisses für ein chinesisches Modell entscheiden könnten, stimmt so nur in 27 Prozent der Fälle, 62 Prozent der Händler hätten anderes vermutet.

Ethische Vorbehalte
Sollte man Fahrzeuge aus einem Land erwerben oder verkaufen, das sich politisch in vielen Fragen eher als „Gegner“ zu Europa und zum Westen verhält? Diese ethischen Vorbehalte unterschreiben 30 Prozent der Kunden und 34 Prozent der Händler. An Zweifeln hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Sicherheit der Fahrzeuge würde inzwischen ein Markteintritt wohl nicht mehr scheitern, hier haben die Autobauer offensichtlich erkennbar aufgeholt: Lediglich 28 Prozent der Kunden sehen chinesische Fahrzeuge als weniger zuverlässig und sicher, bei den Händlern sind es noch 20 Prozent.

Quelle beider Grafiken: Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von puls Marktforschung; August 2023; Stich­probe: 1.000 Autofahrer und 275 Autohändler; Antworten: Abfrage auf 6er-Skala; hier gezeigt: Werte 1 + 2 stimme (sehr) zu

  • Unter den großen Händlern mit 200 bis 500 Neuwagen sagen sogar 64 Prozent, dass es Probleme geben könnte bei der Kommunikation und Garantieabwicklung mit chinesischen Marken. 
  • Unter den kleinen Händlern bis 100 Neuwagen sagen sogar 52 Prozent, dass es bei chinesischen Marken bei der langfristigen Teileversorgung zu Problemen kommen könnte.

"Für alte Hasen in der Branche ist die Ankunft neuer Marken aus dem Reich der Mitte wie ein Dé­jà-vu – etwas, das dieses Land vor Jahrzehnten bereits schon einmal erlebte, als japanische Autobauer den europäischen Markt für sich erschlossen."

Marco Christ, Chief Officer Retail Finance & Partnerbanking bei Creditplus



Creditplus bringt Nachhaltigkeit in den Handel

Ab dem Jahr 2025 müssen viele Autohausunternehmen zu ihrem Nachhaltigkeits­management in den Bereichen Environment, Social, Governance (ESG) ausführlich Stellung beziehen. Unternehmen jeder Größe sind betroffen, weil gute Noten bei der Nachhaltigkeit beispielsweise künftig mit entsprechenden Konditionen bei Finanzdienstleistungen belohnt werden. Während die EU einen genauen Regulierungsrahmen derzeit noch erarbeitet, hat Creditplus längst aktiv den ESG-Pfad eingeschlagen.

Creditplus wird Autohausbetrieben mit einem zertifizierten Partner künftig für ihr ESG-Scoring kostenfrei ein digitales Tool zur Verfügung stellen.

Zudem wird die Bank mit Green Loans ein Programm auflegen, bei dem zweckgebunden Infrastrukturprojekte finanziert werden können, z. B. die Installation von Solaranlagen oder Ladeinfrastruktur.

Mehr zur Initiative "Go Sustainable" von Creditplus erfahren Sie in der Bildergalerie: Jetzt Slideshow ansehen!

Hier geht's direkt zu Creditplus!




ARTIKEL TEILEN MIT




NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.