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HB ohne Filter: Tag des Ehrenamtes +++ Prognosen zum E-Auto +++ ZDK +++ Borgward-Aus

© Foto: Prof. Hannes Brachat/AUTOHAUS

Unabhängig, scharfsinnig, auf den Punkt: der aktuelle Wochenkommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat!

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Datum:
09.12.2022
Lesezeit:
10 min

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Internationaler Tag des Ehrenamtes +++ Divergente Prognosen zum E-Auto +++ ZDK: "Lobbytruppe in Berlin, Maschinenraum in Bonn!" +++ Finales Aus für Borgward & Co.

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Montag, 5. Dezember 2022

Internationaler Tag des Ehrenamtes

Der internationale Tag des Ehrenamtes wurde 1985 von der UN beschlossen und auf den 5. Dezember gelegt. Der "Tag des Ehrenamts", der bis dahin in Deutschland am 2. Dezember stattfand, wurde aufgelöst. Am 5. Dezember verleiht daher der Bundespräsident jährlich die Verdienstorden für vorbildliches Ehrenamt. Es sind in Deutschland Hunderttausende, Alte und Junge, die sich in sozialen, bildenden, sportiven und anderen Vereinen engagieren. Nicht nur als Vorstand, Schatzmeister oder Schriftführer. Der Staat fördert das Ehrenamt mit der steuerlichen Ehrenamtspauschale von 840 Euro p.a. Auf Bundes- wie auf Landesebene finden auch Informationskampagnen für das Ehrenamt statt. "Pack mit an! Für dich. Für uns alle." Sagen wir denen, die sich ehrenamtlich engagieren heute doch mal Danke!

Wenn man schon ein 9-Euro-Ticket auflegen kann, wäre freie Fahrt für sozial ehrenamtlich engagierte Bürger eine sinnvolle Ergänzung. Dennoch, gleich welche Institution, ob Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Vereine, Verbände, das aktive ehrenamtliche Engagement hat, vor allem in der jungen Generation, sichtbar nachgelassen. Ein Blick in Kfz-Innungsversammlungen spiegelt das wider. Dafür gibt es sicher mehrere Ursachen. Man kann, nein man muss dagegen aber etwas "unternehmen"!

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Dienstag, 6. Dezember 2022 - Nikolaus

Divergente Prognosen zum E-Auto

Die meisten Autokonzerne setzen aufgrund der politischen Vorgaben für Europa ganz markant auf das Batterieauto. Stellantis will bis 2030 das Ende des Verbrenners realisieren. Volkswagen plant bis 2030 in Europa einen E-Autoanteil von 70 Prozent usw. Die Halbierung der Fördermittel ab 2023, die hohen Strompreise, auch die hohen Anschaffungspreise für E-Autos, fehlende Ladestationen etc. drücken neben der generellen Inflationsentwicklung und wahrscheinlicher (milder) Rezession 2023 auf die E-Kaufbremse.

Am 1. Dezember 2022 fand in der "Motorworld München" vor 500 Gästen eine Diskussionsrunde zum Thema "Zukunft braucht Herkunft -, Mobilität damals, heute, morgen§ statt. Hören sie live, was Prof. Dr. Wolfgang Reitzle zum Thema E-Auto dort ausführt. Für ihn ist die gesamte politische E-Auto-Ausrichtung nicht ausreichend durchdacht. E-Fuels sind für W. Reitzle aufgrund der 1,2 Milliarden Verbrennermotoren auf dem Globus zwingende Notwendigkeit. Eine Vernetzung zwischen Auto und Bahn bzw. Verlagerung der Mobilitätsmenge, auch Güterverkehr, setze eine funktionierende Bahn mit entsprechender Pünktlichkeit und der notwendigen Beförderungskapazität voraus. Wer all die Defizite der Deutschen Bahn vor sich sieht, kann nur ein Scheitern prognostizieren oder auf technisch grandiose Fortschritte über Digitlaisierung, Künstliche Intelligenz und Automatisierung hoffen. Neue Geleise oder gar neue Strecken wie die ICE-Strecke München – Nürnberg – Erfurt – Berlin sind in Deutschland Ewigkeitswerke. Wo bleibt die Schnellstrecke Hamburg – Frankfurt – Zürich?

Diskussionsrunde auf der Motorworld-München 2022
© Foto: Prof. Hannes Brachat

Wolfgang Reitzle war BMW-Entwicklungsvorstand. Eberhard von Kuenheim hat verhindert, dass er dessen Nachfolger als BMW-Vorstandsvorsitzender wurde. Reitzle war dann von 1999 bis 2002 Vorstandsvorsitzender der PAG (Premier Automotive Group) Ford und von 2002 bis 2014 erfolgreicher Vorstandsvorsitzender der Linde AG und fungiert heute noch als Aufsichtsratsvorsitzender der Conti AG. Er trug schon bei BMW den Spitznamen "Car Guy". Offensichtlich findet er auch bei seinen früheren BMW-Managerkollegen Herbert Diess und Markus Dussmann für seine Überzeugungen wenig Gehör. Was Wolfgang Reitzle sagt, ist allerdings mit Vernunft voll nachvollziehbar! Überzeugen sie sich selbst auf Youtube.

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Mittwoch, 7. Dezember 2022

ZDK: "Lobbytruppe in Berlin, Maschinenraum in Bonn!"

So verabschiedete das offizielle ZDK-Organ "Kfz-Betrieb" in seiner Headline nach 21 Jahren in einem Interview ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Koblitz. Mit dieser Koblitzaussage wird zugleich eine markante Koblitzschwäche seiner ganzen Amtszeit deutlich. Lobbytruppe in Berlin! Nein, die politische Gesamtgestaltung des ZDK sollte längst seine Prägung von dort aus erfahren, wo die deutsche Politik bestimmt und entschieden wird, in Berlin. Koblitz verwaltete lieber angestammt vom gemütlichen Bonn aus. Koblitz hat Berlin als ZDK-Hauptsitz systematisch verhindert. Koblitz redet sich damit im Interview heraus, dass durch die Digitalisierung und mobiles Arbeiten Standortfragen an Dramatik verlieren. Das ist doch nur die halbe Sicht der Dinge. Er als Hauptgeschäftsführer müsste in Berlin vor Ort über persönliche Verbindungen zu Persönlichkeiten in der Politik aktiv in personam Politik gestalten. Am besten Abend für Abend! Man braucht den persönlichen Draht zu denen, die die politischen Entscheidungen fällen. Doch dieses persönliche Netzwerken war gewiss bei all seiner geistigen Humorigkeit und rhetorischen Könnerschaft nicht seine Stärke.

Oder wenn er im Interview mit dem "Kfz-Betrieb" die harte Arbeit der Sanierung der BFC Calw betont. Nein Herr Dr. Koblitz, sie tragen als Hauptgeschäftsführer letztlich die Hauptverantwortung, dass Calw, eine Institution des ZDK, überhaupt schließen musste. Das hätte nie passieren dürfen. Wären sie gut vernetzt, hätten sie 2013 mit den Schwaben eine Lösung gefunden.

Wie geht es weiter im ZDK? Da gibt es in der Vorstandschaft immer noch eine Truppe, die den Standort Berlin verhindern will. Sie wollen die Strukturveränderung in der Branche nicht wahrnehmen. Wir werden künftig weniger Kfz-Betriebe haben. Im Handel wie im Service. Die Einnahmen schrumpfen! Im Handel werden die Autohäuser noch größere Einheiten bilden. Wie aber ist die Branchenstruktur aktuell in der ZDK-Vorstandschaft abgebildet? Weshalb engagieren sich größere Autohäuser weder auf Innungsebene noch vielfach in den einschlägigen ZDK-Gremien? Es sei deutlich betont, dass die Handelsbetriebe die eindeutig größere Beitragssumme im ZDK als das Handwerk zur Verfügung stellt. Stimmt da in der ZDK-Vorstandschaft die Gewichtung? Man erspare mir die Charakterisierung, auch in der Altersschichtung.

Verbandsspaltung

Möglicherweise muss das getrennt werden, was 1978 unter dem damaligen Bundesinnungsmeister und späteren ZDK-Präsidenten Fritz Haberl zusammengeführt wurde, dass das Kfz-Handwerk und der Auto-Handel wieder als eigenständige Verbände agieren. Der Auto-Handel künftig in Berlin und das Kfz-Handwerk im "Maschinenraum" angestammt im niedlichen NRW-Bonn, im Schatten des Bundeshauses, in dem bis 2000 die Plenarsitzungen des Deutschen Bundestages und des Bundesrates stattfanden.

Es war Gottfried Schultz (heute: Gottfried Schultz Automobilhandels SE, mit 28 Betrieben größter VW-Vertragspartner in Deutschland, Düsseldorf), von 1968-1970 ZDK-Präsident und als "Gottfried der Gewaltige" betitelt, der damals schon vorschlug: "Es ist und bleibt meine Überzeugung, dass der föderalistische Aufbau in der heutigen Zeit im Verbandswesen, nicht mehr am Platze ist. Da bin ich nach wie vor der Meinung, dass wir den ZDK entsprechend umgestalten und den Kraftfahrzeughändlern die direkte Mitgliedschaft ermöglichen müssen." Das sagte er weitsichtig schon 1969 (!!), wo es noch keine IT, kein Internet gab. Die gegenwärtige ZDK-Struktur steht sich selbst für eine Erneuerung im Wege. Das Tempo geben die Langsamen vor! ZDK Präsident Bernhard Enning und Rolf Leuchtenberger sind schon damals mit ihrer "ZDK-Verbandsreform 2000" von den klebenden Kleingeistern ausgebremst worden.

Der neue ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel hat da eine gewaltige Weichenstellung vor sich. Er braucht dazu aber nicht ewige und alte "Kleber an ihren Ämtern", sondern kreative Köpfe, die für Innovationen sorgen. Einige Beispiele: Wie generiert sich der Nachwuchs in den Verbandsämtern? Wie formiert sich der ZDK sichtbar in der digitalen Transformation? Welche Qualifikationen gilt es dafür auch verbandsintern zu schaffen? Welche Aktivitäten hat der ZDK für geeigneten Fachkräfte-Nachwuchs zu ergreifen? Wie gelingt in Zukunft eine angemessene Werkstattauslastung? Welche Aktivitäten hat der ZDK handelspolitisch für seine Mitglieder zu setzen? Welche mittelstandspolitischen Aktivitäten sind von Berlin aus handels-, steuer- wie verkehrspolitisch zu setzen? Sprich, der ZDK sollte politisch zum aktiv agierenden Verband in der Hauptstadt mutieren und die brave, so voller Bedenken getragene Koblitz-Verwaltungsära, dringlichst abstreifen. Wenn schon die Kasse enger wird, braucht es wenigstens guter Ideen.

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Freitag, 9. Dezember 2022

Finales Aus für Borgward & Co

Als der Enkel des Firmengründers – Christian Borgward - und genialen Konstrukteurs Carl F.W. Borgward 2014 die Wiederbelebung der legendären Automarke dank chinesischer Gelder aus dem Nutzfahrzeugkonzern Beiqi Foton) ausrief, ging ein sehr wohlwollendes Raunen durch die Branche. Erst recht, als die Europazentrale in Stuttgart platziert wurde und am Ursprung in Bremen ein neues Produktionswerk entstehen sollte. Dessen Bau wurde dann 2020 abgesagt. Vorstandsvorsitzender wurde der erfahrene ehemalige Daimler-Manager Ulrich Walker. Zehn Modelle wollte man bis 2020 vorlegen. Doch der Absatz blieb weit hinter den Erwartungen. Dem Mutterkonzern fehlte auf dieser langen Strecke der finanzielle Atem. Bereits 2020 wurde dann auch der Standort Deutschland ziemlich leise abgewickelt. Damit endet auch der Servicevertrag mit ATU! Die Borgward Isabella wurde von 1954 bis 1961 gebaut. Persönliche Anmerkung: Für uns junge Buben war das Designwunder "Isabella" damals der Hit. Der einzige, der sich dieses Fahrzeug in unserem Städtchen damals leisten konnte, was der Zahnarzt Fischer! So tief ist diese Marke wohlwollend bis heute in Erinnerung. Zur damaligen Insolvenz - 1961 - von Borgward gibt es verschiedene Sichtweisen!

Neue Markeneintritte

Es fällt aktuell auf, dass nicht alle neu eintretenden Automarken auf Erfolgskurs sind. Der kalifornische E-Bauer Faraday Future scheint im Dauerkrisenmodus zu fahren und hat sich aktuell von seinem CEO Carsten Breitfeld getrennt. Breitfeld war einst bei BMW Vorkämpfer für das E-Auto.

Auch der chinesische Autobauer Aiways erhält einen neuen Chef. Die gesteckten Ziele, auch für Europa wurden bislang nicht erreicht. In Deutschland wird Aiways seit 2020 von der Elektronikkette Euronics vertrieben. ATU ist offiziell autorisierter Servicepartner. Da kommen - wie man hört – seit Markteintritt bislang unter 500 Einheiten zusammen. Sie wollen nicht wahrhaben, dass es vor Ort aktive Könner braucht, die ihre Produkte mit Leidenschaft auf die Straße schieben und bekannt machen!

Oder man beobachte, wie lange das Münchener Unternehmen Sono Motors an seinem innovativen Solarauto "Sion" herumbastelt. Das sollte längst auf dem Markt sein. Möglicherweise droht auch hier ein Aus, wenn nicht neue Kapitalgeber monetäre Mittel zuschießen oder gar die Kaufinteressenten ihr Fahrzeug im Voraus bezahlen. Das Service-Netz soll hier Bosch-Car Service übernehmen.

Da scheint es bei MG auf dem deutschen Markt deutlich besser zu laufen. Da wurden in den ersten zehn Monaten 2022 nahezu 10.000 Einheiten - über autorisierte Händler - vermarktet. Die Marke MG ist bekannt und aus der Vergangenheit mit gutem Image besetzt! MG steht damit im Zulassungsrang vor Subaru, Jaguar oder Alfa Romeo!

Fazit: Für einen erfolgreichen Markteintritt bedarf es vertriebsstrategisch eines langen Atems und gigantischer Finanzmittel, sprich geduldiger Investoren. Wie lange hat Tesla gewackelt, bis es da schwarze Zahlen "sprudelte".

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Spruch der Woche

"Bei einer Kerze – im Advent – ist nicht das Wachs wichtig, sondern das Licht!"
(Antoine de Saint-Exupery)

Auf einen leuchtenden III. Advent

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 16. Dezember 2022!

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KOMMENTARE


Hans Dieter Oehlke

09.12.2022 - 17:59 Uhr

Zum Tag des Ehrenamtes, als ein Dino im Ehrenamts mit fast 50 zig Jahren Ehrenamtlicher beteiligter im Gemeinschaft Zentrum Obervieland in Bremen kann ich sagen, dass mich dieses Ehrenamt als ein "Ausgleichs-Ventil" zur beruflichen Tätigkeit in diversen VW Autohäusern und als VW Trainer wieder motiviert hat. Wenn die "Begleitung" unserer Tochter im Kindergarten, Schule usw. auch gilt, dann sind es jetzt noch viele Jahre mehr. Daher stört mich eine momentane "Umbenennung" in "freiwilligen Arbeit" entnommen aus dem Amerikanischen "Voluteer Day" Ich hoffe, dass sich der Gedanke bald verläuft! MfG Dieter Oehlke PS. Herzlichen Gruss zum Herrn Brachat, wir sind uns im Seminar Bereich öfter begegnet. Screener und MSX-ler.


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