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HB ohne Filter: Versicherungsgeschäft +++ E-Mobilität als Dienstleistung +++ Weltbevölkerung

© Foto: Prof. Hannes Brachat / AUTOHAUS

Unabhängig, scharfsinnig, auf den Punkt: der aktuelle Wochenkommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat!

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Datum:
18.11.2022
Lesezeit:
10 min

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Kfz-Versicherungsmanagement +++ E-Mobilität – umfassende Dienstleistung offerieren +++ Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg +++ Lautlose Wandlungen +++ Acht Milliarden Menschen

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Montag, 14. November 2022

Kfz-Versicherungsmanagement

Der 30. November steht jedes Jahr als markantes Kündigungsdatum für einen Kfz-Versicherungswechsel zum Jahresende. Das Vergleichsportal Check24 listet dazu aktuell Prämienvorteile bis zu 850 Euro. Auf selbiger Präsentationsfläche wird quasi direkt zur Kündigung aufgerufen. Siehe Abbildung:

© Foto: Check24.de

2021 betrug laut GDV die Prämie für Haftpflichtversicherung 254 Euro und für die Vollkaskoversicherung bei 324 Euro und bei der Teilkasko bei 83 Euro. Das sind Angaben des Bundesverbandes. Wer auf eine Prämienrechnung eines Neuwagens der leicht gehobenen Mittelklasse schaut, ist da allerdings in anderen Betragsdimensionen angesiedelt. 2023 sollen über inflationär bedingt höhere Teilepreise und längere Reparaturzeiten die Prämien um zehn Prozent ansteigen. Der Beitragskuchen aus der Kfz-Versicherung wird dann 2023 erstmals auf über 30 Milliarden Euro, sprich 32 Milliarden Euro ansteigen.

Der durchschnittliche Pkw-Haftpflichtschaden liegt inzwischen bei 3.375 Euro. Die Versicherer arbeiten über Digitalisierung intensiv an der Echtzeit-Schadenbearbeitung. Die Kunden werden bereits im Schadenfall per App gesteuert bzw. erhalten gezielte Hilfestellung, um in Folge die Abwicklung zu erleichtern. Es wird gegenwärtig auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit am Prinzip "Reparatur statt Ersatz" - trotz Mehrkosten für den Einsatz umweltfreundlicher Materialien - gearbeitet. E-Automobile werden dank E-Batterie künftig spezielle Tarife erforderlich machen. Auch autonomes Fahren wird hier zu einer Neuauflage der Prämienlandschaft führen. Wenn dann alle am Tage X autonom fahren, müssten sich eigentlich die Kfz-Versicherer erübrigen. Das ist der Grund, weshalb die HUK Coburg sich heute schon aktiv im Fahrzeughandel und im Service bei "pitstop" nach neuen Betätigungsfeldern umsieht. Die Nürnberger ist über ihren historischen Techno-Verbund ohnehin im Autohandel gut vernetzt, zumal sie die Schäden in ihre Vertragswerkstätten steuert. Es wäre zu wünschen, dass auch die Kfz-Versicherer im Rahmen des Projektes "i-Kfz", sprich internetbasierte Fahrzeugzulassung, eine Serviceplattform schaffen würden, über die die Autohäuser mit den Zulassungsbehörden die Zulassung vereinfacht abwickeln könnten.

Marktdurchdringung durch die Autohäuser

Nachstehende Tabelle zeigt die Entwicklung der Penetrationsrate aktiver Versicherungshändler. Zeitraum 2016 bis 2021. puls Marktforschung ist aktuell dabei, die Daten für 2022 zu erheben. 21 Prozent in 2021 bei Neuwagen bedeuten, bei einem Verkauf von 100 Neuwagen sind 21 Kfz-Versicherungsabschlüsse inkludiert. Die Toyota-Händler schneiden seit Jahren mit 37 Prozent am besten ab. Die positiven Stellhebel sind die Entscheidungskompetenz der Außendienstmitarbeiter, wettbewerbsfähige Prämien und die fachliche Kompetenz des Versicherungs-Innendienstes.

Penetrationsraten aktiver Autohändler bei der Kfz-Versicherung
© Foto: AUTOHAUS VersicherungsMonitor

Was hindert Autohäuser, im Kfz-Versicherungsverkauf aktiv zu werden? Dieses Chart zeigt die Hindernisse:

Hinderungsgründe für Kfz-Versicherungsverkauf im Autohaus
© Foto: puls Marktforschung/AUTOHAUS

Ein strategischer Grundsatz darf für die Branche formuliert werden: Das Autohaus sollte kompletter Mobilitätsbegleiter für seine Kunden sein. Alles aus einer Hand! Die strategische Bedeutung des Versicherungsverkaufs ist Kundenloyalisierung durch Werkstattsteuerung. Und die künftige E-Automenge macht in Sachen Schadenmanagement sichtbarere Umsatzfreude als die Verbrenner. Es ist Aufgabe des ZDK und der Händlerverbände, den wahren Ursachen nachzugehen. Stimmt der Aufwand in Relation zur Provision nicht? Ist die Differenz bei der Versicherungsprämie bei vergleichbarem Leistungsumfang zu groß? In Sachen Schadenabwicklung entlasten externe juristische Experten die Serviceberater. Gerade hinsichtlich der Kostenvoranschläge. Der Bereich "Financial Services", also Versicherungen, Finanzierung, Leasing, Auto-Abo, sie müssen kräftige Ertragsbringer sein!

Das Autohaus Siebrecht in Uslar agiert unter seinem Markendach – klar in Kooperation mit diversen Versicherungen – als eigenständiger Versicherungsmakler mit "SiPROTECT - ECHT versichert". Es werden drei große Zielgruppen über die eigene Datenbank bearbeitet: die Privatkunden, die Großkunden und die klassische Autohauspolice. Es geht also nicht nur um die Kfz-Versicherung, sondern um Cross-Selling, von der Hausrat- bis zur Lebensversicherung u.a.

Die händlereigene Versicherungsagentur, hier "SiPROTECT" vom Autohaus Siebrecht in Uslar
© Foto: Autohaus Siebrecht

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Dienstag, 15. November 2022

E-Mobilität – umfassende Dienstleistung offerieren!

Das war die zentrale Botschaft aller Referenten, die beim AUTOHAUS Kongress E-Mobilität als Dienstleistung online mitwirkten. Der E-Autoverkauf selbst bedarf einschlägiger detaillierter Beratung. Das Geschäftsmodell – alles aus einer Hand – bedarf aber im Angebot eines viel breiteren Leistungsspektrums. Es sei hier am Beispiel von e-mobilio aufgezeigt, wie es Co-Founder und CEO, Ralph Missy auf dem Kongress vorstellte: Heimladelösungen, öffentlichen Ladelösungen, Installationsservice, Fördermittel, THG-Quote (325 Euro erhält der Fahrzeughalter und der Händler zusätzlich 50 Euro Provision!), Photovoltaik-Beratung und Installation, (intern.) Tankkartensyssteme u.a.

Die E-Mobilität als ganzheitliches Geschäftsmodell
© Foto: e-mobilio

Praktisch umgesetzt sieht das Modell e-mobilio im Internetauftritt eines Autohauses so aus, hier Ernst & König (Freiburg):

© Foto: Ernst + König

Die digitale Kaufberatung auf der Website. Die Software für dieses Modul von e-mobilio ist innerhalb von zehn Minuten im Autohaus installiert. Der Kunde kann dann direkt von zu Hause aus oder im Verbund mit dem Verkäufer live im Autohaus über den Warenkorb seinen Bedarf buchen. Der Händler partizipiert monetär an jedem Schritt, den er vermarktet.

Franz Xaver Hirtreiter, geschäftsführender Gesellschafter der AVP Autoland (VW-Konzernmarken inkl. Porsche) schilderte beim Kongress seine Stationen, wie er als Vielfahrer mit 80.000 Kilometer p.a. zum überzeugten E-Autofahrer wurde. Für die AVP E-Mobility ist inzwischen ein eigener E-Showroom entstanden, eine eigene Ladekarte mit den AVP-Ladestationen. Das Team zur Montage von ausgesuchten Wallboxen und zur PV-Anlage-Beratung mit Montage ist inzwischen auf sechs Elektriker (!) angewachsen. Auf die Experimentierfreude!

Ein Blick in den E-Mobility-Showroom von AVP
© Foto: AVP

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Mittwoch, 16. November 2022

Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg

Baden-Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein und zum Leitmarkt und -anbieter für grüne Technologien zu werden. Aus diesem Grund hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits 2017 den Strategiedialog Automobilwirtschaft BW (SDA) initiiert. Zu ihm gehören die Automobilhersteller, Zulieferer und das Kfz-Gewerbe. Der SDA hat aktuell folgende Struktur:

Struktur des SDA
© Foto: SDA

Die 6. Jahresveranstaltung des SDA fand am 16. und 17. November 2022 in Brüssel statt. Teilnehmer waren unter anderem Mercedes-Vorstandsvorsitzender Ola Källenius, Bosch-Chef Stefan Hartung, Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing und EU-Kommissar Thierry Breton. Das Auto-Gewerbe Baden-Württemberg vertraten Landesverbandspräsident Michael Ziegler und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß.

 Von links: Michael Ziegler, Winfried Kretschmann und Carsten Beuß
© Foto: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg

Sie konnten mit dem Ministerpräsidenten die aktuelle Situation des Auto-Gewerbes sowie der Transformation besprechen. Inhaltlich ging es auch um die aktuelle Schadstoffnorm Euro 7. 2026 soll besprochen werden, wie die Industrie die Entwicklung für die emissionsfreien Fahrzeuge bis 2035 sieht. Kretschmann fordert von der Europäischen Union Grundlagenarbeit für eine erfolgreiche europäische Wasserstoffwirtschaft. Ferner dringend und zeitnah die Umsetzung eines geeigneten regulatorischen Rahmens zur Herstellung klimaneutraler synthetischer Kraftstoffe (E-Fuels). Das fordert ein "grüner" Ministerpräsident!

Wer die Materie vertiefen möchte, rufe den "Fünfter Fortschrittsbericht Strategiedialog Automobilwirtschaft BW" ab. Man wird dort den Hinweis auf die Studie "Beschäftigungseffekte Kfz-Gewerbe 2030/2040" finden. Darin werden die Auswirkungen der Elektrifizierung und Digitalisierung von Fahrzeugen und die Neugestaltung der Geschäftsprozesse auf die Beschäftigtenstrukturen im Kfz-Gewerbe betrachtet. Die Veränderungen in Sales und Aftersales werden analysiert, Auswirkungen auf Jobprofile sowie Beschäftigungseffekte in Baden-Württemberg abgeleitet und das Auto-Gewerbe sowie Stakeholder bei der eigenen Verortung unterstützt und durch Handlungsempfehlungen zur Ableitung entsprechender Maßnahmen befähigt. Damit beauftragt ist unter aderem das Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen, das durch Prof. Dr. Benedikt Maier in Brüssel vertreten war.

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Donnerstag, 17. November 2022

Lautlose Wandlungen

Wir haben in der neuesten Ausgabe 21 von AUTOHAUS unser separates Magazin "Bauen 2022" beigelegt. Über 20 Jahre konnten wir darin Jahr um Jahr darstellen, wie viele Bauprojekte bei der einzelnen Marke im kommenden Jahr realisiert werden und welches Investitionsvolumen dahintersteckt. Kam da für die Branche mehr als eine Milliarde geplante Euro an Investitionssumme zusammen, konnte dies für das kommende Jahr als "Händlerzuversicht pur" gewertet werden. Von den einst 22 Marken haben dieses Jahr gerade mal sechs geantwortet. Ford antwortet, macht aber keinerlei Angaben. Mercedes Benz ist immerhin mit 75 Millionen Euro dabei. Was hat man da plötzlich zu verschweigen? Oder wurde das Personal in den Deutschlandzentralen so reduziert, dass da keiner mehr antworten kann? 

Stellantis in Österreich macht das gerade vor. Da wurden aktuell 30, oft langjährige und über 50 Jahre alte Mitarbeiter im oberen Führungsdrittel demissioniert. Jetzt hat man neue -  sehr "erfahrene" - Markendirektoren eingesetzt. Über allen residiert die als ausgeprägt furios bekannte Silvia Rieger als Chefin. Angeblich agiert Österreich für Stellantis als Pilotmarkt.

Aufgrund eines neuen Logistiksystems, das im Oktober eingeführt wurde, werden angeblich 10.000 Fahrzeuge in Europa gesucht. Falschlieferungen sind an der Tagesordnung. Hat ein Kunde ein Fahrzeug mit 20-Zollfelge mit Aufpreiszahlung bestellt, erhält der Händler die Mitteilung, dass das Fahrzeug mit 19 Zoll geliefert wird. Eine Gutschrift für den Kunden erfolgt nicht. Wird das seitens des Händlers per E-Mail beanstandet, erhält dieser nicht einmal eine Antwort. Bei fünf Prozent NW-Marge soll der Händler den Kundennachlass offensichtlich selber tragen. Rieger'sches Geschäftsgebaren. Wehe, ein Händler tritt da etwas deutlicher auf, wird er "riegerisch" gekündigt. Beim neuen Citroen e-C4X wird der Händler mit einer Fix-Marge von drei Prozent beglückt. 

Wie zu hören ist, läuft dieses Radikalgebaren von Rieger ganz im Sinne der Zentrale in Paris. Vergangene Woche kam der neueste Händlerzufriedenheitsreport 2022 für Österreich zur Veröffentlichung. Wen wundert's, dass die Stellantis-Marken allesamt im Händler-Radar um die letzten Plätze streiten. Symbolisch lassen die Stellantis-Händler damit "ihre" Silvia in Boxhandschuhen die rote Laterne durch Österreich tragen. Nicht nur die Händlerzufriedenheit, auch die Zulassungszahlen der Stellantis-Marken demonstrieren unterbelichtete Werte. Rieger wird künftig verstehen müssen, dass die Händler faire Kompromisse statt Konfrontation wollen. Kundenzufriedenheit!

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Freitag, 18. November 2022

Acht Milliarden Menschen

Vergangene Woche traf ich die Anmerkung, dass gerade über Umweltthemen nicht offen, thematisch umfassend und wahrhaftig informiert wird. Da wird mehr Politik aufgetischt, Meinungen als nüchterne Fakten verbreitet. Am 15. November hat nach dem UN-Bericht "World Population Prospects 2022" der achtmilliardste Mensch das Licht der Welt erblickt. Wichtigste Quelle dafür sind offizielle Volkszählungen aus 237 Ländern. Die Weltbevölkerung soll noch bis 2080 auf 10,4 Milliarden Erdenbürger anwachsen. Was bedeutet das für die Umwelt? Wie viel Düngermassen sind erforderlich, um diese Menschenmenge zu ernähren? 1805 hatten wir eine Milliarde Menschen auf dem Globus, 1925 dann zwei Milliarden, 1960 drei, 1975 vier, 1999 sechs, 2011 sieben und jetzt acht Milliarden. Und das bei gegebenem Kondomverbot der Katholischen Kirche. Wachset und mehret euch! Aktuell leiden 700 Millionen Menschen an Hunger!

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Spruch der Woche

"In der Theorie ist die Praxis ganz einfach."

Mit den besten Grüßen und Wünschen

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 25. November 2022!

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