Wenn es um Elektromobilität, neue Fahrzeugtechnologien und ehrliche sowie umfangreiche Auto-Tests geht, kommt man an Chris Karatsonyi kaum vorbei. Mit über 390.000 Abonnenten und fast 1.500 Videos hat sich der Content Creator, besser bekannt als "Car Maniac", in den vergangenen Jahren zu einer der bekanntesten Stimmen der deutschen Elektromobilitätsszene entwickelt. Was Karatsonyi besonders auszeichnet: Er betrachtet die automobile Transformation von der Straße aus. Ob Reichweitentest, Ladegeschwindigkeit, Software-Update oder Alltagstauglichkeit eines Elektroautos. Er probiert aus, hinterfragt, diskutiert und nimmt seine Community bei jeder Entwicklung mit. Sein Kanal "Car Maniac" ist längst weit mehr als ein YouTube-Format. Er ist zu einer Plattform für Menschen geworden, die Orientierung im Dschungel neuer Technologien suchen und wissen möchten, was hinter den Versprechen der Automobilindustrie steckt.
Genau deshalb war sein Vortrag beim exklusiven Händlerwochenende von APP Auto Pflege Partner, Meneks und Vemove im Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe weit mehr als ein Erfahrungsbericht eines erfolgreichen Influencers. Für die anwesenden Autohändler war es auch ein Blick in die digitale Zukunft des Automobilvertriebs. Seine Kernbotschaft war eindeutig: Die Kaufentscheidung beginnt heute nicht mehr im Autohaus, sondern auf dem Smartphone. Wer auf YouTube, Instagram oder in Kurzvideoformaten nicht sichtbar ist, findet für viele potenzielle Kunden schlicht nicht mehr statt.
Persönlichkeit, Authentizität und Kontinuität
Reichweite ist aus Sicht des Vloggers zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Dabei gehe es nicht um Hochglanzwerbung, sondern um Persönlichkeit, Authentizität und Kontinuität, sagt er. Händler sollten Geschichten erzählen, Menschen zeigen, Einblicke in Werkstatt und Showroom geben und regelmäßig Inhalte produzieren. Aufmerksamkeit entstehe nicht durch Prospekttexte, sondern durch Emotionen und Relevanz. Karatsonyi investiert selbst mehr als 100.000 Euro jährlich in Kamerateam und Schnitt, um professionelle Inhalte zu produzieren. Für ihn ist Content längst kein Marketinginstrument mehr, sondern ein Geschäftsmodell.
Besonders aufmerksam verfolgten die Händler seine Ausführungen zur Plattform Evium, an der Karatsonyi selbst beteiligt ist. Die auf Elektromobilität spezialisierte Plattform verbindet Content, Community und Fahrzeugvertrieb. Nutzer gelangen direkt aus Videos und Social-Media-Beiträgen zu konkreten Fahrzeugangeboten und Ansprechpartnern im Handel. Über Formate wie "Car of the Day" werden Leasingangebote von Händlern gezielt vermarktet und qualifizierte Leads generiert.
Für Gesprächsstoff sorgten auch seine Einschätzungen zu den chinesischen Herstellern. Marken wie BYD, MG, Leapmotor oder XPeng werden nach seiner Worten weiter Marktanteile gewinnen. Sie punkten mit Softwarekompetenz, Ladegeschwindigkeiten und attraktiven Preisen. Gleichzeitig warnte Karatsonyi vor den Risiken aggressiver Preispolitik und möglichen Folgen für die Restwerte. Seine Empfehlung: Gerade im Elektrobereich sei Leasing oftmals die vernünftigere Alternative für den Kunden.
Beratungskompetenz aufbauen
Noch deutlicher wurde Karatsonyi beim Thema Beratungskompetenz. Viele Verkäufer seien bei Elektromobilität, Ladeinfrastruktur und digitalen Diensten noch nicht ausreichend geschult. Kunden informierten sich heute intensiv vor dem Autohausbesuch und seien häufig besser vorbereitet als die Verkäufer selbst. Genau hier sieht er einen der größten Engpässe im Vertrieb.
Sein Fazit für die Teilnehmer in Friedrichsruhe: Gute Produkte allein reichen nicht mehr aus. Sichtbarkeit wird zur entscheidenden Währung. Wer Reichweite erzeugt, schafft Nachfrage. Wer Nachfrage schafft, verkauft Fahrzeuge. Oder, um es mit den Worten des Car Maniac zu sagen: Nicht das beste Auto gewinnt automatisch, sondern das Auto, das gesehen wird.