Der Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) unterstützt die deutsch-französischen Bestrebungen für eine Lockerung des geplanten EU-Verbrennerverbots. In einem Schreiben an Bundeskanzler Friedrich Merz spricht sich VAD-Präsident Burkhard Weller dafür aus, bei den anstehenden Verhandlungen über das europäische "Automotive Package" auf ein Verbot von Verbrennungsmotoren sowie auf verpflichtende Elektroauto-Quoten für gewerbliche Flotten zu verzichten.
Hintergrund sind die Beratungen in Brüssel Ende kommender Woche. Deutschland und Frankreich hatten sich zuvor auf einen gemeinsamen Vorstoß zur Neuausrichtung der europäischen Automobilpolitik verständigt.
Der Händlerverband sieht die E-Mobilität inzwischen auf einem stabilen Wachstumspfad und hält zusätzliche regulatorische Eingriffe für überflüssig. "Wir Autohändler sehen jeden Tag, dass die Elektromobilität auf dem Vormarsch ist. Elektroautos werden immer attraktiver und die Kunden nehmen sie zunehmend an", so Weller. "(…) Elektroautos tragen inzwischen wesentlich zur Stabilisierung des Automobilmarktes bei. Warum also die Kunden mit Verboten und Quoten zu etwas zwingen, für das sie sich zunehmend freiwillig entscheiden?“
Händler fordern Technologieoffenheit
Der VAD lehnt das für 2035 vorgesehene faktische Aus für neue Pkw mit Verbrennungsmotor grundsätzlich ab. Auch komplizierte Ausnahmeregelungen oder Kompensationsmodelle bewertet der Verband kritisch. Stattdessen fordert er eine Anpassung der CO2-Flottengrenzwerte, damit auch künftig Fahrzeuge mit klassischen Antrieben angeboten werden können.
Darüber hinaus spricht sich die Branchenorganisation für eine eigene Fahrzeugkategorie für Modelle aus, die ausschließlich mit klimaneutralen Kraftstoffen betrieben werden. Eine Bevorzugung einzelner Fahrzeugsegmente lehnt sie hingegen ab.
Risiken für den GW-Markt
Besonders kritisch bewertet der VAD die geplanten Elektroquoten für gewerbliche Fahrzeugflotten. Die Vorgaben könnten Unternehmen dazu bewegen, Fahrzeuge unabhängig vom tatsächlichen Bedarf zu beschaffen. "Wenn Unternehmen gezwungen werden, Elektroautos am Markt vorbei zu beschaffen, drohen erhebliche Restwertrisiken", warnt Weller in dem Schreiben. "Das kann zu Verwerfungen auf dem Gebrauchtwagenmarkt führen. Davon wären auch die Autohändler betroffen, die selbst große gewerbliche Flotten betreiben."
Zwar unterstützt der VAD grundsätzlich das Ziel, die Automobilproduktion in Europa zu stärken. Neue Vorgaben dürften jedoch nicht zu zusätzlicher Bürokratie führen oder den Import wettbewerbsfähiger Fahrzeuge erschweren. So verursache insbesondere die Energieverbrauchskennzeichnung einen hohen Aufwand, ohne einen entsprechenden Mehrwert für Kunden oder Klimaschutz zu schaffen. Problematisch sei in diesem Zusammenhang auch die Überlegung der EU-Kommission, die Kennzeichnung künftig auf Gebrauchtwagen auszuweiten. Stattdessen plädiert der Verband für eine digitale Bereitstellung der Informationen und den Verzicht auf physische Kennzeichnungen in den Betrieben (wir berichteten).
Appell an die Bundesregierung
Mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen in Brüssel fordert der Verband einen Regulierungsrahmen, der stärker auf Marktmechanismen setzt und die Interessen der Verbraucher berücksichtigt. Weller: "Die Automobilhändler kennen ihre Kunden und deren Wünsche. Die Menschen misstrauen jedem Versuch, ihnen eine bestimmte Antriebstechnologie vorzuschreiben. Immer attraktivere Elektroautos und auch die Kraftstoffpreise sorgen dafür, dass die Elektromobilität an Fahrt gewinnt. Diese Dynamik ist jetzt da. Verbote und Quoten helfen nicht – und wir brauchen sie auch nicht."