AH: Herr Christ, wie ist das Jahr 2025 für MCE und die drei Marken gelaufen?
M. Christ: 2025 war für MCE ein gutes Jahr - aber kein bequemes. Wir haben bewusst investiert: in Prozesse, Systeme und Organisation. Parallel haben wir unser Geschäft ausgebaut, insbesondere im Non-Captive-Bereich. Das Captive-Geschäft mit Mitsubishi, GWM und Subaru lief stabil und planbar. Genau diese Stabilität war im aktuellen Marktumfeld ein wichtiger Anker. 2025 war für uns aber vor allem ein Arbeitsjahr - mit klarem Fokus darauf, 2026 strukturell besser aufgestellt zu sein als der Markt.
AH: Wie hoch sind die Penetrationsraten bei Neu- und Gebrauchtwagen?
M. Christ: Die Penetrationsraten unterscheiden sich nach Marke. Mitsubishi und GWM liegen auf einem hohen Niveau, Subaru zeigt nach der Neuintegration einen kontinuierlichen Anstieg. Isuzu bewegt sich stabil auf konstantem Level. Entscheidend ist dabei weniger die absolute Quote als die Frage, wie eng Handel, Produkt und Finanzierung zusammenspielen. Dort, wo diese Verzahnung funktioniert, bleiben die Penetrationen hoch - auch in einem rückläufigen Markt.
Leasing und Finanzierung
AH: Wie hat sich das Verhältnis Leasing zu Finanzierung entwickelt?
M. Christ: Leasing gewinnt weiter an Bedeutung. Das ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine strukturelle Verschiebung. Kunden wollen kalkulierbare Raten, kurze Bindungen und Flexibilität am Vertragsende. Mit zunehmender Elektrifizierung verstärkt sich dieser Effekt deutlich. Studien zeigen klar: Je höher der BEV-Anteil, desto stärker dominiert Leasing gegenüber der klassischen Finanzierung.
AH: BEV werden von Privatkunden vor allem geleast. Welche Herausforderungen sind damit verbunden?
M. Christ: Das zentrale Thema sind Restwerte - und zwar entlang der gesamten Kette. Technologischer Fortschritt, Förderlogiken, Preisbewegungen und ein schwieriges Remarketing machen belastbare Prognosen extrem anspruchsvoll. Kurzfristig kommt die neue staatliche Förderung hinzu. Sie ist politisch richtig und marktwirksam. Unsere These: Sie wird Elektromobilität wieder einen ordentlichen Schwung verleihen. Operativ ist sie aber komplex. Viele Details sind ungeklärt, Prozesse aufwendig. Zudem gilt sie nur für Neuwagen, gebrauchte BEV insbesondere aus dem Leasing bleiben eine Herausforderung. Für Autobanken und Handel bedeutet das zusätzliche Arbeit bei ohnehin angespannten Kapazitäten.
AH: Kann man dem Handel das Rücknahmerisiko überhaupt noch zumuten?
M. Christ: Das Rücknahmerisiko gehört in der Welt der automobilen Finanzdienstleistungen grundsätzlich dazu wie das Amen in der Kirche. In einem dynamischen Marktumfeld geht es weniger um Verantwortungsabweisung und Schuldzuweisungen als vielmehr um praktikable, marktgerechte Strukturen. Wie Risiken verteilt werden, ist dabei immer das Ergebnis von Marktgegebenheiten, Vertragsmodellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - und kein statischer Zustand.
Händlerrendite und Zinskosten
AH: Die Rendite des Handels ist im Durchschnitt auch 2025 gesunken. Wie hat sich die Performance Ihrer Partner entwickelt?
M. Christ: Die Unterschiede sind groß. Es gibt Partner, die ihr Geschäftsmodell angepasst haben und stabil wirtschaften. Andere geraten deutlich unter Druck. Unabhängig von einzelnen Marken gilt jedoch: Die durchschnittliche Ertragslage im Autohaus hat sich verschlechtert. Kosten steigen schneller als Erträge, Volumen allein reicht nicht mehr. Die Marktkonsolidierung ist kein Szenario mehr, sondern Realität.
AH: Wie haben sich die Zinskosten entwickelt?
M. Christ: Nach sehr hohen Zinskosten zu Jahresbeginn 2025 hat sich das Niveau im Verlauf des Jahres etwas entspannt. Aktuell bewegen wir uns auf einem stabil hohen, aber kalkulierbaren Level. Für den Handel bedeutet das: Finanzierung bleibt teuer, aber planbar. Das hilft - ersetzt aber keine saubere Kalkulation und keine konsequente Bestandssteuerung.
Mitsubishi-Partner
AH: Konnten Sie den von Mitsubishi-Händlern gewohnten hohen Service weiterhin aufrechterhalten?
M. Christ: Ja. Wir wurden 2025 erneut im AUTOHAUS BankenMonitor als "Beste Bank" ausgezeichnet. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis klarer Prioritäten: Erreichbarkeit, Entscheidungsstärke und verlässliche Prozesse. Gerade in schwierigen Marktphasen zeigt sich, ob eine Bank wirklich Partner ist - oder nur Anbieter.
Subaru-Partner
AH: Wie lief die Integration der Subaru-Partner?
M. Christ: Die Integration war anspruchsvoll, aber erfolgreich. Wir haben Prozesse harmonisiert, Systeme angebunden und vor allem intensiv kommuniziert. Für uns war das ein wichtiger Lernprozess. Die Organisation ist heute deutlich integrationsfähiger als noch vor zwei Jahren - und damit bereit für weitere Marken.
Bedeutung des Handels
AH: Händlerzufriedenheit und Penetrationsrate beeinflussen sich gegenseitig. Welche Bedeutung hat der Handel für eine Captive?
M. Christ: Der Handel ist der zentrale Erfolgsfaktor jeder Captive. Ohne funktionierende Handelsbeziehung gibt es keine nachhaltige Penetration. Gleichzeitig stehen alle Beteiligten unter Druck. Genau deshalb brauchen wir gemeinsame Lösungsansätze - zwischen Handel, Bank und Importeur.
AH: Wie ist der Außendienst organisiert?
M. Christ: Wir setzen auf regionale Verantwortung mit klaren Ansprechpartnern, die ihre Märkte und die Menschen vor Ort kennen und erreichbar sind. Ergänzend haben wir kürzlich ein Händlerberatungscenter aufgebaut, das die Erreichbarkeit bei Vertriebsthemen verbessert und den Handel gezielt unterstützt. Der Fokus liegt auf schneller, unkomplizierter Beratung in der Absatz- und Einkaufsfinanzierung und auf kurzen Entscheidungswegen. Davon profitieren die Betriebe, aber natürlich auch wir.
Gebrauchtwagen-Finanzierung
AH: Captives sind nicht immer erste Wahl bei der GW-Finanzierung. Wie hat sich MCE hier aufgestellt?
M. Christ: Unsere Doppelrolle als Captive und Non-Captive ist ein klarer Vorteil. Wir kennen beide Welten und entwickeln Produkte entsprechend wettbewerbsfähig. Das zeigt Wirkung: Unser Gebrauchtwagengeschäft wächst trotz intensiven Wettbewerbs und hoher Preissensibilität im Markt kontinuierlich.
AH: Was erwarten Sie vom aktuellen Jahr?
M. Christ: 2026 wird uns alle auf Trab halten. Die neue Förderung wird dem BEV-Markt Impulse geben, gleichzeitig bleibt das Umfeld volatil. Besonders einschneidend wird die neue Verbraucherkreditrichtlinie. Sie wird Prozesse umbauen, Beratungspflichten ausweiten und Geschäftsmodelle verändern - für Banken und Handel gleichermaßen.
Einfluss der Förderprämie
AH: Welchen Einfluss wird die neue Förderung von BEV und PHEV haben?
M. Christ: Kurzfristig wird sie den Absatz stützen. Mittel- bis langfristig erhöht sie jedoch die Komplexität deutlich. Unklare Nachweispflichten, zeitliche Verzögerungen und offene Detailfragen belasten den operativen Alltag. Entscheidend wird sein, wie sich die Förderung auf Restwerte auswirkt - denn dort liegt aktuell das größte systemische Risiko.
AH: Vielen Dank für das Gespräch!