Die Van Mossel Group will ihr Wachstum im deutschen Automobilhandel mit Augenmaß fortsetzen. Beim IfA Branchengipfel 2026 in Nürtingen machte CEO und Mitinhaber Eric Berkhof deutlich, dass die niederländische Handelsgruppe bei passenden Gelegenheiten für weitere Zukäufe offen ist. Im Gespräch mit IfA-Direktor Prof. Stefan Reindl äußerte sich Berkhof am Donnerstag auch zum angeschlagenen Autohaus König, zur Profitabilität im Handel sowie zu den Folgen der Elektromobilität für das Werkstattgeschäft.
Für weitere Übernahmen in Deutschland setzt Van Mossel allerdings klare Kriterien. Entscheidend seien Region, Unternehmen, Management und Marke. Gerade die Größe Deutschlands mache die Expansion anspruchsvoller als in den Niederlanden, Belgien oder Luxemburg, so Berkhof. In den kleineren Märkten lasse sich eine flächendeckende Präsenz wesentlich leichter herstellen.
Deutschland soll dennoch ein Wachstumsmarkt für die Gruppe bleiben. "Wenn es eine gute Möglichkeit gibt, ja", sagte Berkhof auf die Frage nach weiteren Akquisitionen. Besonders wichtig sei dabei ein gutes lokales Management. Beim Eintritt in einen neuen Markt sei Van Mossel stark von den Führungsteams vor Ort abhängig.
Berkhof: Auto König bereits vor zwei Jahren geprüft
Auch die Situation beim Branchenriesen Auto König kam in Nürtingen zur Sprache. Van Mossel habe sich die Berliner Handelsgruppe bereits vor rund zwei Jahren angesehen, erklärte Berkhof. Das Unternehmen sei bereits damals zum Verkauf gestanden.
IfA Branchengipfel 2026
Aktuell beobachte Van Mossel die Entwicklung ebenfalls. Berkhof blieb hinsichtlich eines möglichen Einstiegs jedoch sehr zurückhaltend. "Natürlich schauen wir es uns an, aber ich denke, viele Leute schauen es sich an", sagte der Unternehmer. Es sei keineswegs so, dass man davon ausgehe, dort einen Deal zu machen. Zugleich bezeichnete er das Autohaus König als "kompliziertes Unternehmen".
Wachstum allein reicht nicht
Eine zentrale Rolle in der Van-Mossel-Strategie spielt die Profitabilität. Prof. Reindl verwies auf eine vom IfA ermittelte durchschnittliche EBT-Marge der 100 größten deutschen Händlergruppen von lediglich 1,4 Prozent für 2025. Berkhof machte deutlich, dass innerhalb der eigenen Gruppe große Unterschiede bestehen. Van Mossel habe Autohäuser mit einer Rendite von 4,5 Prozent, zugleich gebe es Betriebe mit negativen Ergebnissen.
Letzteres akzeptiert die Gruppe nach Übernahmen allerdings nur vorübergehend. Neu erworbene Betriebe müssten zum Teil zunächst reorganisiert werden. Verluste seien für Van Mossel auf Dauer keine Option. Entscheidend sei, Schwachstellen schnell anzugehen und die Betriebe auf Profitabilität zu trimmen, hieß es.
Skaleneffekte sieht Berkhof dabei vor allem auf übergeordneter Ebene. Funktionen wie IT, Personal und Remarketing könnten zentralisiert werden. Im operativen Autohausgeschäft seien die Möglichkeiten dagegen begrenzter, weil viele Prozesse stark an einzelne Marken gebunden seien. Als weitere Vorteile einer großen Gruppe nannte Berkhof die Finanzierungskosten und den Einkauf, etwa von Öl und Reifen.
Wer soll die Transformation bezahlen?
Hohe Investitionen in Elektrifizierung und Digitalisierung verschärfen gleichzeitig die Kostenfrage zwischen Handel und Herstellern. Für Berkhof ist der Streit darüber alles andere als neu. Die Diskussion darüber, welche Seite welche Investitionen übernimmt, gebe es seit Jahrzehnten.
Entscheidend sei zunächst nicht, wer eine Investition bezahlt, sondern wie sie insgesamt möglichst wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Teilweise seien sowohl Hersteller als auch Händler bereit, für bestimmte Dinge zu viel Geld auszugeben. Zunächst müsse deshalb "die günstigste und effizienteste" Lösung gefunden werden. Anschließend könnten Hersteller und Handel die Kosten nach wirtschaftlichen Kriterien untereinander aufteilen.
IfA Business-Talk 2026
Aftersales bleibt der "Motor" von Van Mossel
Beim Übergang vom Verbrenner zum Elektroauto widersprach Berkhof der einfachen Gleichung, wonach BEV automatisch ein deutlich schwächeres Werkstattgeschäft bedeuten. "Aftersales ist der Motor unseres Unternehmens", betonte der Van-Mossel-Chef. Auch das Gebrauchtwagengeschäft sei für die Profitabilität von großer Bedeutung.
Nach den bisherigen Erfahrungen der Gruppe falle der Aftersales-Umsatz eines Elektroautos nicht zwangsläufig wesentlich niedriger aus. Elektrofahrzeuge seien teilweise komplexer, etwa bei Reparaturen nach Schäden. Das könne mehr Arbeitszeit in der Werkstatt bedeuten und damit zusätzliche Umsätze ermöglichen.
Klar sei allerdings auch, dass beim Elektroauto traditionelle Ertragsbringer wegfallen. Beim Öl sprach Berkhof augenzwinkernd vom "schwarzen Gold", das dem Handel bei BEV fehle. Einen deutlichen Rückgang des Schmierstoffgeschäfts beobachte Van Mossel derzeit allerdings noch nicht.
Berkhof sieht Problem nicht allein beim Elektroauto
Dass das deutsche Aftersales-Geschäft derzeit unter Druck steht, führt Berkhof ohnehin nicht ausschließlich auf die wachsende Elektromobilität zurück. Nach seiner Einschätzung spielt auch die schwache Konjunktur eine wichtige Rolle. Werden weniger Kilometer gefahren, sinkt zwangsläufig auch das Arbeitsvolumen der Werkstätten.
Als Beispiel nannte Berkhof Fahrer, die früher 50.000 Kilometer jährlich zurückgelegt hätten und heute nur noch 40.000 Kilometer fahren. Digitale Meetings und veränderte Arbeitsweisen könnten Geschäftsfahrten ersetzen. "Dann haben wir ein Problem", meinte Berkhof. Seine Schlussfolgerung fällt entsprechend klar aus: Der Druck auf den Aftersales kommt nicht allein von Elektroautos.
Auch langfristig stellt der Van-Mossel-Chef die Bedeutung des Aftersales nicht infrage. Allerdings verändert sich das Geschäft. Für Handelsgruppen wird es damit umso wichtiger, Neuwagen, Gebrauchtwagen, Werkstatt und weitere Dienstleistungen so miteinander zu verzahnen, dass die Profitabilität nicht allein von der Marge beim Fahrzeugverkauf abhängt.
Zur Person: Eric Berkhof
Eric Berkhof ist CEO der Van Mossel Automotive Group und prägt die Entwicklung des niederländischen Familienunternehmens seit mehreren Jahrzehnten. Seine Laufbahn begann 1982 mit einem Praktikum. Nach Abschluss seines Studiums trat er 1984 fest in das Unternehmen ein und übernahm 1988 die Leitung des damaligen Autobetriebs.
Unter seiner Führung entwickelte sich Van Mossel von einem regionalen Händlerunternehmen zu einer international aufgestellten Automotive-Gruppe. Zu den wichtigen Entwicklungsschritten zählen der Aufbau des Leasinggeschäfts, die Erweiterung des Markenportfolios sowie zahlreiche Übernahmen in den Benelux-Ländern und weiteren europäischen Märkten. 2020 wurde Van Mossel zur größten Automobilhandelsgruppe in den Benelux-Ländern.
Heute ist die Van Mossel Automotive Group in acht Ländern aktiv und betreibt mehr als 600 Niederlassungen. Das Unternehmen deckt neben dem Neu- und Gebrauchtwagenhandel auch Leasing, Schadenreparatur und weitere Mobilitätsdienstleistungen ab und vertritt mehr als 50 Automobilmarken. Berkhof verantwortet als CEO die strategische Weiterentwicklung und weitere europäische Expansion der Gruppe. (Quelle: IfA)