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Sixt: E-Autos sind "absolute Katastrophe"

Mann der klaren Worte: Erich Sixt
© Foto: Jörg Koch/ddp

Sixt-Chef Erich Sixt hat den ersten Elektromobilen in seiner Vermietflotte ein miserables Zeugnis ausgestellt. Statt der versprochenen 140 Kilometer würden die Wagen teilweise nicht einmal die Hälfte schaffen.


Datum:
18.03.2011
3 Kommentare

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Elektroautos werden derzeit meist zu Image-Zwecken in Fuhrparks von Unternehmen geholt. Das dürfte auch für den Autovermieter Sixt gelten, der im vergangenen Sommer zusammen mit RWE einen Praxistest mit vier Fahrzeugen und zehn Ladepunkten in München an den Start gebracht hat (wir berichteten). Bei den Fahrzeugen handelte es sich um die von der Firma Karabag umgebauten Fiat-Modelle 500 und Fiorino.

Das Fazit nach mehreren Monaten Testphase: "Eine absolute Katastrophe", wie Erich Sixt jetzt gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" relativ unverblümt erklärte. Die Fahrzeuge, die auf dem Papier eine Reichweite von 140 Kilometern je Akkuladung versprechen, schaffen nach seinen Worten in der Praxis teilweise nicht einmal 70 Kilometer. Manche Mieter seien mit leeren Batterien einfach liegengeblieben und hätten dann erstmal beim Autovermieter angerufen.

Auch angesichts des geringen Mietpreises von 59 Euro für den 500 und 79 Euro für den Kleintransporter – an Zusatzkosten fallen vier Cent Stromkosten pro Kilometer an – hat das Projekt für Sixt keine Zukunft: "Das können wir nicht kommerziell betreiben". Aber dennoch weiß auch der Unternehmer, dass die automobile Zukunft möglicherweise elektrisch sein wird. Aus diesem Grund lautet sein klares Statement: "Wir machen mit, so wie alle Autohersteller."

Kunden: Noch viele Fragenzeichen

Für mehr Marktakzeptanz muss die Branche noch reichlich Überzeugungsarbeit leisten. Laut einer aktuellen Studie der Energie-Agentur NRW und des Network of Automotive Excellence in Düsseldorf wissen die Kunden viel zu wenig über die Handhabung und Alltagstauglichkeit von Elektroautos. Am meisten auf den Nägeln brennt den weltweit befragten Autofahrern demnach die Frage, wie ein Elektroauto geladen wird. Immerhin 97 Prozent bewegt dieses Informationsdefizit. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Ungewissheit bezüglich der Lebensdauer (96,5 Prozent) und der Reichweite (95,5 Prozent). Aber auch, was deren Finanzierung angeht, seien viele Menschen unsicher.

Interessant: Aspekte der Nachhaltigkeit und der Umweltfreundlichkeit von Elektroautos, unter denen diese beworben und derzeit öffentlich viel diskutiert werden, spielen unter "Otto-Normal-Autofahrern" nur eine sehr untergeordnete Rolle. So landeten die Fragen "Wie hoch sind die CO2-Emissionen eines Elektroautos?" (87,1 Prozent) und "Wie werden die Batterien entsorgt?" (80,1 Prozent) in den Top-Ten der drängendsten Probleme weit hinten. (mid/sta/mah)

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KOMMENTARE


Marian-M. Waworka

18.03.2011 - 15:58 Uhr

Dieser "Großversuch" aus der Praxis beweist, was Wissenschaftler und Batteriespezialisten schon lange immer wieder betonen: Reine Batteriefahrzeuge sind noch nicht annähernd serienreif und werden es (so sie es jemals werden) noch sehr lange nicht sein. Das will aber die Politik nicht hören, denn zero-emission (stimmt sowieso nicht, weil irgendwoher muß ja auch der Ladestrom kommen) klingt so schön...


Klaus Diegelmann

18.03.2011 - 19:13 Uhr

Na, diese Headline trägt wohl auch nicht zur Steigerung der e-auto Akzeptanz bei. Herr Sixt hat die falschen Fahrzeuge im Fuhrpark - unser Mitsubishi iMiev läuft auch bei -10 Grad mindestens 100km weit und lässt sich an jeder 220V Haushaltssteckdose laden. Andere Hersteller und Modelle werden folgen! Nicht das e-Auto ist die Katastrophe, sondern die Erfahrung eines Fuhrparks mit "umgebauten Benzinfahrzeugen". Was soll also diese Überschrift? Es lebe das Elektro- Auto!


A. Aslau

21.03.2011 - 16:20 Uhr

Trotz aller Beteuerungen der Beteiligten werden wir noch mindestens 10 Jahre auf eine halbwegs ordentliche Verbreitung und vor allen Dingen "PERFORMANCE" warten müssen. Nehmen wir Renault als Beispiel: Man wird in den nächsten 12-15 Monate zwar angeblich vier Fahrzuege bringen, aber die Reichweite ist laut Hersteller (mal sehen, wie optimistisch die ist) zwischen 70 und 140 km in der großen Limousine Fluence. Also reine Stadtfahrzeuge. Noch katastrophaler ist jedoch das Preis-/Leistungsverhältnis. Hohe Anschaffungskosten, hohe Zusatzmieten für die Batterien und bis zu 4,- per 100 km Stromkosten ! Für die kolpotierten Gesamtsummen kann man aktuell fast zwei ähnliche Fahrzeuge nutzen. Wers nicht glaubt, kann gerne die auch hier veröffentlichten Kosten nachlesen. Wo um Gottes willen kommt denn eigentlich der ganze Strom her, wenn plötztlich jeder nur noch elektrisch fahren will und alle AKWs abgeschaltet werden ? Vermutlich aus den Uralt-AKWs aus Frankreich, der Schweiz, Tschechien und der Ukraine - will man das ?


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