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Automatisiertes Fahren: EVA-Shuttles nehmen Passagierbetrieb auf

In Karlsruhe bringen im Rahmen des Forschungsprojekts EVA-Shuttle autonom fahrende, emissionsfreie Minibusse ihre Fahrgäste nach Bedarf bequem von A nach B.
© Foto: TÜV SÜD

In Karlsruhe geht erstmals ein ÖPNV-Konzept an den Start, bei dem Shuttle-Fahrzeuge vollkommen autonom im Straßenverkehr navigieren. TÜV Süd hat das Sicherheitskonzept des Projektes entwickelt.


Datum:
21.04.2021
Autor:
AH
Lesezeit: 
5 min
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Mit dem Karlsruher Forschungsprojekt EVA-Shuttles (elektrisch, vernetzt, automatisiert) startet erstmals ein Testbetrieb, bei dem Minibusse automatisiert im Straßenverkehr unterwegs sind. Die elektrischen Fahrzeuge können per App on demand bestellt werden. Zu den Projektpartnern gehörte neben den Verkehrsbetrieben Karlsruhe, der Robert Bosch GmbH, der Deutsche-Bahn-Tochter ioki GmbH und dem FZI Forschungszentrum Informatik als Konsortialführer auch TÜV Süd.

Der Prüfkonzern zeichnete für das Sicherheitskonzept des Projekts verantwortlich. Neben umfangreichen Tests zur Fahrzeug- und funktionalen Sicherheit sowie zur Cybersicherheit wurde auch ein Schulungsprogramm für die begleitenden Fahrer entwickelt.

"Die Aufnahme des Passagierbetriebs durch die EVA-Shuttles stellt tatsächlich einen Meilenstein für das automatisierte Fahren im Allgemeinen, aber insbesondere für den Standort Deutschland dar", sagte Patrick Fruth, CEO der Division Mobility bei TÜV Süd, in Karlsruhe. Erstmals gehe ein ÖPNV-Konzept an den Start, bei dem die Fahrzeuge vollkommen autonom im Straßenverkehr navigieren würden.

Die TÜV Süd Auto Service GmbH hat reichlich praktische Erfahrung bei der Umsetzung von Projekten im Bereich automatisiertes Fahren rund um den Globus. Bereits vor vier Jahren leistete das Unternehmen mit dem ersten autonomen Shuttle im niederbayerischen Bad Birnbach zusammen mit ioki und der Deutschen Bahn Pionierarbeit.

Um SAE-Level 4 im Straßenverkehr mit Passagieren zu betreiben, wurde für den Zulassungsprozess die Systematik eines SAE-Level-2-Fahrerassistenzsystems angewendet und zusätzlich ein Sicherheitsfahrer/-operator integriert. Er schafft grundsätzlich die Basis für die Zulassung, denn er hat jederzeit die Möglichkeit, das Fahrzeug im automatisierten Modus sicher zum Stehen zu bringen. Zudem kann er das EVA-Shuttle alternativ auch manuell aus Verkehrssituationen lenken, die bisher noch nicht vollkommen von den Automationssystemen übernommen werden können. Somit schließt der Operator die letzte mögliche Sicherheitslücke. So abgesichert ist es erstmals möglich, dass die Fahrzeuge vollkommen frei auf ihrer Fahrspur auf einem abgegrenzten Terrain (Wohngebiet Weiherfeld-Dammerstock) navigieren – und nicht mehr auf definierten virtuellen Schienen.

Die Fahrzeuge bewegen sich frei im regulären Straßenverkehr, agieren dort selbstständig und reagieren auf Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Verkehrsmittel.
© Foto: TÜV SÜD

Die drei Shuttles mit den Namen "Ella", "Vera" und "Anna" suchen sich nach Angaben der Projektverantwortlichen selbstständig den jeweils günstigsten Weg von A nach B. Grundlage für die Navigation sind neben hochgenauen, digitalen Karten, die das Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg zur Verfügung stellt, die Automationssysteme der Partner Bosch, ioki und dem FZI. Beim Auftauchen von Hindernissen sind die Anforderungen an die Automation entsprechend hoch, und der Sicherheitsoperator muss das Verkehrsgeschehen und die Interaktion zwischen Shuttle und anderen Verkehrsteilnehmern genau beachten. Er muss jederzeit in der Lage sein, bei Gefahren nicht zu früh aber rechtzeitig einzugreifen.

"Sicherheitswabe" eingeführt

Definiert um das Shuttle wurde ein Sicherheitsbereich, die sogenannte "Sicherheitswabe". Hier muss der Sicherheitsoperator besonders auf Hindernisse achten und die freie Fahrt überwachen. "Die Anforderungen machen klar, dass die Begleitpersonen umfangreich geschult und auch geprüft werden müssen. Die Schulung ist daher auch ein wesentlicher Baustein unseres Sicherheitskonzepts für die EVA-Shuttles. Mit dem Start des Passagierbetriebs und mit dem nun bis 20 Stundenkilometer freigegebenen Entwicklungsbetrieb starten wir in die finale Phase des Projekts, in dem wir die Wechselwirkungen zwischen Automation und anderen Verkehrsteilnehmern analysieren werden. Diese Erkenntnisse fließen insgesamt in die Weiterentwicklung der Methoden zur Absicherung von automatisiert und vernetzt fahrenden Fahrzeugen ein – bis zur Genehmigung und Prüfung", erklärte Dirk Fratzke, Projektleiter bei TÜV Süd für das Karlsruher Projekt.

Basis für die Zulassungen ist das TÜV Süd-Dienstleistungspaket AV-Permit. Diese Expertise fließt nun auch in das EVA-Projekt mit ein und sorgt so für die Sicherheit bei der neuen Form der Mobilität. "Damit schaffen wir Sicherheit und Vertrauen und sorgen so für den erfolgreichen Testbetrieb des Forschungsprojekts. Wir freuen uns, dass Karlsruhe bei diesem innovativen Verkehrsprojekt in puncto Sicherheit auf TÜV Süd gesetzt hat", erklärte Fratzke abschließend.

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