TÜV prüft autonom fahrendes Fahrzeug: Fast reif für die Straße

12.06.2026 10:11 Uhr | Lesezeit: 4 min
TÜV TU München Edgar autonomes Fahren Berlin
Ein als autonomes Forschungsfahrzeug Edgar eingesetzter Volkswagen VW T7 der Technischen Universität München (TU) fährt durch Berlin.
© Foto: Haiko Tobias Prengel / SP-X

Ein autonom fahrender Kleinbus der TU München rollt durch Berlin. Nach dem Willen der Verkehrssenatorin sollen Shuttles ohne Fahrer so schnell wie möglich auf die Straße kommen. TÜV-Prüfer halten das für machbar, fordern gleichzeitig aber eine klare Regulatorik für Daten und KI.

Fahrerlose Taxis und Shuttle-Busse im dichten Stadtverkehr? Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) setzt sich für einen möglichst raschen Einsatz vollautonomer Fahrzeuge ein, bei denen niemand mehr am Steuer sitzen muss. "Für mich ist die autonome Mobilität der Gamechanger der Mobilitätswende", sagte Bonde. So schnell wie möglich sollten solche autonomen Fahrzeuge in Berlin zum Einsatz kommen. "Und ich glaube, wir sprechen jetzt nicht von einer langfristigen Perspektive, sondern von einer kurzfristigen Perspektive."

Zugleich wurde in Berlin ein wichtiger technischer Meilenstein erreicht: Erstmals absolvierte ein Fahrzeug eine Prüfungsfahrt unter Level-4-Bedingungen im urbanen Straßenverkehr.

Erste Realfahrt unter Level-4-Bedingungen

Das Forschungsfahrzeug Edgar der Technischen Universität München fuhr autonom vom Bundesministerium für Verkehr bis zum Berliner Radialsystem. TÜV-Prüferteams testeten dabei erstmals eine neue Prüfmethodik für autonome Fahrzeuge unter realen Verkehrsbedingungen.

"Die Berliner Realfahrt zeigt, dass autonomes Fahren auch im komplexen Stadtverkehr technisch möglich ist", sagte TÜV-Präsident Dirk Stenkamp. Gleichzeitig werde deutlich, dass sich Sicherheit nicht allein an der Fahrzeugtechnik entscheide, sondern daran, wie zuverlässig ein System seine Umgebung erkenne, Verkehrssituationen interpretiere und auf unterschiedliche Bedingungen reagiere.

Die Realfahrt diente nicht der Zulassung des Fahrzeugs, sondern der Erprobung eines Prüfverfahrens. Drei unabhängige TÜV-Teams bewerteten das Fahrverhalten auf Basis eines Begutachtungsleitfadens. Die Ergebnisse fielen positiv aus: Die Methode erwies sich als praxistauglich und technisch umsetzbar.

Autonome Fahrzeuge brauchen klare Genehmigungen

Zugelassen für den öffentlichen Straßenverkehr ist bislang in Deutschland kein Level-4-Fahrzeug. Für eine Genehmigung sind mehrere Schritte notwendig: Zunächst die technische Typprüfung des Fahrzeugs, anschließend die Freigabe eines konkreten Betriebsbereichs.

Dabei wird unter realen Bedingungen geprüft, wie das Fahrzeug mit komplexen Verkehrssituationen umgeht. "Autonome Fahrzeuge müssen nicht nur Verkehrsregeln beherrschen, sondern auch die Besonderheiten ihres jeweiligen Einsatzgebiets verstehen", betonte Stenkamp.

Das getestete Fahrzeug bewältigte den Berliner Stadtverkehr innerhalb des definierten Bereichs sicher. Für eine reguläre Betriebsgenehmigung fehlen jedoch noch Voraussetzungen, etwa eine technische Aufsicht, die im Notfall eingreifen kann.

Forderung nach klaren Regeln für Daten und KI

Nach Auffassung des TÜV-Verbands braucht der Markthochlauf neben technischer Reife auch klare regulatorische Vorgaben. Entscheidend sei ein umfassender Zugang zu sicherheitsrelevanten Fahrzeugdaten für Prüfer und Behörden.

Gefordert werden standardisierte Schnittstellen sowie ein europaweit harmonisierter Rechtsrahmen für autonome Systeme und deren künstliche Intelligenz. Zudem spricht sich der Verband für eine digitale Fahrzeugakte aus, in der Softwarestände, Updates und Prüfdaten dokumentiert werden.

"Deutschland hat das Know-how, die Forschungskompetenz und den regulatorischen Rahmen, um international eine führende Rolle einzunehmen", sagte Stenkamp. Nun liege es an Herstellern und Betreibern, die nächsten Schritte zu gehen und autonome Fahrzeuge in den Regelbetrieb zu überführen.


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