BYD-Chef Lars Bialkowski treibt den Markteintritt der chinesischen E-Auto-Marke in Deutschland mit hohem Tempo voran – vom rasanten Händlernetzaufbau über lokal entwickelte Modelle bis hin zu einer eigenen Premium-Marke. Im Gespräch erklärt er, wie BYD trotz Vorbehalten deutscher Kunden als lokaler Player wahrgenommen werden will, welche Rolle Denza im Konzern spielt und warum ein neues Flash-Charging-Netz an Autobahnen und in Innenstädten zum Gamechanger werden soll.
Herr Bialkowski, BYD wächst zuletzt enorm, dennoch gibt es Vorbehalte der Kunden, Risiken bei den Restwerten und zuletzt sogar Spekulationen um potenzielle Spionage durch China. Wie passt das zu Ihren Ambitionen in Deutschland?
L. Bialkowski: Wir haben vertrieblich erst Mitte 2025 richtig losgelegt und wachsen seitdem Monat für Monat zweistellig. Unser Anspruch ist, als lokaler Anbieter wahrgenommen zu werden – nicht als ferner Importeur. Deshalb investieren wir massiv in ein dichtes Händlernetz mit großen Gruppen und starken lokalen „Heroes“ und entwickeln Fahrzeuge gezielt für Europa und speziell für Deutschland – mit einem deutschen Chefdesigner und klaren Antworten auf typische Nutzungsmuster vom Kombi bis zum Flottenfahrzeug.
Natürlich gibt es Vorbehalte gegenüber chinesischen Marken; wir werden nicht jeden überzeugen, aber viele durch Technologie und Lokalisierung. Das Spionage-Narrativ war aus unserer Sicht aus der Luft gegriffen, wir halten uns an alle rechtlichen Rahmenbedingungen in Europa und Deutschland.
Welche Rolle übernimmt Denza im Konzern – und wie wollen Sie die Marke hierzulande aufbauen?
L. Bialkowski: Denza ist unsere Premium-Brand für Europa und kommt im Mai mit dem Z9 GT und dem großen Van D9 nach Deutschland. Die Marke steht für Innovation, Technologie und eine zeitgemäßes Premium-Erlebnis, was in einem sehr technikaffinen Markt wie Deutschland gut funktioniert. Wir starten mit fünf eigenen City-Stores in Toplagen – unter anderem in Frankfurt, Köln, Hamburg und München, Berlin wird voraussichtlich folgen – ergänzt um zunächst 5 bis 10 private Händler-Stützpunkten.
Perspektivisch sehen wir rund 40 Standorte, mit Partnern, die wirklich Lust auf Premium-Verkauf und ein hochinnovatives, hier noch unbekanntes Produkt haben; Denza wird damit zur Speerspitze unserer Premium- und Technologiewahrnehmung im Konzern.
Superschnelles Laden mit Ihrem „Flash Charging“ mit bis zu 1000 kW – wie wollen Sie das flächendeckend hinbekommen?
L. Bialkowski: Wir verfolgen beim Flash Charging eine klare Standortstrategie: Zunächst entstehen die Schnelllader bei unseren Händlern, sie sind aber bewusst für alle Nutzer offen. Parallel dazu suchen wir gezielt größere Ladenetzbetreiber als Partner, um ein flächendeckendes Netz aufzubauen – mit einem Fokus auf Autobahnen und stark frequentierte innerstädtische Lagen.
Dank unserer Speicherarchitektur brauchen wir pro Standort nur 50 bis 100 kW aus dem Netz, können aber bis zu 1000 kW für fünf bis zehn Fahrzeuge gleichzeitig bereitstellen und schließen damit die Lücke zwischen der theoretischen Leistung heutiger 300-kW-Säulen und der real ankommenden Ladeleistung. So entsteht Schritt für Schritt ein integriertes Schnellladenetz, das unsere Händler aufwertet, die Marke Denza stärkt und vor allem für Vielfahrer und Flotten einen echten Zeitvorteil bietet.