"Keine Zeit zu verlieren": Blume will VW-Sparpaket bis Jahresende festzurren

24.07.2026 14:44 Uhr | Lesezeit: 3 min
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VW-Boss Oliver Blume: "Tiefgreifendste Transformationspaket" 
© Foto: Johannes Neudecker/dpa

Schwache Verkäufe, vor allem in China, setzen dem VW-Konzern zu: Der Gewinn ist kräftig gesunken. Konzernchef Oliver Blume dringt auf eine Entscheidung über den geplanten Sparkurs bis zum Jahresende und will dabei möglichst Werksschließungen vermeiden.

Angesichts eines erneuten Gewinneinbruchs dringt VW-Chef Oliver Blume auf eine Entscheidung zum geplanten Sparpaket bis Ende des Jahres. Sein Ziel sei es, dazu bis Jahresende entsprechende Beschlüsse im Aufsichtsrat zu treffen, sagte Blume im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Wir gehen davon aus, dass wir bis Jahresende dort ein großes Stück weiter sind."

Zuvor hatte der Volkswagen-Konzern für das zweite Quartal einen weiteren Gewinnrückgang gemeldet. In den Monaten April bis Juni ging das Konzernergebnis nach Steuern um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro zurück, wie Europas größter Autobauer in Wolfsburg mitteilte. Es war der zehnte Rückgang beim Quartalsgewinn in Folge. Zudem verabschiedet sich VW vom bisher angepeilten Umsatzplus. Der Umsatz soll nun bestenfalls stabil bleiben.

Im zweiten Quartal zog der Umsatz zwar um zwei Prozent auf 82,4 Milliarden Euro an, nach den ersten sechs Monaten ist die Bilanz damit aber nur nahezu ausgeglichen. Das operative Ergebnis schrumpfte im Quartal um rund ein Zehntel auf 3,47 Milliarden Euro. Die Auslieferungen fielen konzernweit um fast neun Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge. Auf dem wichtigen Markt China ging es sogar um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge nach unten.

50.000 Stellen und vier Werke auf dem Prüfstand

Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz sorgten für Gegenwind, sagte Blume. Er plant daher neue Sparmaßnahmen mit deutlichen Einschnitten: Bis zu 50.000 Stellen weltweit und vier Werke in Deutschland stehen auf dem Prüfstand, zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 bereits abgebaut werden sollen. Der Konzern soll insgesamt auf eine Produktion von neun Millionen Fahrzeugen jährlich getrimmt werden, rund eine Million weniger als derzeit und drei Millionen weniger als noch vor der Corona-Pandemie. Allein in Europa sollen noch einmal 500.000 Fahrzeuge Produktionskapazität wegfallen. Die Zahl der Modelle soll um die Hälfte, die der verwendeten Komponenten sogar um drei Viertel reduziert werden.

Blume sprach von der größten Transformation der Konzerngeschichte. "Es geht hier nicht um ein reines Sparpaket. Es ist das umfassendste und tiefgreifendste Transformationspaket, das wir je im Volkswagen-Konzern aufgesetzt haben." Vom Betriebsrat kam umgehend Kritik: "Eine Debatte über Standortschließungen und Personalabbau in historisch großen Dimensionen ist nicht das neue Geschäftsmodell für den VW-Konzern", sagte ein Sprecher der Arbeitnehmervertretung.


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Land und Arbeitnehmer protestieren.

Vor zwei Wochen waren die Sparpläne erstmals im VW-Aufsichtsrat behandelt worden. Von Gewerkschaft und Betriebsrat kam dort bereits kräftiger Gegenwind. Ebenso vom Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist und zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat entsendet. In dem Gremium fielen die Pläne zunächst durch.

Im September solle es jedoch eine weitere Sitzung dazu geben, kündigte Blume an. Weitere dürften folgen. Schließlich gehe es um "das umfassendste und tiefgreifendste Transformationspaket, das wir je im Volkswagen-Konzern aufgesetzt haben". Er zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass bis Jahresende eine Einigung möglich sei. "Da gehe ich schon fest davon aus, dass wir das in diesem Jahr machen müssen."

Werksschließungen nur letzte Option

Mit Blick auf mögliche Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und bei Audi in Neckarsulm sprach Blume lediglich von einer letzten Option, die er gern vermeiden würde. Für die vier Standorte gebe es derzeit noch keine "wettbewerbsfähige Belegung" für die 2030er-Jahre. Doch, so Blume: „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen. Das ist immer die letzte Option.“

Eine Möglichkeit sei die Rüstungsproduktion. Denkbar sei auch die Fertigung chinesischer VW-Modelle für den europäischen Markt. Dabei gehe es jedoch ausschließlich um eigene VW-Modelle, die bislang nur in China angeboten werden, nicht um eine Öffnung für Wettbewerber wie BYD oder Geely. Er denke nicht daran, Konkurrenten in die eigenen Fabriken zu holen, betonte Blume.

Bis 2030 sei ohnehin nicht mit Werksschließungen zu rechnen. Denn derzeit würden die dort produzierten Modelle benötigt, sagte Blume in einer Telefonkonferenz. "Es ist nicht realistisch, über Werkschließungen bis 2030 zu reden."

Noch keine Details zum Stellenabbau

Und die 50.000 Stellen, die weltweit zusätzlich wegfallen könnten? Blume sprach von einer bislang lediglich rechnerischen Größe, die sich aus den angestrebten Kostensenkungen ergebe. "Diese 50.000 sind zunächst erst mal theoretisch." Nun gelte es, "über die Marken, die Gesellschaften und Regionen im Detail zu ermitteln, welche Personalanpassungen dort nötig und möglich sind".

Der Stellenabbau käme zu den bereits 2024 vereinbarten Einsparungen hinzu. Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke VW wegfallen, der Rest bei Tochtergesellschaften wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.

VW hatte zugesagt, den Abbau sozialverträglich zu gestalten, und setzt dabei vor allem auf Altersteilzeit und Abfindungen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden bis 2030 ausgeschlossen. Für Gespräche über eine Verlängerung dieser Jobgarantie bei der Kernmarke VW sei es noch zu früh, sagte Blume. Dafür müssten die Rahmenbedingungen stimmen. Zunächst müsse darüber gesprochen werden, wie Verwaltungs- und Arbeitskosten bei den Marken, den Tochtergesellschaften und in den Regionen gesenkt werden könnten.


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