Nach 47 Jahren in operativer Verantwortung als Vorsitzender der Geschäftsführung von AVL List wechselt Helmut List mit Ende Mai in den Aufsichtsrat und übernimmt anschließend dessen Vorsitz. Das teilte das österreichische Branchenunternehmen am Montag mit.
In seiner neuen Rolle soll List weiterhin wichtige Impulse für die langfristige Ausrichtung des Unternehmens setzen. Ein Schwerpunkt soll auf dem Ausbau internationaler Kontakte liegen. Als Aufsichtsratsvorsitzender und Eigentümer werde er insbesondere die Beziehungen zu globalen Partnern der Mobilitätsindustrie sowie zu bestehenden und neuen Kunden weiter stärken, hieß es.
"Der Wechsel in den Aufsichtsratsvorsitz ist für mich ein bewusster nächster Schritt. Gemeinsam haben wir AVL zu einem führenden Technologiepartner für nachhaltige Mobilität entwickelt. In meiner neuen Rolle werde ich diesen Weg weiterhin begleiten und meine Erfahrung einbringen. Gleichzeitig ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Raum für neue Perspektiven in der operativen Führung zu schaffen – um die Transformation hin zu nachhaltiger und nutzerorientierter Mobilität konsequent weiter voranzutreiben", sagte List.
Lukas Walter übernimmt Geschäftsführung
Die operative Nachfolge übernimmt Lukas Walter. Der Branchenexperte soll die Entwicklung von AVL List fortführen und neue strategische Impulse setzen. Walter war zuletzt Chief Operating Officer (COO) im Geschäftsbereich Engineering und war in zentrale strategische Entscheidungen eingebunden. Zuvor arbeitete er als Senior Vice President bei MAN Truck & Bus, wo er unter anderem das Engineering, die Produktstrategie und -planung sowie den globalen Lkw‑Vertrieb verantwortete. Zudem begleitete er wesentliche Transformationsprozesse.
Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der internationalen Produkt‑ und Geschäftsentwicklung im Mobilitätsumfeld sowie umfassender Expertise in Engineering, Business Development und globalem Vertrieb bringe Walter ideale Voraussetzungen für die Führung des Unternehmens mit. Seine Tätigkeit im Top-Management des VW-Konzerns stehe zudem für Kontinuität in der Geschäftsentwicklung von AVL.
"Unsere Fähigkeit, komplexe Antriebssysteme ganzheitlich zu entwickeln und in die Anwendung zu bringen, macht uns zu einem zentralen Partner in der Transformation hin zu nachhaltiger Mobilität. Diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen", betonte Walter.
Harter Sparkurs
Angesichts der globalen Krise der Autoindustrie hat sich der steirische Technologiekonzern AVL List einen strikten Sparkurs verordnet. Dieser betrifft vor allem die Zentrale in Graz. Zu Jahresbeginn wurde bekannt, dass dort rund 350 Mitarbeitende gehen müssen. Bereits im Vorjahr wurden Hunderte Jobs gestrichen. Der Belegschaft am Hauptsitz schrumpft damit bis Mitte 2026 auf unter 3.000 Angestellte.
AVL gilt als eines der weltweit führenden Mobilitätstechnologieunternehmen für Entwicklung, Simulation und Testen in der Automobilbranche. Das Unternehmen betreibt 90 Standorte und mehr als 50 Kompetenz- und Entwicklungszentren. Dort werden rund 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.