Der US-Elektroautobauer Tesla will die Zahl der Beschäftigten in seinem einzigen europäischen Autowerk in Grünheide bei Berlin kurzfristig aufstocken - wegen gestiegener Nachfrage. "Bis Ende Juni wollen wir circa 1.000 neue Mitarbeiter hier an Bord haben", sagte Werksleiter André Thierig. "Dann beginnen wir im Juli die Produktion um circa 20 Prozent auf gut 6.000 Einheiten pro Woche in einem ersten Schritt."
Die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg öffnete vor rund vier Jahren. Die Beschäftigtenzahl stieg zunächst stetig. Vor etwas mehr als zwei Jahren arbeiteten dort rund 12.400 Menschen. Dann sank die Zahl jedoch um 1.700 bis zu diesem Jahr. Mit der Aufstockung würden in der Gigafactory Berlin-Brandenburg nach Unternehmensangaben 11.700 Menschen arbeiten.
Tesla sieht für sich Rückenwind inmitten von Krisen. "Die Zulassungszahlen in den Märkten, die wir beliefern, sind im ersten Quartal deutlich angestiegen", sagte der Werksleiter. Im ersten Quartal habe die Fabrik mit über 61.000 Fahrzeugen einen neuen Produktionsrekord aufgestellt.
Auch auf dem deutschen Markt machte Tesla einen Sprung und legte nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamts von Januar bis März 2026 mit 12.829 bei den Neuzulassungen um 160 Prozent zu. In Grünheide wird das Model Y produziert.
Tesla Model Y Standard
Chancen für Ausbau steigen
Tesla will zudem voraussichtlich rund 500 Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer im Laufe des Jahres in feste, unbefristete Arbeitsverhältnisse übernehmen. Unabhängig davon habe die Suche nach mehreren hundert neuen Beschäftigten für die Batteriezellfertigung begonnen, die in der ersten Jahreshälfte 2027 starten soll, teilte das Unternehmen mit.
Mit der Aufstockung steigen die Chancen für einen von Tesla-Chef Elon Musk geplanten Ausbau, der wegen der Marktlage bisher auf Eis lag. Die erste Teilgenehmigung für den Ausbau der Produktion hat Tesla bereits erhalten.
US-Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Jahr eine US-Steuervergünstigung auslaufen lassen. Danach fielen die weltweiten Auslieferungen von Tesla. Thierig sieht für Grünheide "keinen wirklichen Einbruch". "Dass die Produktionszahlen und auch die Zulassungszahlen vor allen Dingen im Jahresvergleich zum ersten und zweiten Quartal letzten Jahres zurückgingen, war auf den Modellwechsel zurückzuführen, den wir im ersten Quartal vorgenommen haben."
Tesla Model Y Performance
Tesla startet Robotaxi-Produktion
Tesla hat laut Firmenchef Elon Musk die Produktion des Robotaxi-Fahrzeugs Cybercab gestartet, das ohne Lenkrad und Pedale auskommen soll. Musk veröffentlichte auf seiner Online-Plattform X ein kurzes Video, auf dem die Fahrzeuge auf Produktionslinien zu sehen sind. Musk behauptet, dass die Zukunft von Tesla in Robotern und Robotaxis liegt. Die Zweisitzer würden mit der Zeit den Großteil von Teslas Autoproduktion ausmachen, sagte er zuletzt erneut. Tesla steht bei selbstfahrenden Autos ohne Aufsicht allerdings erst am Anfang.
Waymo klare Nummer eins
Während fahrerlose Wagen der Google-Schwesterfirma Waymo in den USA bereits mehr als 500.000 bezahlte Fahrten mit Passagieren pro Woche machen, hat Tesla bisher nur wenige autonome Wagen seines Models Y im Einsatz. Auch Cybercab-Testfahrzeuge waren bisher mit Menschen am Steuer zu sehen.
Musk verkündet jedoch, dass sein Unternehmen schnell die Führung im Markt übernehmen werde. Ein Grund sind Kostenvorteile: Musk will nur mit Kameras auskommen, ohne die teureren Laser-Radare, auf die Waymo und andere Entwickler setzen. Zahlreiche Experten und Rivalen zweifeln daran, dass Autos lediglich mit Kameras verlässlich genug autonom fahren können.