VW-Chef nennt erstmals eine Zahl: Bis zu 50.000 Jobs bedroht

13.07.2026 13:36 Uhr | Lesezeit: 5 min
Neufahrzeuge von Volkswagen stehen zur Auslieferung in den Autotürmen der Autostadt am Stammwerk von Volkswagen (Luftaufnahme mit Drohne). Am 10. März fand die Jahrespressekonferenz der Volkswagen Group statt.
Volkswagen nennt mögliche Größenordnung des Stellenabbaus.
© Foto: ju

Volkswagen-Chef Blume hat sich lange nicht zum geplanten Stellenabbau bei dem Autoriesen geäußert. Nun macht er erstmals klar, wie viele Jobs bedroht sind. Und was ist mit den deutschen Standorten?

Mitten im Ringen um die Zukunft des größten europäischen Autobauers hat Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume erstmals das mögliche Ausmaß der erwarteten Einschnitte beziffert. Ohne Veränderungen bei den Arbeitskosten würde sich eine Größenordnung von rund 50.000 Stellen weltweit ergeben, sagte er einem internen Interview im Volkswagen-Intranet zufolge, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet.

Diese Zahl ergibt sich laut Blume aus dem Vorhaben, die Kosten für Verwaltung, Infrastruktur und Unterstützung des Kerngeschäfts auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Die entsprechenden Kosten lägen bei Volkswagen noch um 20 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen. Das bedeute, dass "eine theoretische Ableitung ohne Veränderung der Arbeitskosten rund 50.000 Stellen weltweit ergeben" würde.

Höhe des Personalabbaus noch offen

Derzeit werde in allen Marken, Gesellschaften und Regionen ermittelt, welche Anpassungen "nötig und möglich" seien. Personalkosten ergäben sich neben der Zahl der Beschäftigten auch aus den Arbeitskosten. "Diesen Hebel müssen wir ebenfalls ziehen", sagte Blume und deutete damit an, dass das genaue Ausmaß des Personalabbaus noch nicht feststeht.

Bis 2030 hatte Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Tochtergesellschaften wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte hätten bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben, bis zum Jahresende sollten rund 27.000 Beschäftigte ausgeschieden sein, sagte Blume.

Werkschließungen bleiben ein Thema

Die Äußerungen kommen wenige Tage nach der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag, bei der Blume einem Medienbericht zufolge mit einem weitergehenden Sparpaket gescheitert sein soll. Was konkret im abgelehnten Paket steht, war zunächst nur aus Medienberichten bekannt – demnach könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, teilweise war sogar von 120.000 die Rede. Vier Werke des VW-Konzerns in Deutschland könnten zudem von Schließungen bedroht sein: Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm.

"Überkapazitäten kosten Geld", sagte Blume im VW-Intranet zu möglichen Werkschließungen. Und: "Die Wahrheit ist auch, dass wir heute für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm in den 30er-Jahren noch keine wettbewerbsgerechte Belegung bestätigen können." Wichtig sei ihm: "Intelligente Lösungen sind immer besser, als ein Werk zu schließen."

Alternative Konzepte werden geprüft

Mut mache, dass die Fabrikkosten bei Volkswagen an den deutschen Standorten allein im vergangenen Jahr um 20 Prozent gesunken seien. Das zeige in die richtige Richtung, sagte der Konzernchef. Auch alternative Lösungen würden geprüft. So sei Volkswagen für den Standort Osnabrück mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie "in fortgeschrittenen Gesprächen". Er betonte: "Uns ist es wichtig, Beschäftigung zu sichern."

Betriebsrat kritisiert die Situation

Zuvor hatte der bei Volkswagen einflussreiche Betriebsrat einen großen Vertrauensverlust in der Belegschaft festgestellt. Ein Sprecher des Betriebsrats sagte am Sonntag, für Beschäftigte, Zulieferer, Dienstleister und ganze Standortregionen, die am größten Industriekonzern Deutschlands hingen, sei eine schwer erträgliche Lage entstanden: "Insbesondere für unsere mehr als 40.000 Kolleginnen und Kollegen an den namentlich seit Wochen bekannten fünf Standorten Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau, deren früher oder später drohendes Aus seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht, ist dieser Zustand schlicht nicht mehr auszuhalten."

Kommunalpolitiker fordern Klarheit

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay forderte, Volkswagen müsse sich zum Standort Deutschland bekennen. "Es ist mit Blick auf den internationalen Wettbewerb absurd, darüber nachzudenken, hoch qualifiziertes Personal nach Hause zu schicken und topmoderne Fabriken auslaufen zu lassen", sagte der Grünen-Politiker auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

In Emden sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff, er habe schon am Tag der Aufsichtsratssitzung deutlich gemacht, dass Volkswagen "kreative und intelligente Lösungen entwickeln muss, anstatt immer wieder über Werksschließungen oder einen schleichenden Rückbau von Standorten zu diskutieren".

Für Emden erwarte er "eine langfristige Perspektive mit neuen Produkten, neuen Aufgaben und weiteren Investitionen". Der parteilose Politiker betonte: "Die Beschäftigten haben den Wandel zur Elektromobilität mitgetragen, sie haben ihren Beitrag geleistet und verdienen Respekt."

CDU fordert Zukunftsplan

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Sebastian Lechner, machte deutlich: "Volkswagen ist mit Niedersachsen und seinen Menschen auf besondere Weise verbunden. Deshalb haben der Erhalt und die Zukunftsfähigkeit der niedersächsischen Standorte für uns als Landespolitik höchste Priorität." Er mahnte einen schnellen, klaren und verbindlichen Zukunftsplan an: "Volkswagen braucht wettbewerbsfähige Produkte, effizientere Strukturen und konkrete Investitionsperspektiven für seine Werke."


Deutsche VW-Standorte im Überblick

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