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Bundestag: Kein Tempolimit auf Autobahnen

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Kein Tempolimit auf Autobahnen
Tempolimit 130 Autobahn
Der Bundestag hat sich gegen ein Tempolimit auf Autobahnen entschieden.
© Foto: picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Soll eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen kommen? Darüber hatten die Abgeordneten des Bundestages am Donnerstag abgestimmt. Ein Großteil lehnt ein Tempolimit ab.

Ein Vorstoß der Grünen für ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen ist im Bundestag gescheitert. In einer namentlichen Abstimmung votierten am Donnerstag 498 Abgeordnete für die Empfehlung des Verkehrsausschusses, den Antrag abzulehnen. Für den Grünen-Antrag positionierten sich 126 Abgeordnete, sieben Parlamentarier enthielten sich. Abgegeben wurden insgesamt 631 Stimmen, wie Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) mitteilte.

"Wer die Autobahnen sicherer und den Verkehr fließender machen will, muss eine Geschwindigkeitsbegrenzung einführen", sagte Fraktionschef Anton Hofreiter der Deutschen Presse-Agentur vor der Abstimmung. Die Bundesregierung sei die letzte Regierung in Europa, die sich logischen Argumenten zum Tempolimit verschließe. "Wir fordern die Koalition auf, ihre ideologische Blockade abzulegen und unserem Antrag zuzustimmen."

Der Vorstoß zielte darauf, auf den Autobahnen ein generelles Limit von 130 Kilometern pro Stunde einzuführen - zum 1. Januar 2020. Eine solche "Sicherheitsgeschwindigkeit" sei überfällig, argumentierte Hofreiter. Dies vermeide viele Unfälle und erhöhe deutlich die Kapazität der Autobahnen. Darüber hinaus schone es den Geldbeutel der Autofahrer und senke Verkehrslärm und den Klimagas-Ausstoß.

Bundesregierung hatte Tempolimit bereits abgelehnt 

Die Grünen beantragten eine namentliche Abstimmung. Die Bundesregierung hatte einem Tempolimit, über das teils auch mit Blick auf Pläne für mehr Klimaschutz diskutiert wurde, bereits eine Absage erteilt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnt ein Tempolimit kategorisch ab. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte sich offen dafür gezeigt. Ein SPD-Parteitag hatte sich 2007 für ein Tempolimit von 130 ausgesprochen. Prinzipiell ist es unüblich, dass Anträge der Opposition von der Koalition unterstützt werden.

Für ein Tempolimit sprach sich der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, aus. Viele europäische Nachbarn hätten sich im Sinne von Verkehrssicherheit und Klimaschutz dafür entschieden, sagte er dem "Handelsblatt" (Donnerstag). "Deshalb kann ich nicht verstehen, dass Deutschland hier gegen den Strom schwimmt."

FDP-Fraktionsvize Frank Sitta warf den Grünen"Showforderungen" vor. "Generelle Tempolimits helfen dem Klima kaum und beschränken die Mobilität der Bürger überproportional", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Statt Verboten und Regulierung sollte der Emissionshandel auf den Verkehr ausgeweitet werden. "Es zeigt sich einmal mehr, dass bei den Grünen nicht der tatsächliche Nutzen für den Klimaschutz im Vordergrund steht, sondern der Kampf gegen das Auto", sagte Sitta.

Die Bundesregierung hatte einem Tempolimit, über das teils auch mit Blick auf Pläne für mehr Klimaschutz diskutiert wurde, bereits eine Absage erteilt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnt ein Tempolimit kategorisch ab. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte sich offen dafür gezeigt. Ein SPD-Parteitag hatte sich 2007 für ein Tempolimit von 130 ausgesprochen. Prinzipiell ist es unüblich, dass Anträge der Opposition von der Koalition unterstützt werden.

Mehr als die Hälfte der Deutschen für Tempolimit

Einer aktuellen Umfrage zufolge ist mehr als die Hälfte der Deutschen für ein Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen. 56,5 Prozent der Befragten sprachen sich für eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung aus, wie aus den Ergebnissen einer repräsentativen YouGov-Online-Umfrage im Auftrag der Online-Autobörse Mobile.de hervorgeht. 16,8 Prozent lehnen demnach eine Maximalgeschwindigkeit auf Autobahnen generell ab.

Auf dem Großteil der deutschen Autobahnen gilt nach wie vor freie Fahrt. Komplett ohne Limits sind 70 Prozent der Fahrbahnkilometer, Baustellen nicht mitgezählt. Bei weiteren sechs Prozent zeigen elektronische Schilder bei entspannter Lage keine Beschränkungen an. Dauerhaft oder zeitweise geltende Beschränkungen mit Blechschildern gibt es auf 20,8 Prozent des Netzes, wie aktuelle Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen für 2015 zeigen - am häufigsten sind Tempo 120 (7,8 Prozent) und Tempo 100 (5,6 Prozent). Unabhängig von beschilderten Abschnitten gilt auf Autobahnen seit mehr als 40 Jahren eine empfohlene "Richtgeschwindigkeit" von 130. (dpa)

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