Wolfgang Diehms Tod lässt innehalten! Er ruft in einem zahlreiche Erinnerungen, einmalige Diehm-Stationen ab. Wolfgang Diehm gestaltete von 1965 an zunächst als Prokurist mit seinem Bruder Ernst, ab 1979 als alleiniger Geschäftsführer die Unternehmensentwicklung der Robert Kunzmann GmbH. Und das von einem Standort in Aschaffenburg aus. Zusammen mit 160 Mitarbeitern. Die Gründung des Autohauses Kunzmann datiert auf das Jahr 1935. Die Familie Diehm wurde 1956 zunächst Kommanditist der Robert Kunzmann GmbH.
Wolfgang Diehm, alias Kunzmann, zählt heute zur handverlesenen Elite der deutschen Mercedes-Benz-Vertreter. Seit 2006 wirkt sein Sohn Karl in der familiären Geschäftsführung kongenial mit. Karl Diehm führt dass Unternehmen seit 2015 im operativen Geschäft als Inhaber und Geschäftsführer alleine fort, nachdem sein Vater den Vorsitz des Beirates übernahm. Die Unternehmensgruppe betreibt heute mit 1.200 Mitarbeitern zehn Autohaus-Standorte.
Wolfgang Diehm setzte nach Grenzöffnung nicht auf eine Expansion im Osten der Republik, sondern konzentrierte sich auf die angestammte Verwurzelung der Region Rhein-Main. Das sind grundlegende Weichenstellungen, an denen auch seine Ehefrau Christa als geistige Begleiterin neue Wege ebnet. Dazu gehört auch 2016 die Übernahme der Mercedes-Niederlassung Fulda. Sie strahlt heute optisch in prägender Kunzmann-Ästhetik und schreibt schwarze Zahlen.
Die Marke "STERN"
Wolfgang Diehm machte 1959 bei Daimler in Untertürkheim eine Lehre als Industriekaufmann, absolvierte danach ein Volontariat bei der Bayerischen Vereinsbank, anschließend bei der Wirtschaftsprüferkanzlei RAW in München, die bis heute die "Steuerflanke" des Hauses abdeckt. Wundert es einen, dass der so fundierte Kaufmann Wolfgang Diehm ein besonderes Verhältnis zur Zahlenwelt entwickelte, Schwachpunkte unmittelbar zu deuten wusste, Wirtschaftlichkeit, Effizienz und damit Prozesse für ihn als Credo über dem Ganzen lagen und die klare Zielsetzung bestimmten? Gelebte Kundenzufriedenheit hatte für ihn selber im Alltag ganz besondere Gewichtung. Das lief im Gleichklang mit Qualität, die in allen Leistungsbereichen zu "produzieren" war. Und Reklamationen waren für ihn selbstredend zu bearbeitende Chefsache.
Wolfgang Diehm ging den Dingen stets auf den Grund. Das war für ihn, der vor Ort schon während seiner Lehrzeit in Untertürkheim den Markenkern "vom Daimler" tief einatmete, Markenbestandteil. Dessen Name: Der "STERN"! Man wünscht sich heute im Mercedes-Topmanagement dieses so tief verankerte und im Alltag vorbildhaft gelebte und gestaltete Markenbewusstsein. Ich durfte mir ihm gegenüber über seine 55 (!) aktiven Unternehmensjahre einmal die Bemerkung erlauben: "Wolfgang, Du bist vor lauter gelebtem 'STERN' selber zum 'STERN' mutiert." Das hat er in seiner demütig gelebten Ader nicht angenommen. Weshalb?
Der Grandseigneur Wolfgang Diehm
Gleich in welcher Gesellschaft, in welchem "Rahmen" man ihn erlebte, seine spezifische Höflichkeit wie sein Charme waren einmalig. Sternen gleich. Ein Gentleman! Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achteten selbst, wenn er das Goethe-Worte aus Tragödie Faust I in die Tat umsetzte: „"Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn", und er nach argumentativem Austausch seine Hand hob und vorgab: "Meine Damen und Herren, Beschluss"! Er hatte das Format seine Führungskräfte so zu prägen, dass eine mentale Offenheit für Veränderung stets Grundlage für aktives Gestalten war. Und noch etwas. Ich kenne kein Autohaus, dass Innovationen in dieser Geschwindigkeit umsetzt, wie der "Motor" Wolfgang Diehm in seinem Autohaus durchführte. Klar, ein Neubau braucht seine Zeit. Aber nicht drei Jahre bis zur Realisierung. Wolfgang Diehm schaffte das in einem Jahr. Das gehörte aber alles zu seinem prägenden Kulturrahmen.
Das ergänzte Wolfgang Diehm über Ordnung und System an allen Ecken und Enden des Unternehmens. An allen Betriebsstätten. Kultur hat etwas mit Freude zu tun. Freude zu bewegen, zu erneuern. Auch darin war er ein Meister. Die Weihnachtsbotschaft seines Autohauses setzte Jahr um Jahr besondere Stern-Zeichen. Oder, wie viele Auszeichnungen hat das Unternehmen bis heute erhalten? Beste Dialogannahme, bestes Reifen-Autohaus in Deutschland, bestes GW-Controlling, Online-Teileverkauf und andere digitale Awards. Einzusehen bei www.kunzmann.de. AUTOHAUS durfte – wie auch andere Branchenimpulse, Kunzmann-Akademie (Weiterbildung), Personalentwicklung – stets medial vorstellen.
Kunzmann stellt inzwischen jährlich 180 Auszubildende in den unterschiedlichen Ausbildungszweigen ein. Dahinter steht ein gezieltes Ausbildungskonzept. Aus gutem Grunde sind inzwischen von den 1.200 Beschäftigten der Großteil "eigene Gewächse". Der Azubi-Tag wird inszeniert. Zur Eröffnung des ersten Ausbildungstages ist nicht nur die Unternehmensspitze präsent, sondern Vertreter aus Politik, der IHK und der Handwerskammer sowie der Kfz-Innung Unterfranken. Karl Diehm vertritt dort seit Jahren ehrenamtlich im Vorstand der Innung das Autohaus Kunzmann. Hier beispielhaft der erste Ausbildungstag 2012:
"Sternstunden" mit Wolfgang Diehm
2020 widmete das Kunzmann-Team seinem Firmenchef zum 80. Geburtstag eine Sonderausgabe der "Sternstunden". Für das Kundenmagazin erhielt das Autohaus 2026 die Gold-Auszeichnung beim "German Brand Award" (wir berichteten).
In dieser Ausgabe gratulierte jeder Standort in individueller Ausführung ihrem Firmenchef. Welch eine Referenz! Der Tenor: "Sie brauchen Kunzmann – aber noch wichtiger – Kunzmann braucht Sie."
Die zweite und dritte Genialität des WD
1977 übernahm Wolfgang Diehm zusammen mit seiner Frau Christa das Gestüt Hörnstein, gegründet 1962. Dieses hatte Christa von ihren Eltern geerbt.
Christa und Wolfgang lebten auch hier vergleichbar dem Stern: Trakehner oder nichts! Der Vorsitzende der Trakehner Verbandes e.V., Dr. Norbert Camp, würdigte die "Sternstunden für die Trakehner Familie", die das von ihnen geformte Team auf dem Gestüt leben und als Werte vorleben. Hinzu kommt die von Wolfgang Diehm gelebte Gastfreundschaft bis hin zur fundierten Rolle als Ratgeber. Er war auch in dieser hochsensiblen Pferdewelt bestens informiert und involviert. Er schuf hier über die Jahre mit seiner Frau eine eigene Familiendynastie. Das Gestüt Hörnstein, ein Naturparadies. Und wer als Pferdenarr mal eine einmalig gestaltete Sattelkammer oder gar eine professionelle Reithalle sehen möchte, er nehme sich das Vorbild der "Diehms" in Hörnstein zur Anleihe. Da möchte man Pferd sein!
Und diese Freundschaft pflegte Wolfgang Diehm auch für seine "Trakener-Perlen", Elitehengste in ihrem hohen "ausgedienten" Alter. Mancher war da mit 31 Jahren noch dabei.
Wolfgang Diehm hatte eine besondere Leidenschaft zur Natur. Die Leidenschaft für die Jagd hat er von seinem Vater ererbt, der Forstamtsdirektor war. Seine Frau Christa umschreibt ihre Erfahrung so: "Wenn Wolfgang von der Jagd zurückkam, war er so erholt und ausgeglichen wie sonst das ganze Jahr nicht." Aus Leidenschaft für die Natur und die Jagd!
Es ist bekannt, dass Jagd-Freundschaften besondere Volltreffer darstellen. Und die traditionellen Grüße "Waidmannsheil" und "Waidmannsdank" - mit Erbensuppe und dem Schnaps nach den langen Stunden in der Kälte zum Aufwärmen - sind ein hohes Stück Jagdkultur. Stets von den Jagdhörnern mit Inbrunst untermalt.
Unsere letzte Begegnung
Es war die Eröffnung des neu gebauten Standortes in Büttelborn im September 2023. Wolfgang bewegte sich mit Rollator. Nix mit Klagen! Eine freudige Ausstrahlung. Ich lasse den Bildtitel von damals im Original stehen. Die Unternehmerfamilie Wolfgang Diehm.
Sie sehen mir aufgrund einer 40-jährigen freundschaftlichen Verbundenheit meine persönliche Widmung nach: "Wolfgang, Du hast mit all Deinen vielfältigen Hoch- Begabungen Dein Unternehmen wie die Branche wirkungsvoll bereichert, einen großartigen Gemeinsinn vorgelebt und immer wieder markante Zeichen gesetzt. Bei all der komplexen Vielfalt die hinter Deinem Lebenswerk stehen: Pkw, Lkw, Omnibusse, Automobiltechnik, Smart, AMG, Classic-Center, Personalentwicklung, Weiterbildung, Bauen, Umbauen, Wachstum gestalten, Marketing, Digitalisierung, Kommunikation, Kundenorientierung…. Wolfgang, Du hast diese Vielzahl an Bällen Deines Berufslebens mit so viel Geschick, Freude und Eleganz in der Luft gehalten. Nun ruhen Deine Hände, aber die Faszination Deines genialen, so unermüdlichen, willensstarken Wirkens verbleibt in unseren Branchenherzen. Wir verneigen uns vor einem genial-begabten Jongleur! Ja, Du hast nun Deinen letzten Ball abgegeben, aber der Nachhall Deiner großartigen automobilen Branchenmelodien, Pferde- und Jagdweisen wird in uns immer wieder neu erklingen. Wolfang, Du großartiger Mutmacher! Dank an Deine gelebte Zuversicht! Dank für Dein einmaliges Vorbild!"