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Fahrbericht Cupra Formentor VZ: Kein SUV, sondern CUV

Fahrbericht Cupra Formentor VZ
Kein SUV, sondern CUV
Die schärfste Formentor-Version trägt die Buchstaben "VZ" und leistet 310 PS.
© Foto: Cupra

Kaum geboren, schon flügge. Nach nur drei Jahren hat Seats Sportableger Cupra sein erstes eigenständiges Modell auf der Straße. Und es ist kein SUV – oder nur ein bisschen.

Von Peter Maahn/SP-X

Anfang 2018 wurde die Marke Cupra gegründet. Jetzt bringt die Sporttochter von Seat ihr erstes eigenständiges Modell. Der Formentor ist eine Mischung aus Sportwagen und SUV, startet zunächst mit einem 228 kW / 310 PS starken Zweiliter-Benziner und Allradantrieb. Zwei Plug-In-Hybrid-Versionen sollen schon im November erscheinen. Insgesamt bietet Cupra für sein neues Spitzenmodell sieben Motorvarianten.

Der Formentor ist weder eine optisch verfeinerte Variante eines ansonsten eher braven Seat-Serienautos, noch hat er ein Schwestermodell im VW-Konzern. Er ist mitnichten ein weiteres von so vielen SUV unter all den anderen seiner Zunft. Die Designer mixten deren klassischen Attribute mit dem Chic eines sportlichen Coupés und dem Alltagsnutzen eines Kombi. "Crossover" heißt diese Unterabteilung von Autos, was schlicht für "Kreuzung" steht. Dessen Abkürzung CUV ist allerdings noch weithin unbekannt.

Bei der Mixtur geht es keineswegs nur um die abfallend-schräge Dachpartie, die dem Neuling eine Coupé-Anmutung verleihen soll. Vielmehr lässt der Formentor als Ganzes schon im Stand das Sportlerherz pochen. Ein markanter Bug mit vertikalen Lufteinlässen unterhalb der schmalen LED-Augen sorgt für eine Prise gewollter Grimmigkeit. Der Zweiliter-Turbo wird außerdem durch eine fast wagenbreite weitere vergitterte Lunge unter dem sechseckigen Kühlergrill beatmet. Wie zwei i-Tüpfelchen als eine Art Schönheitsflecken muten die kreisrunden hoch angesetzten Zusatzleuchten an.

Extrovertiertes Blechkleid

Dazu scharfe Karosseriekanten an den Flanken, deren letzte sich hoch über dem hinteren Radhaus wölbt. Rückwärtig dominiert ein recht schmales Heckfenster unter einem aus dem Dach ragenden Stummel-Spoiler. Ein Hingucker auch bei Tageslicht ist die durchgehende Lichtleiste zwischen den Rückleuchten, ebenso der gewaltige Diffusor unter dem Stoßfänger und die darin eingebetteten zwei Doppelrohre. Ein für manche sicher gewagtes Blechkleid, das aber fraglos Appetit auf mehr macht und den Gasfuß schon vor dem Einsteigen zucken lässt. Der Name Formentor geht übrigens auf die gleichnamige Halbinsel zurück, die im Norden Mallorcas 13 Kilometer weit ins Mittelmeer herausragt und durch ihre krassen Felsen berühmt ist.

In Summe ist der neue Cupra auch ganz schön krass, zumindest optisch. Umso mehr, als die Spanier zum Start der neuen Baureihe zunächst die schärfste Version von der Leine lassen. Sie trägt die Zusatz-Buchstaben VZ (steht für "veloz", zu deutsch "schnell"). Künftige schwächer motorisierte Modelle unter 180 kW/245 PS heißen nur Formentor. Unser Test-Crossie ist so ein "VZ" und hat standesgemäße 228 kW / 310 PS unter der Haube und verteilt deren Power elektronisch geregelt auf alle vier Räder. Der Motor ist aus anderen Konzernmodellen wie dem Tiguan R wohl bekannt und geschätzt.

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Cupra Formentor - Präsentation

Für Cupra-Kenner vertraut präsentiert sich auch das Innenleben des Formentor. Der Kommandostand ähnelt dem des kleineren Cupra Ateca und den anderen Modellen aus Seats Sportabteilung. Den Startknopf für den Motor unter dem Lenkrad-Pralltopf wird mit dem rechten Daumen bedient, sein linkes Pendant aktiviert die verschiedenen Fahrprogramme. Zum Beispiel fürs Gelände, fürs Spritsparen und natürlich fürs flotte Rumtoben. In der extremsten Stellung blubbert der Auspuff beim Gaswegnehmen, simuliert sogar einen Zwischengas-Sound beim Herunterschalten und gleichzeitigem Bremsen. Das kennen wir schon aus dem Cupra Ateca.

Der Krawall-Modus bleibt auf den ersten Kilometern unangetastet. Es geht durch Dörfer und kleine Ortschaften nördlich von München, hilfreich dabei die Verkehrszeichen-Erkennung, die ein Tempolimit sofort durch eine rote Markierung in der Tachoskala sichtbar macht. Ohne sportliche Ambitionen ist der Formentor bei gelassener Gangart ein komfortables Alltagsauto für Fünf, bietet ausreichend Platz fürs Gepäck und lässt sich dank exakter, gefühlsstarker Lenkung problemlos bedienen.

Der Knopf mit dem Cupra-Logo

Die für viele dunkle Seite der Macht erleuchtet die Fans nach dem Druck auf den ominösen Knopf mit dem Cupra-Logo. Lenkung, Schaltpunkte und Fahrwerkshärte wandern in den Angriffsmodus, der Sound schwillt an. Da es über herbstfeuchte Straßen mit nassem Laub geht, sind nun auch die elektronischen Helferlein samt Allradantrieb gefordert. Dank ebenfalls computergesteuerter Differenzialsperre an der Hinterachse kein Problem für den Formentor, solange man innerhalb der physikalischen Grenzen bleibt. Später auf der Autobahn gehört ihm dann auch noch die linke Spur. Was will ein Sportlerherz mehr?

Ehe Bedenkenträger jetzt Plakate malen und hochhalten: Dieser 310-PS-Formentor wird sicher nicht der Besteller der neuen Modellfamilie, schließlich kostet er mit einigen netten Extras locker um die 50.000 Euro und mehr. Noch ist nicht bekannt, wo die nicht so muskulären Versionen in der Preisliste angesiedelt werden. Oder der Plug-In-Hybrid, der Benzin- und E-Motor kombiniert und vermutlich rund 50 Kilometer rein elektrisch unterwegs sein kann. Aber auch diese Geheimnisse werden noch min diesem Jahr gelüftet.

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