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Fahrbericht Ford Ranger Raptor: Klappe auf!

Sieben Modi - von "Normal" über "Sport" oder "Sand" bis hin zu "Baja" - stehen der Kundschaft zur Verfügung.
© Foto: Ford

Strenggenommen ist ein Pick-up ein Nutzfahrzeug. Doch Ford schafft es, den neuen Ranger emotional zu machen. Und das Topmodell Raptor kommt noch emotionaler daher — mit Klappenauspuff und Dreiliter-Sechszylinder.


Datum:
21.11.2022
Autor:
Patrick Broich/SP-X
Lesezeit:
5 min
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Zugegeben, es gibt größere Absatzmärkte für Pick-ups als Deutschland. Dennoch schätzen so manche private wie auch gewerbliche Kunden dieses nützliche Fahrzeugsegment, um damit Transportaufgaben diverser Art zu bewältigen. Doch Pick-ups sind immer gleichzeitig auch Lifestyler mit der Fähigkeit, Blicke auf sich zu ziehen – denn sie haben eine ausgeprägte Fangemeinde. Viele Vertreter dieser Klasse tragen schließlich große Achtzylinder unter der Motorhaube – meistens sind das aber noch andere Gewichtsklassen, und das eher in den USA.

Doch wo viel Feuer unter der Haube steckt, ist meist viel Emotion bei den Kunden. So ist es kein Zufall, dass Ford seine jüngste Generation des Ranger (Eintonnen-Segment) zunächst in der Raptor-Ausführung zu den Kunden lässt. Und war der Raptor vormals noch ein schnöder Diesel, spendiert der Konzern der Topvariante (ab 79.450 Euro) jetzt ein emotionales Stück Maschinenbau. Drei Liter Hubraum aus sechs Zylindern mit 212 kW / 288 PS und 491 Newtonmetern maximalem Drehmoment sind in einer Zeit, da Verbrenner zum Auslaufmodell mutieren, eine ziemliche Ansage.

Ist der Ranger Raptor daher anachronistisch? Mitnichten, denn bei aller Elektro-Euphorie darf ja auch nicht vergessen werden, dass Benzinverkoster von heute an in Europa noch dreizehn Jahre verkauft werden. Und warum sollte es beim Ranger nicht eine Nummer luxuriöser als früher zugehen mit einem kultivierten Motor?


Ford Ranger Raptor (2023)

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Mit Klappen-Abgasanlage

Wohlig sonor klingt es kurz nach dem Anlassen, und richtig schnauben kann der Sechsender ebenso. Obwohl kein Sportwagen, verpflanzten die Techniker eine Klappen-Abgasanlage, um diverse Arten der akustischen Entfaltung zu ermöglichen. Ein Traum für Autoenthusiasten — den Ranger Raptor möchten jedenfalls auch Kunden haben, die so gar kein sperriges oder voluminöses Ladegut zu transportieren haben. Dabei können Gegenstände von 1,22 Metern Breite und 1,56 Metern Länge auf die Pritsche.

Bleibt nur zu hoffen, dass sieben Modi (von "Normal" über "Sport" oder "Sand" bis hin zu "Baja") nicht zu viel des Guten sind und die Kundschaft überfordern. Wir lassen den neuen Raptor nach der Anreise zur Kiesgrube so richtig eskalieren — freilich im aggressivsten Modus "Baja". Mit voller Last über das Geröll, Tempo aufbauen und dann mit solch einem Schmackes über den Hügel, dass die überaus stabile Leiterrahmen-Konstruktion gefühlt locker einen bis anderthalb Meter abhebt, um sanft wieder zu landen, als sei nichts gewesen. Dabei lässt der Kraxler auch mal die eine oder andere kontrollierte Fehlzündung knallen — die Passagiere haben Spaß.

Was kann der Raptor noch? Per Geländewagen-Tempomat mit maximaler Achsverschränkung über Pfade kriechen, die man selbst zu Fuß nur mühevoll absolvieren würde. Natürlich mit zwei 100 Prozent-Sperren und Geländereduktion, falls der erste Gang einer Zehnstufen-Wandlerautomatik immer noch nicht reichen sollte. So kann der Ford derart steile Hänge erklimmen, die sogar von unten aus schwindelig machen, wenn man einfach nur hochblickt. Je nach Modus kann aus Effizienzgründen eine Achse entkoppelt werden– dann fährt der Raptor mit nur einer Antriebsachse. Wobei der Effizienzgedanke relativ ist bei einem Nutzfahrzeug mit Spaßpotential und einem Durchschnittsverbrauch von 13,8 Litern.

Ranger ist modern geworden

Bei all der Konzentration, mit der man solchen Extrembedingungen begegnen sollte, geht beinahe unter, dass der Ranger ja in der Zwischenzeit richtig modern geworden ist. Ein riesiger Touchscreen lädt zum Bedienen, aber auch zum Spielen ein. Oder einfach nur zum Gucken. Dass Ford die mechanischen Anzeigen längst ausgemistet hat, ist ja aus den anderen jungen Modellen hinlänglich bekannt. Die induktive Ladefläche für das Smartphone sei erwähnt. Der stylisch geformte Automatikwählhebel muss auch erwähnt werden — allerdings als Beispiel dafür, dass man die Handhabe hier besser hätte lösen können. Er liegt zwar gut in der Hand, beherbergt aber zwei Drucktasten. Neben jener, die den Hebel entsperrt, auch noch jene, die für das Umschalten in den manuellen Modus zuständig ist. Das sorgt für Verwirrung und macht die Sache hakelig.

Die üblichen Helferlein vom autonomen Bremsassistenten über Spurwarner bis zur Totwinkel-Kontrolle können an einem Ranger anno 2022 natürlich auch nicht vorüberziehen.


Ford Bronco Raptor

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Diverse Selbstzünder zur Auswahl

Wer der Meinung ist, im Ranger keinen Sechszylinder fahren zu müssen, hat diverse kleinere Selbstzünder zur Wahl. Los geht es mit 125 kW / 170 PS aus zwei Litern Hubraum, darüber rangiert der ebenfalls vierzylindrige und zwei Liter große Biturbo – mit 151 kW / 205 PS und 500 Newtonmetern Drehmoment. Einen Sechszylinder als Diesel gibt es auch noch.

Und transportieren können die freilich nicht so fein klingenden Diesel-Ranger ebenso wie das luxuriöse Topmodell. Allerdings darf der Raptor nur 2,5 Tonnen an den Haken nehmen – hier könnte mehr gehen. Aber auch ganz ohne Nutzwertgedanken lässt sich mit der mächtig auftretenden Doppelkabine maximal komfortabel über die Piste cruisen, gerne auch ein paar Hundert Kilometer am Stück und ebenso in der zweiten Reihe, wo auch kein Platzmangel herrscht. Die Blicke der Passanten sind dem Eigner jedenfalls sicher, auch die Frage, um welches Fabrikat es sich handele, dürfte sich angesichts des XXL-Fordschriftzugs im Kühlergrill erübrigen. XXL ist der Ranger übrigens selbst mit 5,36 Metern Außenlänge. Also Berührungsangst mit ausladenden Gefährten ist nicht angeraten, möchte man den Ranger-Vertrag signieren. Das ist ab sofort möglich in der Erwartung, dass die Lieferung Anfang des Jahres eintreffen möge.

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