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Fahrbericht MG ZS EV: Restart 2021

Optisch sieht der MG ZS EV nicht schlecht aus. Aufgrund der Halogen-Scheinwerfer sieht man nachts jedoch schlecht. Bei einem modernen Auto für mehr als 30.000 Euro muss LED an Bord sein.
© Foto: Michael Blumenstein/Autoflotte

MG bedeutete mal "Morris Garage". Kult unter Automobil-Fans. Heue hat die Marke mit Morris noch so viel zu tun wie Saab mit Schweden. Der ZS EV ist daher auch alles, aber bestimmt kein MG.


Datum:
25.03.2021
Autor:
Michael Blumenstein / Autoflotte
Lesezeit: 
5 min
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Und, Sie kennen MG noch? Dann sind Sie wahrscheinlich dem Alter nach nicht mehr ganz so jung – das hat viele Vorteile. So sagen Ihnen sicherlich die Marken Borgward, TVR, NSU (das waren die Guten), Auto-Union, AMC, Oldsmobile, Saab, Saturn, Hummer und Pontiac etwas? Alle haben eins gemein: Sie existieren (zumindest in der Ursprungs-Konstellation) nicht mehr.

China kommt

MG versucht nun den Restart 2021 in Deutschland und der EU. Vielleicht eine passende Zeit für solch eine Mammutaufgabe. Die andere Traditionsmarke, Borgward, dümpelt seit zwei Jahren vor sich hin und sucht Käufer. Wie? Das fragen wir uns auch. MG gehört zu SAIC. Ein Konzern, der seit Jahrzehnten in China mit VW Geschäfte macht und dort auch der größte Automobilhersteller ist. Weltweit liegt SAIC auf Platz sieben und produziert neben Autos auch Nutzfahrzeuge und Mopeds. Und bietet diese teils bereits in Deutschland an. Maxus ist beispielsweise eine Marke, die Elektro-Transporter zuletzt über die Maske Fleet GmbH anbot und dies nun auf eigenen Wegen versucht.

Und jetzt kommt eben MG "zurück" – zumindest nach Deutschland. Denn auf der Insel, die nicht mehr zur EU gehört, gibt es den Kleinwagen MG 3 bereits seit fast einem Jahrzehnt. Ergänzt wurde das UK-Portfolio Ende 2020 um den Kombi Namens MG 5 EV. Ein Elektro-Kombi im Format eines klassischen Kompaktwagens zum Preis von gut 32.000 Euro (brutto). Das neue Modell ZS, das nun auch in Deutschland erhältlich ist, ist – wie soll es anders sein – ein SUV. Mit einer Größe von knapp über 4,30 Meter aber ein sozialverträgliches. Der E-Antrieb soll das untermauern. Doch dazu später mehr.

Optisch wirkt der MG ZS EV, wie das SUV vollständig heißt, durchaus adrett und gefällig. Ein typisches SUV eben. Kaum Ecken und Kanten, an denen man sich stören könnte. So sind auch Lackierung und Verarbeitung durchaus gut. Und das zu einem Preis von rund 20.000 Euro, inklusive Förderung. Somit liegt der Listenpreis dennoch bei rund 30.000 Euro (brutto). Dafür erhält man ein geräumiges Elektro-SUV mit 143 PS Leistung und 353 Newtonmetern Drehmoment, das bei 140 km/h in den Begrenzer fährt. Macht nichts, wirklich schneller fahren E-Mobilisten eh höchstens auf der Kurzdistanz. Ein Metier, das dem MG ZS eigentlich besonders liegen sollte. Denn die Normreichweite von rund 260 Kilometern ist nicht sonderlich üppig geraten, was eben auch den Preis relativiert. Denn noch immer ist der Akku das teuerste Bauteil. Und je größer der ist, desto teurer ist ein E-Auto. 45-kWh speichert die Batterie im MG, ein paar weniger als beispielsweise im Peugeot e-208 oder im Opel e-Corsa.


Fahrbericht MG ZS EV

Bildergalerie

Gut 20 kWh auf 100 Kilometer

Da sich der Verbrauch bei unseren Testfahrten irgendwo bei gut 20 kWh einpendelt, ergibt sich ein realer Aktionsradius von rund 200 Kilometern, ohne selbst im Winter Schweißausbrüche zu bekommen. Im Schubbetrieb summt der E-Antrieb etwas auffällig, aber nicht störend. Ansonsten gibt es keinerlei Beanstandungen – wie bei fast allen Elektromotoren eben auch. Der Drehregler zum Wechseln zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang sowie Arretieren der Parkposition liegt gut in der Hand. Dahinter befinden sich die Tasten für die elektrische Feststellbremse und davor die für die drei Fahrmodi (Eco, Normal, Sport) sowie die Rekuperation, wie beim Formel-1-Auto "KERS" getauft. Kinetic Energy Recovery System heißt KERS ausgeschrieben und der Hebel verstellt schlicht die Intensität der Rekuperations-Bremswirkung beim "Vom-Gas-Gehen". Nebendran befindet sich dann noch der "Battery"-Hebel, der lediglich die Anzeige des Infoscreens mit Daten bespielt, die auch über das Display selbst abgerufen werden können.

Ziemlich simpel ist auch die Bedienung der manuellen Klimaanlage. Eine Klimaautomatik gibt es nicht. Ungewöhnlich bei einem E-Auto. Noch eine Etage höher geht es an die Tasten des Infotainmentsystems. Klar aufgebaut macht es dennoch nicht so ganz das, was man erwartet. Auch die Inhalte hinter dem Touchscreen müssen verstanden werden. Irgendwann klappt das sicherlich. Schade, dass das System sehr träge reagiert und die Darstellung eher an Pac-Man als an 2021 erinnert. Zudem ist das Display nicht entspiegelt und je nach Lichteinfall ist auch mal nichts zu erkennen. Immerhin ist Apple-Car-Play und das Android-Pendant inklusive. Induktives Handyladen gibt es hingegen nicht. Dafür USB-Stecker, gut versteckt in der Ablage unter der Mittelkonsole.

Analog

So digital Elektromobilität in vielen Bereichen ist, so analog ist der Tacho des MG ZS. Die Tempoanzeige ist zudem ein "Flexer", wie die Jugend heute sagt: sie reicht bis 220 Sachen. Vielleicht ist ja mal eine Sportversion geplant. Der Bordcomputer in der Mitte ist nunmehr genau das: ein Bordcomputer. Die Infos reichen dennoch aus. Nervig ist Geschwindigkeitswarnung im Tacho, die andauernd nervös blinkt, auch wenn kein Tempolimit überschritten wird.

Gute Materialien an vielen Stellen, haptisch passt das. ACC wird über den unteren Lenkstockhebel logisch bedient.
© Foto: Michael Blumenstein/Autoflotte

Super gelöst ist die Bedienung des Tempomaten mit einem separaten Lenkstockhebel. Dadurch ist die Funktionsfülle auf dem Lenkrad abgespeckt. Leider lässt sich selbiges nicht in der Länge verstellen, was eine nicht ideale Sitzposition "begünstigt". In der Topversion Luxury gibt es Kunstledersitzbezüge, die sich gar nicht mal schlecht anfühlen. Stoff, wie beim Basismodell Comfort, ist uns dennoch lieber. Doch wohl auch bei diesen sind die Sitzflächen zu kurz. Beim Basismodell fehlen Annehmlichkeiten wie Sitzheizung, sechs Lautsprecher (hat nur vier), der Regensensor und das beim E-Auto durchaus sinnvolle Schiebedach. Lenkradheizung und die dritte Kopfstütze im Fond fehlen immer. Vor allem die fehlende Kopfstütze ist bei einem Auto, das beim Euro-NCAP 2019 fünf Sterne einfuhr, ungewöhnlich. Das wirft einmal mehr die Frage auf, wie realitätsnah die Crashnorm noch ist, die mittlerweile großen Wert (und damit Punkte) auf Assistenzsysteme legt. Davon hat der MG ZS EV einige an Bord – je nach Ausstattungsversion, denn Extras gibt es keine. Die Bremsen des Stromers greifen aktiv ins Geschehen ein (und das kräftig), wenngleich sie, wie die Lenkung, wenig Akkuratesse zeigen. Auf die 17-Zoll-Räder könnten wir verzichten, dann würde der Fahrkomfort nochmals besser, wenngleich er auch so ordentlich ist – auch für Hintensitzende. In den Kofferraum, der nicht hoch genug öffnet (sofern man die 1,80 Meter überschritten hat) passen etwa 450 Liter, ein guter Wert.

Nur wer abgesperrt hat, lädt

Kommen wir noch zum Laden. Mit 85 kW lädt der MG ZS mittels CCS ausreichend schnell, um auch mal eine Langstrecke zu meistern. Wer an einer AC-Ladesäule lädt, wie sie meist im Büro, zuhause in der Garage und innerstädtisch zu finden sind, muss jedoch das Auto stets abschließen. Bleibt der Wagen entsperrt, fließt kein Strom. Kurios und praxisfremd, vielleicht nur eine Programmiersache. Ebenso ist die Ladebuchse zwar gut im Frontgrill platziert. Beim fummeligen Öffnen selbiger wird sich aber der ein oder andere die Hand "aufschlitzen". Zudem muss man sich stets bücken, um den Anschluss treffsicher zu verbinden. In unserem Fall sehr gemächlich. 36 kWh haben wir an unserer 11-kW-Wallbox nach 10,5 Stunden geladen und landeten bei 96 Prozent Ladezustand. Ein schwacher Wert, Einphasen-Thematik sei Dank.

So gibt es beim MG ZS Licht und auch Schatten. Und es relativiert sich der augenscheinlich günstige Anschaffungspreis. Der Wagen hat Defizite, die sich ein europäischer Vertreter in diesem (Preis-) Segment nicht leisten könnte – und nicht leisten würde. Wenngleich dieser dann sicherlich noch geringfügig teurer wäre. Doch da beim MG nicht einmal das Image als Kaufargument dienen kann, ist der Wagen eher etwas für Individualisten die Platz für vier Personen in dieser Preisregion suchen. Obwohl: Da ist dann auch der VW ID.3 Pure am Start. Gleiche Leistung, gleiche Batteriegröße, gleiche Reichweite, gleicher Preis. Ja, weniger Ausstattung. Aber dafür nicht Made in China. Wo bleibt der Preisvorteil?


Was uns gefallen hat - und was nicht

+ Geräumig

+ Sauber verarbeitet

+ Gute ACC-Bedienung

– AC-Laden nur bei zugesperrtem Auto

– Tacho und BC antiquiert

– Infotainment aus dem Aftersales



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