Fahrbericht Xiaomi YU7: Elektrischer Ernstfall (nicht nur) für Tesla

19.01.2026 13:15 Uhr | Lesezeit: 7 min
Xiaomi YU7 HD
Nach der Premiere seines zweiten Elektroautos YU7 ist Smartphone-Riese Xiaomi gar vollends überrannt worden. Es "hagelte" 240.000 Bestellungen in nur drei Minuten.
© Foto: Xiaomi YU7 HD

Mit dem SU7 hat Xiaomi vor allem Aufmerksamkeit erregt. Doch das war nur das Vorspiel. Denn der YU7 hat als SUV viel mehr Breitenwirkung. Damit bringt der Smartphone-Gigant sogar Tesla in die Bredouille. Schließlich nimmt der YU7 keinen geringeren ins Visier, als das Model Y und mithin das meistverkaufte Elektroauto der Welt. 

Erfolg kann manchmal auch erdrückend sein. Denn nachdem Xiaomi vor Jahresfrist bereits unter den Vorbestellungen für den SU7 gestöhnt hat, ist der chinesische Smartphonegigant nach der Premiere seines zweiten Elektroautos YU7 im Sommer gar vollends überrannt worden. 240.000 Bestellungen in nur drei Minuten haben den Shooting Star unter Chinas Newcomern an die Grenze seiner Kapazität und gebracht und die Geduld der Kunden mit Lieferfristen von zwischenzeitlich über zwölf Monaten schwer auf die Probe gestellt. 

Doch sie hätten es wissen können. War ihr elektrischer Erstling als Gran Tourismo im Stil des Taycan zuallererst mal ein Prestige-Projekt, mit dem die Chinesen zwar viel Aufmerksamkeit erregt, wirtschaftlich aber nur in der elitären Porsche-Liga gewildert und trotzdem mehr als 200.000 Autos im kaum mehr als einem Jahr verkauft haben, zielt der SUV-Ableger des Flachmanns auf die Masse. Schließlich nimmt der YU7 keinen geringeren ins Visier, als das Model Y und mithin das meistverkaufte Elektroauto der Welt.  

Vorne Porsche, hinten Ferrari

Während man sich an dem US-Modell – Facelift hin, Juniper her – im Jahre sechs nach der Premiere allerdings so langsam sattgesehen hat, wirkt der ziemlich genau fünf Meter lange Chinese erfreulich frisch: Vorne Porsche Cayenne, im Profil Ferrari Purosangue und am Heck die Züge des Aston Martin DBX – zwar ist er damit nicht besonders eigenständig. Aber es gibt schlechtere Stilvorlagen als die europäische Sportwagen-Elite. Kein Wunder, dass dieses SUV für seine fünf Meter überraschend schnittig und filigran aussieht. 

Außen mag sich Xiaomi an der europäischen Elite orientiert haben, aber drinnen sieht der YU7 deshalb schwer nach Tesla aus. Genau wie die Amerikaner haben die Chinesen das Cockpit komplett leergeräumt und die Bedienung weitgehend auf den riesigen Touchscreen in der Mitte verlagert. Selbst die Verstellung von Spiegel und Lenkrad ist nur digital möglich. Auch die Instrumente für den Fahrer sind verschwunden, bis man sie plötzlich am unteren Rand der Frontscheibe wiederfindet, wo eine weitere Display-Leiste eingezogen hat. Hat uns das BMW nicht gerade erst als die große Innovation für die Neue Klasse verkauft?  

Mehr Kofferraum als der VW Tiguan

Vergleichen mit dem flachen ist SU7 ist der YU7 nicht nur das modernere, sondern naturgemäß auch das geräumigere Auto. Selbst seine von außen gedrungen wirkende Dachlinie ermöglicht innen ein luftiges Raumgefühl, zumal das gesamte Dach verglast ist. Die Sitzposition ist natürlich und bequem, bei drei Metern Radstand reicht es auch in der zweiten Reihe für reichlich Beinfreiheit und wo der Gran Turismo nur 454 Liter Kofferraum bietet, sind es hier 678. Die 141 Liter des Frunk im Bug nicht mitgerechnet. Zum Vergleich: Der aktuelle VW Tiguan hat 652 Liter. 

Aber die Platzverhältnisse sind nicht der einzige Unterschied. Die beiden Autos haben auch einen unterschiedlichen Charakter. Wo der SU7 gerne den Fighter gibt, ist der YU7 dem Wesen nach eher der Gleiter, der auf die Hinterbänkler mehr Rücksicht nimmt. Die Zweikammer-Luftfederung ist softer, die Lenkung weniger scharf und direkt. Und für ganz empfindliche Mitfahrer gibt es sogar ein Fahrprofil gegen Reisekrankheit. Dann bremst und beschleunigt der Riese sanfter, vermeidet Wankbewegungen und tilgt Vibrationen. 

Die "eiserne Faust im Samthandschuh"

Bis der Fahrer auch mal seinen Spaß haben will, den roten Knopf im Lenkrad drückt und das Auto für 20 Sekunden alle Muskeln anspannt. Dann fährt einem eine eiserne Faust im Samthandschuh in den Magen und es beamt einen formlich ans Ziel. Schließlich hat Xiaomi beim Antrieb im Vergleich zum SU7 nochmal nachgelegt. Schon das Basismodell fährt jetzt mit einem 320 PS-Motor an der Hinterachse, beschleunigt in 5,9 Sekunden auf Tempo 100 und bekommt Auslauf bis 240 km/h.  


Xiaomi SU7

Xiaomi SU7 Bildergalerie

Sein Akku hat eine Kapazität von 96,3 kWh und reicht für rekordverdächtige 835 Kilometer – wenn auch nur in der etwas laxeren China-Norm. Der YU7 pro hat zwei Motoren und dann 496 PS, so dass der Sprint nur noch 4,3 Sekunden dauert. Dafür schmilzt aber die Reichweite auf 770 Kilometer und im Flaggschiff YU7 Max kommen die beiden Magnetläufer auf solide 690 PS. Dann wird die Tempo-Anzeige schon nach 3,2 Sekunden dreistellig und die Elektronik zieht erst bei 253 km/h den Stecker.  

500 kW Ladeleistung

Zu den stärkeren Motoren gibt’s auch einen anderen Akku mit NCM statt LFP-Zellen. Der ist zwar mit 101,7 kWh kaum größer und ermöglicht deshalb auch nur 760 Norm-Kilometer, verkürzt aber die Ladezeiten nochmal dramatisch. Schließlich klettert die Ladeleistung damit auf deutlich über 500 kW. Statt ohnehin schon knapper 21 Minuten dauert es von 10 auf 80 Prozent bei ihm deshalb nur 12 Minuten und in 15 Minuten fließt der Strom für 620 Kilometer. Dagegen sieht selbst der neue BMW iX3, immerhin der deutsche Lademeister, schon wieder alt aus.

Diese Eckdaten sind an sich schon eindrucksvoll und lassen die westliche Konkurrenz seltsam blass wirken, egal ob aus den USA oder aus Deutschland. Und dann fällt der Blick auf den Preis und die Kinnlade gar vollends auf den Tisch. Denn mit umgerechnet 30.800 Euro ist das Einstiegsmodell des YU7 rund 20 Prozent billiger als ein Tesla Model Y und ein elektrischer Porsche Macan ist mehr als doppelt so teuer. Das ist für die westlichen Hersteller in China ein Riesenproblem, und könnte mittelfristig auch daheim die Geschäfte empfindlich stören.

Die Ingenieurswelt steht Spalier

Kein Wunder, dass nicht nur Tesla neugierig auf Xiaomi schaut, sondern auch die Ingenieure in Stuttgart, München, Ingolstadt oder Wolfsburg wissen wollen, was da auf sie zukommt. Ein bisschen Schonfrist bleibt ihnen dabei noch: Vor 2027, so hat es Firmenchef Lei Jun angekündigt, will Xiaomi den Weg in den Westen nicht antreten. Schließlich haben die Chinesen aktuell daheim noch genug zu tun. Aber die ersten 500.000 Autos sind mittlerweile gebaut und die Lieferfristen gehen so langsam wieder zurück. Lange wird der elektrische Ernstfall deshalb womöglich nicht mehr auf sich warten lassen.

Kurzcharakteristik: 

  • Warum: weil er so viel mehr kann und so viel weniger kostet als Macan, Q6 & Co 
  • Warum nicht: weil es ihn nur in China gibt  
  • Was sonst: Die üblichen Verdächtigen  
  • Wann kommt er: zu uns frühestens 2027 

Xiaomi YU7 – Technische Daten:

  • Viertüriges, fünfsitziges SUV;
  • Länge: 5,00 Meter,
  • Breite: 1,97 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k.A.),
  • Höhe: 1,61 Meter,
  • Radstand: 3,00 Meter,
  • Kofferraumvolumen: 678 Liter,
  • Frunk 141 Liter 

YU7: 

  • Elektroantrieb
  • Leistung 235 kW/320 PS
  • 528 Nm
  • Heckantrieb
  • Automatikgetriebe
  • Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit 96,3 kWh
  • max. DC-Ladeleistung 330 kW
  • Ladezeit 10 – 80 % in 21 min
  • max. Reichweite 835 Kilometer (CLTC)
  • 0-100 km/h: 5,9 s
  • Vmax: 240 km/h
  • Preis: 30.800 Euro in China 

YU7 Pro: 

  • Elektroantrieb
  • Leistung 365 kW/496 PS
  • 690 Nm
  • Allradantrieb
  • Automatikgetriebe
  • Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit 96,3 kWh
  • max. DC-Ladeleistung 330 kW
  • Ladezeit 10 – 80 % in 21 min
  • max. Reichweite 770 Kilometer (CLTC)
  • 0-100 km/h: 4,3 s
  • Vmax: 240 km/h
  • Preis: 34.100 Euro in China 

YU7 Max: 

  • Elektroantrieb
  • Leistung 508 kW/690 PS
  • 866 Nm
  • Allradantrieb
  • Automatikgetriebe
  • Ternary Lithium -Batterie mit 101,7 kWh
  • max. DC-Ladeleistung 528 kW
  • Ladezeit 10 – 80 % in 12 min
  • max. Reichweite 760 Kilometer (CLTC)
  • 0-100 km/h: 3,2 s
  • Vmax: 253 km/h
  • Preis: 40200 Euro in China 



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