Chinesische Elektroautos spielen auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt bislang eine Nebenrolle. Doch das Interesse nimmt deutlich zu: Seit Jahresbeginn 2026 ist die Nachfrage nach gebrauchten E-Autos chinesischer Hersteller auf der Online-Börse Mobile.de um 59,9 Prozent gestiegen.
Ein entscheidender Faktor dürfte der Preis sein. Im August waren gebrauchte China-Stromer dort im Schnitt rund 24 Prozent günstiger als vergleichbare europäische Modelle, wie die aktuelle Ausgabe des "m.Q Market Intelligence & Insights" von Mobile.de zeigt. Demnach lag der Anteil chinesischer Elektroautos am Gesamtmarkt im August bei vier Prozent. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 2,2 Prozent.
Der Preis bleibt die größte Hürde
Wie wichtig die Kosten beim Wechsel zur Elektromobilität sind, verdeutlicht eine begleitende Befragung: Für 55,4 Prozent sind die Anschaffungskosten der Hauptgrund, sich gegen ein Elektroauto zu entscheiden. Gleichzeitig können sich 35,9 Prozent grundsätzlich vorstellen, ein Modell eines chinesischen Herstellers zu kaufen.
Noch stärker wirkt der Preis, wenn der Abstand zur europäischen Konkurrenz groß genug ist: 29,8 Prozent würden ein chinesisches Modell in Betracht ziehen, wenn es mindestens 20 Prozent günstiger als ein vergleichbares europäisches Fahrzeug wäre.
"Für viele Menschen ist der Preis der Türöffner zum Elektroauto", sagte Florian Baur, Chief Sales Officer (CSO) bei Mobile.de, am Donnerstag. "Chinesische Modelle bieten nicht nur einen günstigen Einstieg, sondern punkten meistens auch mit innovativer Ausstattung. Damit gewinnen sie sichtbar an Aufmerksamkeit."
China überzeugt bei Preis und Innovation
Auch bei der Wahrnehmung der Hersteller zeigen sich Unterschiede. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis sehen 42,8 Prozent der Befragten chinesische Marken vorn. In Sachen Innovation sind es 41,5 Prozent. Bei Qualität, Sicherheit und Wertstabilität genießen dagegen europäische Autobauer weiterhin größeres Vertrauen.
Auf Modellebene nennt der Mobile.de-Report unter anderem den MG4, der durchschnittlich für 24.302 Euro angeboten wird. Beim BYD Seal sind es 38.587 Euro und beim BYD Atto 3 im Mittel 33.822 Euro. Der MG ZS kommt auf durchschnittlich 18.092 Euro, der GWM Ora 07 auf 33.230 Euro.
Restwerte: Nach drei Jahren öffnet sich die Schere
Der günstigere Einstieg hat allerdings eine Kehrseite. Beim Werterhalt entwickeln sich chinesische und europäische Elektroautos nach einem Jahr laut Mobile.de noch ähnlich. Mit zunehmendem Fahrzeugalter wächst jedoch der Abstand.
Nach zwei Jahren liegen chinesische Elektroautos durchschnittlich 21,4 Prozent unter ihrem Neupreisniveau, europäische Modelle 18,4 Prozent. Nach drei Jahren vergrößert sich die Differenz: China-Modelle haben dann im Durchschnitt 42,9 Prozent gegenüber dem Neupreis verloren, europäische Fahrzeuge 36,2 Prozent.
Chance für Händler: GW-Portfolio gezielt ergänzen
Für Käufer können gerade diese Abschläge den Einstieg in die Elektromobilität günstiger machen. "Für Händler bietet die Entwicklung die Möglichkeit, zusätzliche Zielgruppen wie preisbewusste Kundinnen und Kunden anzusprechen und das eigene Portfolio gezielt zu ergänzen. Entscheidend ist dabei, Nachfrage, Angebot, Preisentwicklung und Abverkauf auf Modellebene zu betrachten", so Baur.