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Kfz-Gewerbe: "Diesel nicht länger zum Sündenbock machen"

Kfz-Gewerbe
"Diesel nicht länger zum Sündenbock machen"
Dieselfahrverbotszone in Stuttgart
© Foto: picture alliance/Bernd Weißbrod/dpa

Aktuelle Messungen in Corona-Zeiten legen nahe, dass der deutlich gesunkene Verkehr nicht zu entsprechend rückläufigen Schadstoffwerten in Städten führt. Der ZDK sieht den Diesel damit rehabilitiert.

Das Deutsche Kfz-Gewerbe (ZDK) macht sich weiter für den modernen Dieselmotor stark. "Wir brauchen die schadstoffarmen Diesel mehr denn je, um die strengen CO2-Ziele zu erreichen", sagte Verbandspräsident Jürgen Karpinski. Die Verjüngung des Fahrzeugbestands diene auch dem Umweltschutz.

Karpinski verwies in seinen Ausführungen auf aktuelle Messergebnisse aus Stuttgart. Dort hatte sich gezeigt, dass der deutlich gesunkene Verkehr infolge der Corona-Krise nicht zu entsprechend rückläufigen NO2- und Feinstaubwerten führt. Mehrere Medien hatten in den vergangenen Tagen darüber berichtet, unter anderem "Focus Online".

"Wenn Stickoxid-Messwerte an verschiedenen bekannten Hotspots trotz des seit Wochen deutlich reduzierten Verkehrsaufkommens nicht dauerhaft zurückgehen, kann der Diesel dafür nicht länger zum Sündenbock gemacht werden", erklärte der Branchenvertreter. Es zeige sich, dass auch andere Faktoren, wie zum Beispiel die Wetterbedingungen sowie andere Emittenten, Einfluss auf die NOx-Konzentration nehmen würden. Vor diesem Hintergrund seien Diesel-Fahrverbote unverhältnismäßig, betonte Karpinski.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte bereits in seiner Entscheidung vom 27. Februar 2018 in Sachen Fahrverbote darauf hingewiesen, dass diese nur dann tatsächlich angeordnet werden dürften, wenn die Prüfung ergebe, "dass sich Verkehrsverbote für Diesel-Kraftfahrzeuge als die einzig geeigneten Maßnahmen zur schnellstmöglichen Einhaltung überschrittener NOx-Grenzwerte darstellen und sich diese Maßnahmen als verhältnismäßig darstellen".

Karpinski nahm sich in diesem Zusammenhang auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und deren Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch zur Brust. Nun zeige sich, dass der Kreuzzug der DUH gegen den Diesel der Umwelt nichts gebracht habe. "Es wurden aber Millionen von Dieselbesitzern und Tausende von Autohändlern in Verzweiflung gestürzt, deren Dieselfahrzeuge massiv an Wert verloren und die auf ihrem Schaden sitzenblieben. Herr Resch mag darauf auch noch stolz sein. In Wirklichkeit hat er den letzten Rest an Glaubwürdigkeit und Legitimation für sein Handeln verloren", kritisierte der ZDK-Präsident. (rp)

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Ein Kommetar von Branchenanwalt Prof. Dr. Christian Genzow

Ist der Diesel doch nicht schuld: Ein Corona Ergebnis

Der Abmahnverein Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat mit großem Getöse und genauso großem Eigeninteresse die Schuld an den hohen Stickoxidwerten ausschließlich den Dieselfahrzeugen zugewiesen und damit unter anderem Fahrverbote erreicht. Aufgrund Corona hat sich der Autoverkehr nahezu halbiert (55 Prozent) – aber keineswegs die Stickoxidwerte an den einzelnen Messstationen in Deutschland, deren Ergebnisse auf der Internetseite des Umweltbundesamts einsehbar sind.

Ganz im Gegenteil: Die Stickoxidwerte haben sich nicht etwa auch halbiert, sondern weisen an einzelnen Messstellen gleich hohe oder sogar höhere Messwerte als vor dem Shutdown aus. Es ist daher davon auszugehen, dass offenbar andere Faktoren mitbestimmend für den jeweiligen Stickoxidwert sind – und der Dieselmotor keineswegs der Übeltäter schlechthin ist.

Man hat es sich offenbar – vor allem bei der Umwelthilfe – zu leicht gemacht, die Ursache ausschließlich beim Diesel zu suchen. Es versteht sich von selbst, dass DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch, der sich so gerne in den Medien zeigt und den Dieselmotor in jeder Hinsicht verteufelt, in Argumentationsnot gerät. Aber er hat schon den Mitschuldigen gefunden: die Wetterlage! Deswegen sind für ihn die im Vergleich zum geringen Verkehr hohen Stickoxidwerte "logisch" – aber tatsächlich nichts anderes als eine Ausrede. Dumm ist nur, dass man das Wetter nicht verklagen kann…

Die Verteufelung des Dieselmotors hat einen nicht wiedergutzumachenden Schaden angerichtet: für die Automobilhersteller und ihre Vertragshändler, aber letztlich auch für die Verbraucher, deren Fahrzeuge eine Abwertung erfahren haben – ganz zu schweigen von dem Imageschaden für das Produkt Dieselmotor selbst. Genau deswegen ist nun an der Zeit, in eine vollständig neue und sorgfältige Sachprüfung einzusteigen – und zwar fernab von einer Einflussnahme durch die DUH und eines Herrn Resch.

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