"Sichere Mobilität ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Prävention, Aufklärung, sicherer Verkehrsinfrastruktur und entsprechender Gesetzgebung." Mit dieser Überzeugung rückte der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) dieses Thema beim Tag der Verkehrssicherheit am 20. Juni in den Fokus. Zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen von Polizei, Verkehrswachten, Schulen, Kommunen und weiteren Organisationen warben für mehr Aufmerksamkeit und Sicherheit im Straßenverkehr. Der Automobilclub KS e.V., Deutschlands zweitgrößter Automobilclub, machte auf seinen eigenen Social-Media-Kanälen ebenfalls auf die Kampagne aufmerksam.
Unter dem Motto "Zwei Räder, ein Ziel: Null Unfälle" stand schwerpunktmäßig die Sicherheit von Motorradfahrer:innen im Mittelpunkt. Der jährliche Aktionstag, der 2005 vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) initiiert wurde, fand bundesweit am vorletzten Samstag statt. Mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen machten Polizeibehörden, Verkehrswachten, Schulen und Kommunen auf die Bedeutung sicherer Mobilität aufmerksam.
513 Biker-Tote
Dass für Bikerinnen und Biker bei gleichzeitig erheblichen Fortschritten bei der Verkehrssicherheit für Pkw-, Lkw- und Bus-Insassen großer Handlungsbedarf besteht und eine stärkere Sensibilisierung in der Bevölkerung notwendig ist, zeigen die Unfallzahlen. Im Jahr 2024 sei jeder fünfte im Straßenverkehr getötete Mensch mit einem Motorrad unterwegs gewesen, so der DVR. Bezogen auf die Fahrleistung trügen Motorradfahrende demnach ein rund 25-fach höheres Risiko, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen als Pkw-Insassen. Nach Angaben des DVR verunglückten insgesamt 27.934 Motorradfahrende im Jahr 2024; 513 von ihnen kamen dabei zu Tode.
Respekt vor vulnerablen Verkehrsteilnehmern
"Hinter jeder Unfallstatistik stehen Menschen, Familien und persönliche Schicksale. Die Vision Zero – also die Präventionsstrategie, die darauf abzielt, Unfälle, schwere Verletzungen und tödliche Vorfälle vollständig zu vermeiden – erinnert uns daran, dass schwere Verkehrsunfälle nicht als unvermeidbar hingenommen werden dürfen. Gerade Motorradfahrerinnen und -fahrer zählen zu den besonders vulnerablen Verkehrsteilnehmern. Mehr Aufmerksamkeit, Respekt und Verantwortungsbewusstsein im Straßenverkehr können entscheidend dazu beitragen, Leben zu schützen. Entsprechend wichtig ist es auch, die Menschen dafür immer wieder zu sensibilisieren. Aus diesem Grund beteiligte sich der Automobilclub KS e.V. in diesem Jahr auch am Aktionstag und machte auf mehr Verkehrssicherheit aufmerksam“, erläutert Isabella Finsterwalder, Pressesprecherin des Automobilclub KS e.V., der eines der Gründungsmitglieder des DVR ist.
Technische Maßnahmen für weniger Motorradunfälle
"Sicherheit darf kein Privileg der Mehrheit im Auto sein – sie ist ein Grundrecht aller Verkehrsteilnehmenden, unabhängig davon, auf wie vielen Rädern sie unterwegs sind“, sagt DVR Präsident Manfred Wirsch. "Neben Rücksicht und Vorsicht der Verkehrsteilnehmenden brauchen wir aber auch entschlossenes politisches Handeln." Der DVR fordert die Umsetzung einer Reihe von technischen Maßnahmen, um die Zahl der Motorradunfälle zu reduzieren. So solle sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene für den verpflichtenden Einbau des automatischen Notrufsystems eCall auch für Motorräder einsetzen. Bereits seit 2018 ist dieses für alle neu typengeprüften Pkw und leichten Nutzfahrzeuge EU-weit Pflicht. Zudem spricht sich der DVR für die Einführung verbindlicher europäischer und nationaler Ausrüstungsvorschriften aus, wie es sie für Pkw, Lkw oder Busse bereits gibt. Dazu zählen moderne Assistenzsysteme wie das Kurven-Antiblockiersystem, die nachweislich die Verkehrssicherheit erhöhen.
Um die Wahrnehmbarkeit von Motorrädern für andere Verkehrsteilnehmende zu erhöhen, sollten Motorräder zudem in die digitale Vernetzung von Fahrzeugen und Infrastruktur einbezogen werden.
Straßeninfrastruktur verbessern
Neben technischen Maßnahmen lässt sich auch die Straßeninfrastruktur gezielt verbessern, um Unfälle mit Motorrädern zu vermeiden. Dazu zählen beispielsweise gut erkennbare Kurvenverläufe, hindernisfreie Seitenräume, Schutzplanken mit Unterfahrschutz sowie griffige und gut instand gehaltene Fahrbahnen. Zudem sollten besonders unfallauffällige Straßenabschnitte laut DVR durch Unfallanalysen und Sicherheitsaudits analysiert und gezielt verbessert werden. Darüber hinaus wäre es nach Ansicht des DVR auch sinnvoll, die ellipsenförmigen Fahrbahnmarkierungen für Motorradfahrer:innen, die in Nordrhein-Westfalen erfolgreich getestet wurden, an ausgewählten Gefahrenstellen verkehrsrechtlich in ganz Deutschland zu ermöglichen.