Licht, Bremsen und Fahrwerksfedern: Das sind die häufigsten HU-Mängel

16.02.2026 05:21 Uhr | Lesezeit: 6 min
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Erreichter Untermaß-Grenzwert, unzureichendes Tragbild und leichte Rissbildungen der Bremsscheibe sowie ein weitgehend bereits verschlissener Bremsbelag: Bei der Hauptuntersuchung gilt dies als schwerer Mangel und führt zur Verweigerung der Plakette.
© Foto: Walter K. Pfauntsch

Eine Sonderauswertung des TÜV‑Reports 2026 macht deutlich: Mehr als jedes fünfte Auto fällt wegen schwerer oder gefährlicher Mängel durch die Hauptuntersuchung (HU) – besonders häufig geschieht dies wegen defekter Beleuchtung, Bremsen und Fahrwerksfedern.

Ausgefallenes Abblendlicht, verschlissene Bremsscheiben oder gebrochene Federn: Das sind einige der häufigsten Mängel, die von den TÜV-Sachverständigen bei der Hauptuntersuchung (HU) beanstandet werden. Eine aktuelle Sonderauswertung des "TÜV-Report 2026" zeigt, wo die Schwachstellen vieler Pkw liegen. Dafür hat der TÜV-Verband rund 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen vertieft ausgewertet.

21,5 % HU-Durchfaller

"Je älter das Fahrzeug ist und je mehr Bauteile auffällig sind, desto sinnvoller ist ein professioneller Checkup in einer Fachwerkstatt", sagt Frank Schneider, Referent für Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband. In der Sonderauswertung werden "erhebliche" und "gefährliche Mängel" betrachtet, bei denen es keine Plakette gibt und innerhalb von vier Wochen das reparierte Fahrzeug bei der Prüfstelle erneut vorgeführt werden muss. Das war im Berichtszeitraum des TÜV-Reports 2026 bei 21,5 Prozent der untersuchten Fahrzeuge der Fall.

HU-Top-Mangel Scheinwerfer

Die mit Abstand meisten Mängel betreffen das Abblendlicht. "Häufig funktionieren Scheinwerfer gar nicht oder sie sind falsch eingestellt", sagt Schneider. Die Folge: Fahrzeuge werden im Straßenverkehr in kritischen Situationen übersehen oder zu spät erkannt. Oder es werden andere Verkehrsteilnehmer gefährlich geblendet.

Zentraler Sicherheitsfaktor Bremsanlage

Die weiteren drei häufigsten Mängel betreffen die Bremsanlage. "Verschlissene, riefige oder stark korrodierte Bremsscheiben sind häufig der Grund für einen erheblichen Mangel bei der HU", so Schneider. Technischer "Gegenpol" der Scheiben sind die Bremsbeläge. Diese können unter anderem gebrochen, lose oder verölt sein. Auch eine unsachgemäße Montage oder eine falsche Größe führen zum Nichtbestehen. Besonders gefährlich sind undichte, beschädigte oder stark korrodierte Bremsleitungen. Ein Verlust von Bremsflüssigkeit kann im schlimmsten Fall zu einem Totalausfall der Bremsen führen, weshalb auch auf Füllmenge und Alter der Charge geachtet werden sollte.

Fahrwerksfedern und Dämpfer oft "übersehen"

Auf Platz fünf der Mängelliste liegen gebrochene, verschlissene oder falsch montierte Fahrwerksfedern. Sie sorgen für Stabilität und Komfort beim Fahren. Technisch eng verknüpft mit den Federn sind die Schwingungsdämpfer (Stoßdämpfer). Ihre Funktion besteht darin, die Schwingungen der Federn zu kontrollieren und zu reduzieren. Sie können beschädigt, korrodiert oder undicht sein, was (bei Öldruckdämpfern) zu austretendem Öl führt. "Defekte Federn und Dämpfer sind gefährlich, weil sie die Fahrstabilität beeinträchtigen. In Kurven kann das Fahrzeug schlechter kontrolliert werden und der Bremsweg verlängert sich um bis zu 20 Prozent", sagt Schneider. "Worstcase ist ein Federbruch während der Fahrt, der das Fahrzeug sofort manövrierunfähig macht."

Mängel an den Reifen

Ein häufiger Kritikpunkt bei der HU sind auch die Reifen (Platz sechs). Zur Mängelliste gehören Beulen, Alterungsrisse, Beschädigungen durch Fremdkörper oder eine zu geringe Profiltiefe. Nicht selten fahren Fahrzeugbesitzer auch mit unzulässigen Reifengrößen oder einer Mischbereifung vor. Die TÜV-Sachverständigen empfehlen mindestens 4 Millimeter, obwohl gesetzlich nur 1,6 Millimeter vorgeschrieben sind. Das Reifengummi wird mit der Zeit spröde und verliert an Elastizität. Reifen sollten deshalb spätestens nach sechs bis acht Jahren ersetzt werden, lautet die Empfehlung.

Problem-Ranking im Überblick

Die zehn häufigsten Mängel bei der HU mit Rang, Bauteil und Mängeldetails (Auswahl) in der Übersicht sind:

1. Abblendlicht: ohne Funktion, (LED-)Lichtquelle mangelhaft oder unzulässig, Mehrfach-/LED-Lichtquellen mehr als 1/3 ohne Funktion, unzulässig verdeckt, Einstellung (wesentlich) zu hoch oder zu niedrig, Leuchtwirkung zu gering, Einstellung zu weit nach links oder rechts.

2. Bremsscheibe: Tragbild mangelhaft, mit Riefenbildung, korrosionsgeschwächt, angerissen, hat Seitenschlag, verschlissen, verölt, Abschirmblech fehlt / erheblich beschädigt.

3. Bremsbelag: unsachgemäß montiert, gebrochen, Größe falsch, verschlissen, lose, verölt.

4. Bremsleitung: unsachgemäß repariert, Druckluftbremsanlage undicht, Befestigung mangelhaft, beschädigt, undicht, korrosionsgeschwächt oder korrodiert, gequetscht, unsachgemäß verlegt.

5. Fahrwerksfeder: Gebrochen, übermäßiger Verschleiß, unzulässig verändert oder montiert, Vorspannung unzureichend.

6. Reifen: beschädigt, Alterungsrisse, Riss- / Schnittverletzung, Gewebebruch / Ausbeulung, drucklos, Freigängigkeit nicht ausreichend, beschädigt durch Nagel, Schraube oder andere Fremdkörper, Größe unzulässig, Profiltiefe zu gering, einseitig abgefahren, Mischbereifung unzulässig.

7. Fahrtrichtungsanzeiger: Feuchtigkeitseintritt, (LED-)Lichtquelle mangelhaft, Mehrfach-/LED-Lichtquellen mehr als 1/3 ohne Funktion, Befestigung mangelhaft, FRA ohne Funktion/ fehlt/ beschädigt, Farbe unzulässig, verblasst, Farbbeschichtung der Lichtquelle abgelöst, Massefehler.

8. Umweltbelastung Motor: undicht - Ölverlust mit Abtropfen.

9. Schweller: unsachgemäß repariert, beschädigt, korrosionsgeschwächt, durchgerostet.

10. Schwingungsdämpfer: Anschlaggummi / Zusatzfeder beschädigt oder fehlt, Befestigung mangelhaft, undicht, Lagerung ausgeschlagen, Wirkung unzureichend oder stark ungleich, Kolbenstange korrosionsgeschwächt.

Untersuchungs-Methodik

Für den TÜV-Report 2026 hat die Redaktion 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen von Pkw ausgewertet, die von den TÜV-Prüfstellen in der Zeit vom 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025 durchgeführt wurden. Untersucht wurden 216 verschiedene Fahrzeugtypen, darunter 18 reine Elektrofahrzeuge.

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