2009 wurden nahezu 190.000 Menschen wegen Straftaten im Straßenverkehr verurteilt. Das sind rund 22 Prozent aller in Deutschland begangenen und strafrechtlich relevanten Delikte. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die der Auto Club Europa (ACE) Ende Januar veröffentlicht hat. Demnach ist erstmals seit 2005 die Zahl der Delikte wieder gestiegen. Bei seiner Erhebung stützt sich der Klub auf Angaben des Statistischen Bundesamtes. 71 von 295 Sündern kommen auch vor den Richter 85 Prozent aller geahndeten Vergehen im Straßenverkehr hätten sich Männer zuschulden kommen lassen. Überproportional hoch sei dabei der Anteil verurteilter junger Verkehrsteilnehmer zwischen 21 und 25 Jahren. Einer der vor Gericht am häufigsten verhandelten Tatbestände ist, so die Studie weiter, immer noch Alkohol am Steuer mit 54 Prozent. Fast jede vierte Trunkenheitsfahrt endete letztlich sogar mit einem Unfall. Aber nicht alle angezeigten Verkehrsverstöße hätten auch Folgen. Von 295 polizeilich bekannt gewordenen Straftaten würden am Ende insgesamt nur 71 Sünder vom Gericht verurteilt oder auf andere Weise zur Rechenschaft gezogen – beispielsweise in Form eines behördlich auferlegten Bußgeldes. Saarland ein "Täterland"? Groß sind ferner die regionalen Unterschiede bei der Strafverfolgung: Während 2009 bundesweit durchschnittlich 289 Verkehrsteilnehmer pro 100.000 strafmündiger Einwohner wegen im Straßenverkehr begangener Straftaten verurteilt wurden, lag die abgeurteilte Quote im Saarland sogar bei 367; das sind 60 Prozent mehr Verurteilungen in Verkehrsstrafsachen, als sie vergleichsweise im Norden Deutschlands ausgesprochen wurden. Aufgrund bereits früher festgestellter negativer Auffälligkeiten sei das Saarland auf dem Gebiet der Verkehrssicherheit vom ACE auf einen "Problemindex" gesetzt worden. Deutlich über dem Mittelwert liegen der Studie zufolge auch Rheinland-Pfalz (342), Baden-Württemberg (340) und Brandenburg (334). Mecklenburg-Vorpommern brachte es sogar auf 357 Verurteilungen in Verkehrsstrafsachen und nimmt damit nach dem Saarland Rang 2 ein. Demgegenüber seien in Schleswig-Holstein lediglich 224 Verurteilungen ausgesprochen worden. Deutlich unter dem gesamtdeutschen Mittelwert liege mit 231 Verurteilten auch der Stadtstaat Bremen. Staatsanwälte haben ebenfalls statistischen Einfluss Nach Einschätzungen des Klubs können für die Unterschiede zwischen den Bundesländern aber nicht zwangsläufig eine mutmaßlich höhere Gesetzestreue norddeutscher Verkehrsteilnehmer ins Feld geführt werden. Die Berliner Verkehrsrechtsexpertin und ACE-Vertrauensanwältin Gesine Reisert sagte in diesem Zusammenhang: "Es mag sein, dass auch regional unterschiedlich ausgeprägtes Verhalten eine Rolle spielen kann. Vielleicht sind in Bremen einfach weniger Menschen mit Fahrzeugen als im Saarland unterwegs." Wahrscheinlicher aber sei, dass seitens der Polizei weniger kontrolliert werde. Auch die Amtsanwaltschaft spiele eine wichtige Rolle, da diese ein Verfahren erst einmal einleiten müsse. Reisert könne sich zudem vorstellen, dass Richter in Stadtstaaten wie Berlin, Hamburg und ähnlichen Großstädten eine härtere Gangart an den Tag legten, "so weit es sich um ein Fahrverbot oder den Entzug der Fahrerlaubnis handelt". Der Mann als Täter und häufiger(er) Unfallverursacher Dass etwa sechsmal so viele Männer wie Frauen wegen Straftatdelikten im Straßenverkehr verurteilt worden sind, erklärt die Expertin damit, dass Männer auch in anderen Lebensbereichen generell häufiger straffällig würden. Reisert: "Überdies gilt wohl als statistisch erwiesen und durch die Kraftfahrzeugversicherer durch niedrigere Tarife entsprechend bedacht, dass Frauen deutlich weniger Unfälle verursachen." (ses)
Studie: Mehr als jede fünfte Straftat wird im Straßenverkehr begangen

Eine neue Studie des Auto Club Europa (ACE) belegt, dass die Zahl der Delikte im Straßenverkehr seit 2005 wieder gestiegen ist. Demnach würden 22 Prozent aller Straftaten in Deutschland im Straßenverkehr begangen. Außerdem: Bei der Verfolgung von Gesetzwidrigkeiten gäbe je nach Bundesland deutliche Unterschiede.