Als die Geschichte der EUROGARANT AutoService AG und damit auch die persönliche Karriere von Thorsten Fiedler begann, war an Digitalisierung, elektronische Akten, Schadenerfassung per Handy-App oder numinos noch nicht zu denken. Die Abwicklung von Unfallschäden war kurz nach der Jahrtausendwende noch mehr richtiges Handwerk und dennoch, so erinnert sich der langjährige Vorstandsvorsitzende der AG, der den deutschen Markt entscheidend mitgeprägt hat, gab es wichtige Parallelen zu heute.
Die AG passt in keine Schublade
AH: Herr Fiedler, zurückblickend auf die Anfänge der EUROGARANT bis heute: Was waren die größten Meilensteine, die Sie zusammen mit Ihren Vorstandskollegen, den Mitarbeitern und Werkstätten gemeinsam gestalten durften?
T. Fiedler: Es war tatsächlich ein langer und vor allem spannender Weg. Der Beginn zeigte sich wie eine Fahrt mit dem Planwagen durch die noch holprigen und unerforschten Gebiete des Schadenmanagements. Als die ersten großen Flotten sich damals noch per Handschlag für die Betreuung durch uns und unsere Betriebe entschieden haben, war dies schon ein erster Meilenstein. Unser Werbeprospekt hatte die Maße DIN A3, verbunden mit der Kernaussage: "EUROGARANT AutoService AG – unser Konzept passt in keine Schublade". Das hat sich im Nachgang auch bewahrheitet, was gut daran festzumachen ist, dass einige unserer Marktbegleiter unser Konzept als so brillant empfunden haben, dass sie es, ohne viel zu verändern, direkt übernommen haben.
Danach folgten viele weitere Big Points, die in der Fülle möglicherweise die Kapazitäten dieses Berichts sprengen würden. Zwei Punkte möchte ich dabei aber besonders herausstellen: In den Bereichen Zentraleinkauf, Fahrzeuge und Schadenmanagement schafften wir es vom Start bis zum heutigen Tage, jeweils den Umsatz des Vorjahres zu übertreffen. Das hat einen besonderen Charme, da wir ja im Gegensatz zum restlichen Markt nicht angetreten sind, um Gewinne zu generieren, sondern um unseren Betrieben einen deutlichen geldwerten Vorteil zu verschaffen. Als Zweites ist der Kauf unserer Immobilie in Friedberg zu nennen, das war wohl der größte Meilenstein der Firmenhistorie. Unser Verband, der ZKF, und wir haben hier ein Zuhause für die gesamte Branche geschaffen: das „Deutsche Kompetenzzentrum der Karosserie- und Fahrzeugbauer“.
Kontinuität bei Herausforderungen
AH: Was hat sich im letzten Vierteljahrhundert am meisten verändert und wo sind die Konstanten sowohl im Unternehmen EUROGARANT, aber auch in Sachen Unfallschadenabwicklung, wenn Sie an Autofahrer, Werkstätten und Auftraggeber denken?
T. Fiedler: Die Zeit ist schnelllebiger geworden. Früher fand der gegenseitige Austausch in allen Bereichen noch per Faxgerät statt und bei einer Unstimmigkeit gab es keine großen Verteiler, die in solche Sachverhalte eingebunden waren. Durch das Medium E-Mail hat sich die Welt beschleunigt und man bekommt den Eindruck, dass es beim Versender schon Stress erzeugt, wenn die Nachricht nicht innerhalb weniger Minuten beantwortet wird. Die Preise für Ersatzteile oder Reparaturen sind deutlich in die Höhe gegangen, obgleich immer mehr Sicherheitssysteme in den Fahrzeugen verbaut werden. Das mag dazu führen, dass sich etwas weniger Unfälle ereignen, allerdings erweist sich dann die Erneuerung der beschädigten Teile wie Stoßstangen, Frontscheiben etc. durch den Einsatz von Sensoren oder Kameras deutlich teurer.
Unsere Werkstätten müssen sich ständig neuen Herausforderungen in puncto Technik, Material, Lacken, Reparaturmethoden und Umwelt stellen. Dazu kommen neue Wege der Mobilität, sei es im Bereich selbstfahrende Fahrzeuge oder der Elektromobilität. Unsere Betriebe sind bestens für alle Innovationen des Reparaturmarkts gerüstet und befinden sich durch die Qualifizierungsmaßnahmen des ZKF immer auf dem höchsten technischen Niveau. Ein deutliches Plus und eine große Konstante ist auch die Kontinuität in unserer Geschäftsleitung. Peter Börner und Guido Kalter sind seit vielen Jahren für die erfolgreichen Zahlen unseres Unternehmens mitverantwortlich. Jetzt ist seit Januar 2026 mit Sebastian Kaiser ein weiterer Vorstand berufen worden, der die Bereiche Personal und Finanzen verantwortet.
Perfektes Netzwerk mit hoch qualifizierten Werkstätten
AH: Hinterher ist man ja schon sprichwörtlich immer schlauer: Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz und was hätten Sie, im Nachhinein betrachtet, vielleicht gerne anders gemacht oder besser gelöst?
T. Fiedler: Natürlich könnte man im Nachgang immer ein paar Dinge perfekter machen, allerdings gestaltet sich eine Startposition insofern kompliziert, weil man leider keine Glaskugel hat, die es ermöglicht, etwaige Fallstricke oder mögliche Fehler vorherzusehen. Die EUROGARANT AutoService AG steht finanziell gut da, hat ein perfektes Netzwerk, bestehend aus hoch qualifizierten Werkstätten, langjährigen Kunden und Lieferanten. Aufgrund dieser Tatsachen denke ich, dass wir vieles richtig gemacht haben, und darauf darf man ein kleines bisschen stolz sein.
AH: Was wünschen Sie Ihren Nachfolgern im Amt und der ganzen Branche, damit Schadenmanagement und Unfallreparatur auch in den kommenden 25 Jahren ein einträgliches Geschäft für alle Beteiligten bleiben kann?
T. Fiedler: Wir verfügen über sehr gute Mitarbeiter und Führungskräfte, die schon jahrelang die Geschicke der AG mitverantworten, deshalb haben wir die Zukunft schon lange vor meinem Ausscheiden eingeläutet. Jetzt gilt es für die Protagonisten am Markt, den Begriff "Partnerschaft" wieder neu zu interpretieren, denn es geht nicht ohne Werkstätten, aber auch nicht ohne Versicherungen, Hersteller oder Kunden. Nur wenn alle zusammen sich darauf verständigen, dass es nicht funktionieren kann, wenn dem jeweiligen Partner die Luft zum Atmen oder auch die letzte Gewinnmarge genommen wird, kann der Markt weiter erfolgreich existieren. Sollten am Ende nur noch wenige Betriebe in der Lage sein, Fahrzeuge zu reparieren, dann hätten sich die Auftragsvergeber vor allem bei den Einflussmöglichkeiten auf die Preisnachlässe ein deutliches Eigentor geschossen. Alle kommenden Herausforderungen, wie das Fortschreiten der Elektromobilität, der Einbau von Gebrauchtteilen, autonomes Fahren oder neue Hersteller am Markt sind in der Gemeinschaft deutlich einfacher zu bewältigen!
AH: Zum Abschluss noch eine Frage für alle Bücherfans: Schon zu Ihren aktiven Arbeitszeiten haben Sie sowohl die Krimifreunde als auch die Anhänger von Realsatiren mit einem "echten Fiedler" pro Jahr bei bester Laune gehalten. Ist davon auszugehen, dass im Unruhestand mehr Romane auf uns zukommen?
T. Fiedler: Ich gehe nicht davon aus, dass es in den nächsten Jahren mehr Romane geben wird, denn für ein spannendes oder auch witziges Manuskript braucht es einfach Zeit, auch für die Recherche. Was allerdings ansteigen wird, ist die Anzahl der Lesungen. Bisher war es mir nicht möglich, allen Anfragen gerecht zu werden. Im Oktober werde ich, wenn alles nach Plan läuft, auf der Frankfurter Buchmesse meinen neuen Krimi vorstellen und danach: "Schaun mer mal!"
AH: Herr Fiedler, vielen Dank für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit über all die Jahre hinweg und einen spannenden Ruhestand.