UDV-Studie: E-Autos besitzen andere Unfallmuster als Verbrenner

06.07.2026 08:20 Uhr | Lesezeit: 4 min
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E-Auto-Fahrgeräusche sind im Straßenverkehr oftmals nur schwach oder gar nicht von Fußgängern wahrnehmbar und deshalb häufig Ursache für Zusammenstöße.
© Foto: UDV

Elektro-Pkw sind eine sichere Alternative zu Verbrennern und ihre Fahrenden verursachen kaum mehr Schäden. Eine neue wissenschaftliche Studie der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Versicherer (UDV) zeigt jedoch erstmals: Bei bestimmten Unfallmustern unterscheiden sich E-Autos von Verbrennern.

Die Unterschiede betreffen laut UDV insbesondere Situationen bei sehr langsamer Fahrt: Fußgängerunfälle mit E-Pkw ereignen sich häufiger beim Anfahren aus dem Stand, Rückwärtsfahren oder Abbiegen bei Dämmerung und Dunkelheit. "Unsere Untersuchung bestätigt Hinweise darauf, dass Fußgängerinnen und Fußgänger E-Autos in solchen Situationen schlechter wahrnehmen", sagt UDV-Leiterin Kirstin Zeidler.

Seit 2021 müssen E-Autos bei Geschwindigkeiten unter 20 km/h aus Sicherheitsgründen Geräusche abgeben. "Doch die künstlichen Fahrgeräusche sind womöglich nicht hörbar genug oder lassen sich noch nicht eindeutig einem Pkw zuordnen", so Zeidler.  

Unfallursache Pedalverwechslung?  

Die Analyse zeigt zudem Hinweise auf häufigere Unfälle durch Fahrzeugfehlbedienung, insbesondere beim Anfahren aus dem Stand. Diese traten vor allem bei Fahrzeugen mit sogenanntem One Pedal Drive auf, die sich im Alltag weitgehend über das Fahrpedal steuern lassen: beschleunigen durch Fuß senken, abbremsen durch Fuß heben. "Die Studie legt nahe, dass die Gewöhnung an diese Fahrweise in Notsituationen eine Pedalverwechslung begünstigen kann", so Zeidler. Höheres Alter scheint die Problematik zu verstärken: In der Analyse war knapp jeder zweite auf diese Weise Verunfallte älter als 75 Jahre.  

Fahrweise und Sicherheitsausstattung als Pluspunkt

Kleine E-Autos zeigen in der Untersuchung Vorteile beim Insassenschutz gegenüber vergleichbaren Verbrennern. Grund ist laut UDV neben der modernen Sicherheitsausstattung ihr höheres Gewicht: "Bei einem Unfall sind Insassen schwererer Fahrzeuge in der Regel besser geschützt. Zugleich bleibt der Partnerschutz wichtig, denn größere Gewichtsunterschiede bedeuten für Unfallgegner ein höheres Verletzungsrisiko."

Positiv bestätigt die Analyse, dass Fahrende in E-Autos im Schnitt weniger riskant fahren als in Verbrennern. In den untersuchten Fällen verloren sie seltener die Kontrolle über den Wagen und hatten weniger Alkohol- und Drogenunfälle. 

E-Autos gezielt weiter verbessern 

"Unsere Ergebnisse sind ausdrücklich kein Argument gegen E-Mobilität", so Zeidler. Im Gegenteil: Die Schadenhäufigkeit von E-Autos sei im Vergleich zu Verbrennern nahezu unauffällig. Zugleich zeige die Studie konkrete Ansatzpunkte, um E-Autos weiter zu verbessern. So sollten künstliche Fahrgeräusche künftig klarer als Pkw-Geräusch erkennbar sein sowie Fußgängerinnen und Fußgänger besonders bei niedrigen Geschwindigkeiten besser warnen. Auch ein gut wahrnehmbares Signal für die Fahrbereitschaft – im Innenraum und nach außen – könne helfen, Missverständnisse zu vermeiden.

Zusätzlich könne aktive Sicherheitstechnik Unfälle beim Anfahren verhindern, wenn sich Personen oder Gegenstände im Fahrtweg befinden. Nicht zuletzt ließe sich Gewicht sparen und so der Partnerschutz optimieren. Weiteren Forschungsbedarf sieht die UDV hinsichtlich der Wirkung von One Pedal Drive auf sicheres Fahren, als auch bezüglich des Unfallgeschehens der sich schnell verändernden Fahrzeugflotte.

60 Prozent E-Auto-Marktanteil bis 2040 denkbar

Zum 1. Januar 2026 waren rund zwei Millionen E-Fahrzeuge in Deutschland unterwegs, rund vier Prozent der hier zugelassenen Pkw. Laut Prognose des Gesamtverbandes der Versicherer könnten 2040 circa 60 Prozent aller Pkw E-Autos sein. "E-Pkw werden immer beliebter, was auch angesichts der ökologischen Herausforderung des Klimawandels positiv ist", sagt Zeidler.

Studien-Merkmale

Die UDV hat knapp 500 schwere Unfälle aus der Unfalldatenbank der Versicherer detailliert analysiert und dabei E-Autos mit baugleichen Verbrennern verglichen (Minis, Klein-, Kompakt-, Mittel- und Oberklassewagen). Die Stichprobe bilde "nicht das gesamte Unfallgeschehen" ab. Literaturrecherche und Online-Nutzendenbefragung von 238 Befragten ergänzten laut UDV die Studie. 

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