Trotz gesetzlicher Vorgaben: Unterfahrschutz bringt bei Unfällen praktisch nichts

13.07.2026 05:27 Uhr | Lesezeit: 3 min
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Unfälle, bei denen ein Lkw unterfahren wird, enden häufig mit schweren oder tödlichen Verletzungen der Insassen. Der Unterfahrschutz hielt im ADAC Test nicht stand und das Auto konnte unter den Lkw eintauchen.
© Foto: ADAC

Ein aktueller ADAC Test zeigt: Der gesetzlich vorgeschriebene Lkw-Unterfahrschutz ist im Fall eines Pkw-Aufpralls nahezu wirkungslos. Auch die Zulassungsvoraussetzungen werden als nicht ausreichend erachtet. Unbenommen aller sonstigen Unzulänglichkeiten helfe zudem ein Notbremsassistent am Stauende nur bedingt.

Lkw in ganz Europa müssen mit einem Unterfahrschutz versehen sein. Dieser soll verhindern, dass Pkw bei einem Auffahrunfall unter den Lkw rutschen. Diese Unfälle enden besonders häufig tödlich, da die Fahrgastzelle stark deformiert wird und Schutzsysteme wie Gurt oder Airbag ihre Wirkung nicht entfalten können. Trotz der gesetzlichen Regelung zeigen Daten der ADAC Unfallforschung: Unfälle, bei denen ein Lkw unterfahren wird, kommen nach wie vor häufig vor.

Versagen beim Crashtest

Mehrere Crashtests mit Beteiligung von ADAC, Euro NCAP sowie Partnern aus Schweden und USA zeigen jetzt: Der Unterfahrschutz, wie er nach aktueller Norm vorgeschrieben ist, hat nahezu keine Wirkung. Im ADAC Test- und Technikzentrum Landsberg wurde ein Fahrzeug mit 56 km/h auf ein stehendes und über 18 Tonnen schweres Lkw-Gespann aufgefahren. Dabei riss die Verbindung des Unterfahrschutzes ab und er wurde nahezu unbeschädigt zur Seite herausgeschleudert. Das Auto tauchte unter den Anhänger ein und wurde bis zur B-Säule aufgerissen. Ein weiterer Test von Euro NCAP in Großbritannien zeigte das gleiche Bild: Auch in diesem Szenario versagte der Unterfahrschutz und die Ladefläche des Aufliegers bohrte sich in die Fahrgastzelle, wobei er den Fahrer geradewegs am Kopf getroffen hätte. Während in diesem Fall nur ein Dummy zu Schaden kam, hätte ein echter Mensch kaum eine Überlebenschance gehabt.

Bei 130 km/h waren die FAS überfordert

Die Tests wurden auch auf die Assistenzsysteme moderner Fahrzeuge ausgeweitet. In dem Vergleich mit sieben aktuellen Modellen und einem Lkw-Nachbau zeigt sich, dass viele Fahrzeuge bei geringen Geschwindigkeiten in der Lage sind, das Hindernis zu erkennen und rechtzeitig abzubremsen. Je höher die Geschwindigkeit aber wird, desto herausfordernder wird die Aufgabe für das Assistenzsystem: Bei Tempo 130 hätte keines der Assistenzsysteme eine Kollision vermeiden können und es käme zu folgenschweren Kollisionen.

Handlungsbedarf hoch

Die Testpartner sehen aufgrund der Ergebnisse dringenden Handlungsbedarf. Der aktuelle Unterfahrschutz ist nachweislich nicht ausreichend, weshalb die Zulassungsvoraussetzungen auf UN-Ebene verschärft werden sollten. Gleichzeitig sind Maßnahmen notwendig, die Umrüstung von Bestandsfahrzeugen zu unterstützen, damit Nutzfahrzeughersteller die Mehraufwände nicht auffangen oder an die Kunden weitergeben müssen.

Hoffnung am Horizont

Als Positivbeispiel dient die Entwicklung in den USA, wo bereits wirkungsvolle Unterfahrschutzsysteme im Einsatz sind. Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die am Markt verfügbaren Lösungen in der Lage dazu sind, die Energie bei einem Unfall aufzunehmen und ein Unterfahren des Fahrzeugs zu verhindern. ADAC Erkenntnissen zufolge sind auch in Deutschland bereits Systeme im Einsatz, die ein Unterfahren des Lkw am Stauende verhindern können

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