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Prozess: Bekommt die Tochter des Porsche-Konstrukteurs Geld?

Hat die Tochter des früheren Chef-Konstrukteurs finanziellen Anspruch auf den Erfolg des Porsche 911? Das klärt jetzt der BGH.
© Foto: Porsche

Wer ist der Erfinder des Porsche 911? Und steht den Erben des einstigen Chef-Konstrukteurs beim Stuttgarter Autobauer noch Geld vom Verkauf jüngst produzierter Karossen zu? Der BGH bekommt es mit einem Fall zu tun, der schon hohe Wellen geschlagen hat.


Datum:
09.12.2021
Autor:
dpa
Lesezeit: 
5 min
2 Kommentare

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Runde Scheinwerfer, abfallendes Heck, flach nach vorn zulaufende Frontpartie: Der Porsche 356 ist gerichtlich bestätigt ein "Werk der angewandten Kunst". Und Erwin Komenda ist - juristisch unbestritten - Urheber der äußeren Gestaltung der Karosserie. Doch haben die Erben des früheren Chef-Konstrukteurs Anspruch auf eine Beteiligung am Erfolg des Nachfolgemodells 911 - auch für Fahrzeuge, die Jahrzehnte nach Komendas Tod 1966 verkauft werden?

Mit dieser Frage zum Sportwagen-Klassiker befasste sich der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag. Eine Entscheidung in dem jahrelangen Streit zwischen Komendas Familie und dem Stuttgarter Autobauer soll aber erst im April fallen. Und womöglich wird diese noch nicht endgültig sein. (Az.: I ZR 222/20)

Bislang war Komendas Tochter Ingrid Steineck vor Gerichten gescheitert. Sie fordert maximal fünf Millionen Euro. Dabei könnten die Ansprüche deutlich höher sein, würde man eine Beteiligung je verkauftem Exemplar festlegen: Legen Käufer doch für den 911er sechsstellige Beträge hin.

War der Porsche 356 "nur" eine Anregung für den 911? 

Allerdings ist aus Sicht des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart zwar bewiesen, dass Komenda Urheber für die Karosserie des Porsche 356 in seiner Urform ist. Diese habe aber für die Baureihe aus den 2010er Jahren des Nachfolgemodells 911 allenfalls als Anregung gedient.

Daraus ergebe sich kein Anspruch auf Beteiligung nach dem Urheberrechtsgesetz, entschied das OLG. Dass Komenda, der bei Porsche zuletzt 5420 D-Mark im Monat verdiente, Miturheber am Design des 911er in seiner Urform war, habe Steineck indes nicht nachweisen können. Die Tochter hat gegen die Entscheidung Revision eingelegt.

Bei der Verhandlung am BGH wurde deutlich, dass es um komplexe Fragen des Urheberrechts geht. Wie weit muss eine Neugestaltung vom Vorgänger abweichen, damit Ansprüche entfallen? Ein Aspekt ist, inwiefern die Gestaltung der Karosserie des Porsche 356 im Modell 911 wiedererkennbar ist - und wie Wiedererkennbarkeit definiert wird.

"Wiedererkennbarkeit mit Händen zu greifen"

Steinecks Anwalt hatte rot lackierte Modellversionen der betroffenen Autos dabei und sagte: "Da ist die Wiedererkennbarkeit mit Händen zu greifen." Gegebenenfalls müsse der BGH aber auch beim Europäischen Gerichtshof für eine Auslegung anfragen. Seit 2002 ist das Urheberrecht in der EU vereinheitlicht.

Der Anwalt kritisierte auch, das OLG habe unter anderem einen wichtigen Zeugen nicht gehört. Zudem hätte es bei der Überprüfung von den Gemeinsamkeiten beider Modelle ausgehen müssen, nicht von den Unterschieden. Komenda habe Grundlagen für die "Porsche-DNA" gelegt.

Dieser wolkige Begriff sei der Versuch, sich vom konkreten Vergleich loszulösen, konterte der Vertreter der Gegenseite. "Wenn die "Porsche-DNA" geschützt ist, dann kommt vielleicht bald der FC Bayern und will das "Bayern-Gen" schützen lassen." Es komme auf den Gesamteindruck an, sagte der Porsche-Anwalt. Und der 356 sei nur frei als Vorlage benutzt worden und nicht zum Modell 911 umgestaltet worden.

Streit zieht sich schon über Jahre

Der Streit zwischen Familie Steineck und Porsche zieht sich schon über Jahre. So hielt Komendas Enkelin 2014 eine Pressekonferenz ab, um unter dem Titel "Der Porsche-Schwindel" aufzuklären, wer aus ihrer Sicht für die Entwürfe der sogenannten Porsche-DNA verantwortlich ist. Der Autobauer verwehrte ihr den Zutritt zum Archiv, wie der Vorsitzende BGH-Richter Thomas Koch sagte. Der Anwalt sprach sogar von einem Hausverbot.

Der Porsche-Fall ist nicht der einzige seiner Art. Der Disput trifft ebenso den Mutterkonzern Volkswagen: In Braunschweig will die Familie Ansprüche wegen des Designs des VW Käfers und seines Nachfolgers New Beetle geltend machen. Als Käfer-Schöpfer gilt der Autokonstrukteur Ferdinand Porsche. Von dessen Enkel Ferdinand Alexander stammt dem Autobauer zufolge der Entwurf für den 911er. Ein zweiter Anwalt der Steinecks sagte, indem Porsche jede Entwicklung einem Familienmitglied zuschreibe, solle ein "Mythos" entstehen.

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KOMMENTARE


Henry

09.12.2021 - 16:42 Uhr

Bekam der Konstrukteur seinerzeit keinen Lohn? Dieser Klageirrsinn, wider jedem gesunden Menschenverstand, , ist kaum mehr nachzuvollziehen. Aber unser Taktgeber jedwelcher Art, die USA, sprechen ja noch nach ganz anderen Kriterien „Recht“......


Richtigsteller

10.12.2021 - 12:17 Uhr

Oh es geht gegen VW die goldene Kuh. Nun ja Klageirrsinn ist das nicht. Wenn es um die Familien Porsche und Piech geht erduldet man ja ganz andere Dinge. Wie Josef Ganz (Käfererfinder) weggebügelt wurde ist ja auch bekannt. Alle Aktionäre und das Land Niedersachsen sind offensichtlich dümmer als die Familien. Wir zahlen ja gerade wieder alle als Steuerzahler die Gehälter von VW. Damit kommen Leasingrückläufer auf einen Preis wo aus einem Problemfall sogar noch ein Erfolg wird. Also bitte da können sich auch mal andere am Topf bedienen. Die Zulieferer und Händler sind ja nicht gewillt oder zu blöd.....


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