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HB ohne Filter: Schiebt die Verkaufstore auf! Es lenzt! +++ Auto-Vermieter mit Coronaschäden

© Foto: Ralph M. Meunzel/AUTOHAUS

Unabhängig, scharfsinnig, auf den Punkt: der aktuelle Wochenkommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat!

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Datum:
26.02.2021

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Schiebt die Verkaufstore auf! Es lenzt! +++ Herstellerkaleidoskop der Woche +++ Auto-Vermieter mit Coronaschäden

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© Foto: RealGarant

Schiebt die Verkaufstore auf! Es lenzt!

Die Uhr tickt, und zwar lautstark! Endlich Frühlingserwachen. Und das mit jedem Tag. Jetzt sind individuelle Öffnungsstrategien gefordert. Die Akzeptanz für die anhaltenden Corona-Verbote schwindet nicht nur in der Bevölkerung. Entgleitet gar der Politik gar die Kontrolle? Differenzierung ist gefordert. Es steht, konkret formuliert der Schutz des Lebens gegen den Schutz der gesamten Wirtschaft. Die Politiker stehen da in einem schwierigen Zwiespalt. Zur Stunde registrieren wir in Deutschland 70.000 Pandemiopfer. Das bleibt Verantwortung. Die wirtschaftliche Fragestellung lautet: Wie viel Insolvenzen wiegen ein Menschenleben auf? Ja, es gilt weiterhin die Gefahren der Pandemia darzustellen. Die Feinjustierung, die besagte Differenzierung aber macht aufgrund besserer Erkenntnisse nun absolut Sinn.

Die praktische Lösung für den Autohandel

Geliefert vom Auto-Landesverband Baden-Württemberg mit Präsident Michael Ziegler und seinem auffällig politbegabten Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß. Es hat schon seinen Grund, dass Carsten Beuß zum 1. März 2021 zum ehrenamtlichen Richter beim Bundesarbeitsgericht berufen wurde. Gratulation! Einer von uns! Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seine Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut gehen aktuell aktiv auf die Verbände zu und fordern diese zu konkreten Vorschlägen für deren Öffnungsstrategie auf. Praktische Lösungen sind gefragt.

Hier verkürzt die konkreten Antworten aus dem Ländle:

Die meisten Autohäuser befinden sich nicht in der Innenstadt, sondern in Gewerbegebieten oder an Zufahrtstrassen. Die Kundendichte in Autohäusern ist alles andere als dicht und begrenzt sich auf eine reduzierte Anzahl an Kunden. Es können die großen Verkaufsflächen wie auch die Freiflächen (GW) effektiv genutzt werden. Bezüglich der Gefährdungsbeurteilung - und da schließt sich der schwäbisch-alemannische Verband der ZDK-Vorlage an - ist die eröffnete Fläche im Verhältnis zur Kundenfrequenz zu sehen. Direkte physische Kontakte können im Autohaus vermieden werden. Im Klartext, von Autohäusern geht so gut wie keine Infektionsgefahr aus. Oder einmal anders formuliert, je niedriger die Inzidenzzahlen sinken, desto höher darf der Gefährdungsgrad sein.

Parallel dazu werden die Vorgaben zum Infektionsschutz berücksichtigt, also Hygienekonzepte, flächenbezogene Begrenzung der Zahl gleichzeitig anwesender Kunden u.a. Das gilt auch für alle Verkaufsgespräche und Beratungen (medizinische Masken, Abstände, "Spuckschutz"). Verkäufer und Kunde dürfen bei der Fahrzeugpräsentation nicht gleichzeitig im Fahrzeug sitzen. Es wird empfohlen, Freiflächen insbesondere beim Gebrauchtwagen-Verkauf zu nutzen, um die Aufenthaltsdauer in Innenräumen zu reduzieren. Vertragsabschlüsse, auch zu Nebenleistungen und Bezahlvorgang, sind möglichst kontaktarm oder soweit möglich kontaktlos zu organisieren. Kartenzahlungen statt Bargeld.

Selbiges gilt für Probefahrten. Diese finden mit Terminvereinbarung statt. Fahrzeuge sollen im Freien übergeben werden. Notwendige Formalitäten, die der Fahrzeugüberlassung dienen, sollen möglichst im Vorfeld online, per Fax und oder telefonisch erledigt werden. Verkäufer und Kunde dürfen nicht gleichzeitig im Fahrzeug sitzen auch nicht bei einer Einweisung in die Bedienung des Fahrzeugs und seiner Komponenten. Die Schlüsselübergabe erfolgt kontaktlos. Für Fahrzeugauslieferungen gelten oben angebrachte Ausführungen zu Probefahrten analog. Begrüßung und Verabschiedung sollte durch intensiven gegenseitigen Augenkontakt erfolgen. Für Schnelltest, die sicher eine weitere positive Ergänzung zum Pandemiageschehen darstellen, muss die weitere öffentliche Entwicklung abgewartet werden.

Im Klartext, es bedarf nun dringlich einer differenzierten Herangehensweise. Man sollte sich dabei nicht an den zehn Prozent aufhalten, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, sondern an den 90 Prozent, die die Schutzmaßnahmen ernsthaft im Interesse der Corona-Gesundung und deren Opfer solidarisch im Alltag leben. Ansonsten steht die Substanz des Automobilhandels vor einem großen Fragezeichen und manch einer wird sagen müssen: Man reiche mir die Tür. Ich muss gehen! Das kann es nicht sein!

Stufenplan des RKI

Lassen Sie uns noch einen Coronagruß an die Bundeskanzlerin Angela Merkel schicken. Schlagen Sie mal das Stufenkonzept des RKI (Robert Koch Institut, Berlin) auf, um sich einen Eindruck zu verschaffen, was einer Kanzlerin vorgeschlagen wird. Hier können Sie es abrufen. Diese hohe Kost soll die Kanzlerin lesen? Bei aller Wissenschaftlichkeit, das soll ein Vorschlaghammer für die praktische Umsetzung für Ladenöffnungen sein? Wissenschaft und Alltag sollen doch verbinden, nicht trennen.

Bayerischer Sonderweg

Man staunt dann, dass der Auto-Landesverband Bayern am Montag dieser Woche als erste Priorität zur Stunde die Beibehaltung der modernen Verbrennungsmotoren einfordert. Es fällt in der Branche inzwischen hinlänglich auf, dass ein einziger Kfz-Landes-Verband meint, immer gegen den Strich bürsten zu müssen. Die Hütte brennt und die Bayern müssten in Sachen Öffnung der Verkaufsräume dem Ministerpräsidenten Söder vor Ort in der Staatskanzlei in München auf dem Schoß sitzen. Stattdessen hält sich das "Bayerische Hinterzimmer" mit Fragen auf, die übermorgen zur Disposition stehen. Kanzlerkandidat Söder hat derzeit gewiss andere politische Prioritäten. Die weinzierlich-vetterlsche Politik ist in erster Linie nur peinlich, ohne jegliches politisches Gespür für Prioritäten! Gut, man irrt sich öfter als man denkt.

Herstellerkaleidoskop der Woche

Es ist erstaunlich, in welchem Tempo sich bei den Automobilherstellern innerhalb kurzer Zeit besondere Ereignisse zutragen. Überzeugen sie sich selbst.

Renaults schwere Bürde

Der neue Renault-Chef Luca de Meo hatte auf seiner ersten Pressekonferenz in seinem neuem Amt als CEO von Renault einen Rekordverlust 2020 von acht Milliarden EUR zu vermelden. Fünf Milliarden gehen auf das Konto von Nissan. Bis 2025 soll Renault der günstigste Autohersteller sein. Carlos Ghosn wollte den Konzern zum absatzstärksten Autoproduzenten der Welt machen. De Meo will weg von der Masse, hin zu mehr Marge. Außerdem setzt er auf die vernachlässigte Stärke bei E-Autos, "Twizy-Effekt".

Nissan auf Europa-Spuren

Dank Brexit-Regelung wird Nissan weiterhin auf der Insel in Sunderland Fahrzeuge produzieren, und zwar nun die dritte Generation des Qashqai. In selbigem Werk wird der vollelektrische Leaf produziert werden. Aufgrund des gigantischen Verlustes in 2020 und der Markteinbrüche in Europa, von 500.000 Fahrzeugen in 2018 auf 300.000 in 2020 ist gar weltweit ein spezieller Sanierungsplan aufgelegt. Zwölf neue Modelle sollen die Wende schaffen. Ob es De Meo gelingt, das "Bündnis" Renault - Nissan mit wirkungsvollen Treibern auf die Erfolgsspur zu setzen?

Ford Go Electric

Bislang waren die E-Aktivitäten aus dem Hause Ford eher zurückhaltend. Diese Woche kam die Botschaft über den Teich, dass Ford seine Fabrik in Köln zur europäischen Produktion von E-Autos machen wird. Dahinter steht ein Investment von einer Milliarde Euro. Die Besonderheit, Volkswagen wird 600.000 MEB-Plattformen (Elektro-Plattform) liefern. Produktionsbeginn Anfang 2023. Mit einem zweiten E-Modell wäre das Ford-Werk in Köln künftig ausgelastet. Ebenso kam diese Woche aus dem Hause Ford die Ankündigung, dass es im Jahre 2030 bei Ford bei den Pkw ausschließlich rein batterieelektrische Fahrzeuge geben wird.

MBVD-Vertriebswandlungen

Am 2. Oktober 2020 sprach ich an dieser Stelle vom "Trojanischen Pferd", das mit der MB-Neubesetzung von Jens Kunath (35) zum 1. Dezember als MB-Vertriebsleiter Deutschland direkt vom Vorstandsbüro "Seeger" nach Berlin gezogen wurde. Jetzt schieben sie im Rahmen der von Daimler-Chef Ola Källenius am Tag der Automobilwirtschaft in Nürtingen am 8. Oktober 2020 angekündigten Vertriebsrevolution das zweite trojanische Pferde nach: Jörg Heinermann (51). Heinermann leitete zuletzt das Projekt Retail of the Future, war zuvor bei der MBVD schon für das Händlernetz verantwortlich und gilt als substantieller Kenner der fachlichen und persönlichen Szenerie in der MBVD-Gesamtorganisation. Er löst in Berlin Dr. Carsten Oder ab. Die MBVD verliert künftig als Homemarket seine Sonderstellung und wird in der Zentrale ab 1. Mai 2021 der Region Europa unter Leitung von Karl Schregle (55) angedockt. Die zwei benannten Trojanischen Pferde haben die Aufgabe, das angeblich zu engmaschige Netz mit 1.050 Vertriebs- und Servicestützpunkten zu lichten sowie den Direktvertrieb wie in Schweden und Österreich durchzusetzen. Nochmals, Heinermann gilt als fundierter wie kompetenter Brückenbauer, aber mit Richtung!

Jaguar Land Rover auf E-Trip

Da hat der frühere CEO von Jaguar-Land Rover (JLR) Ralf Speth über einige Jahre erstaunliches JLR-Wachstum für das Tata-Unternehmen geschaffen. 2019 rutschte JLR in die Verlustzone. Mei und die Händler, kaum dass da ein paar JLR-Bäume im Wald wuchsen, wurden vom JLR-Management mit Neubauten und überzogenen Standards in Investitionen getrieben, kaum dass sie ein Jahr mal ordentlich Gewinn schrieben. Immer wieder dieselbe Masche. Sie treiben die Händler in unverantwortliche Investitionen. Und wo bleibt der Investitionsschutz? Sie müssten für ihre Verantwortungslosigkeit selber bezahlen müssen. Stattdessen sind die verantwortlichen "Manager" längst vom Acker und treiben bei der nächsten Marke ihr Unwesen weiter. Nun hat der neue CEO Thierry Bolloré seine Strategie vorgelegt. Bis 2025 soll Jaguar zur reinen E-Marke werden. Land Rover wird dazu bis 2030 brauchen. Und selbstredend, JLR soll eine der profitabelsten Luxusmarken der Welt werden. Auf die Hoffnung und den britisch-indischen Humor!

Tesla – Produktionsstart in Grünheide wackelt

Im Juli 2021 soll das neue Produktionswerk von Tesla in Grünheide ans Netz gehen. Es fehlt allerdings aufgrund von Eingaben der Anwohner und Naturschützer immer noch an der abschließenden Genehmigung durch das Land. Der Zeitpunkt dafür ist zur Stunde offen und damit auch eine Punktlandung für die Eröffnung im Juli.

Auto-Vermieter mit Coronaschäden

Die Deutsche Bahn hat coronabedingt 50 Prozent Auslastungsverlust zu stemmen. Die Fuhrparks weisen dank Homeoffice und weniger Dienstreisen eine rückläufige Laufleistung bis zu 30 Prozent aus. Und Autovermieter wie Sixt oder Europcar, die an den Flughäfen präsent sind und namhaft von Urlaubs- und Geschäftsreisen leben, haben kräftige Einbußen zu verarbeiten. Sixt beziffert nicht öffentlich die Zahl, um die die Vermiet-Flotte bei den Herstellern reduziert wurde. Da gab es sicher einschlägige Verhandlungen mit den Herstellern, die man bewusst im Dunkeln hält.

Sixt engagiert sich inzwischen auch aktiv im Auto-Abo-Modell oder geht alternative Offerten wie mit Netto-Marken Discount an (siehe Abbildung). Typisch, ganz klein ist da zu lesen, dass man die Aktionsbedingungen für drei Tage Mietdauer ab 75 Euro unter netto-online.de/sixt nachlesen kann. Dort erfährt man, dass es sich um ein Wochenendgutschein handelt. Das Wochenende läuft von Donnerstag 12 Uhr bis Dienstag 9 Uhr. Maximal 750 Kilometer. Die Aktion ist zeitlich angelegt vom 11. Januar 2021 bis 31. Dzember 2024. Also nicht wie hier im aktuellen Prospekt auf ein gezieltes Wochenende. Die Idee für einen kooperativen Verbund ist sicher für manches Autohaus mit aktivem Autovermietgeschäft eine Überlegung wert.

© Foto: Prof. Hannes Brachat

Sixt und der Verbund mit "Netto"

Spruch der Woche

Was hat ein Nichtgeimpfter davon, wenn einem Geimpften Freiheitsrechte verweigert werden?

"Wer da Solidarität fordert, bekämpft nicht das Virus, sondern die Bevölkerung." (Reinhard K. Sprenger)

Mit meinen besten Grüßen und Wünschen

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 5. März 2021!


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