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HB ohne Filter: VW-Komplexitäten +++ E-Auto-Prämie +++ Handelspolitik

© Foto: Prof. Hannes Brachat/AUTOHAUS

Unabhängig, scharfsinnig, auf den Punkt: der aktuelle Wochenkommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat!

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Datum:
29.07.2022
Lesezeit: 
10 min

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VW: Komplexitäten eines Riesen! +++ Senkung der E-Auto-Prämie +++ Die andere Sicht der Dinge - Handelspolitik +++ Mittelstandspolitik: Politischer Event im Autohaus +++ So geht Autohäusern viel Umsatz verloren - Telefonmanagement

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Montag, 25. Juli 2022

VW: Komplexitäten eines Riesen!

Der VW-Konzern ist ein Riese. Hier die Dimensionen: 640.000 Mitarbeiter, weltweit 120 Produktionswerke, 250 Milliarden Euro Jahres-Umsatz, zwölf Marken. Und nun die aktuelle Feststellung, die obersten Platzhirschriesen, ob Pischetsrieder (BMW), Winterkorn, Müller und jetzt Diess (BMW), sie alle sind vorzeitige Opfer der Komplexitätsmalaise. Einer fehlt in dieser Riege, der Oberpatriarch Ferdinand Piech. Er bildet kraft gegebener Eigentümerstruktur der Familien Porsche-Piech die Ausnahme. Obwohl der nun scheidende Herbert Diess vergleichbar Ferdinand Piech untrügliche Durchsetzungsmechanismen zeigte und keinem Konflikt aus dem Wege ging. Und Ferdinand Piech war doch alles andere als ein Teamplayer. Die Vernetzung zur IG-Metall ließ er strategisch geplant, seinen Personalvorstand Peter Hartz arrangieren. Hochrangige Manager, die mit Herbert Diess über fünf Jahre zusammengearbeitet haben, sprechen mit großem Respekt über dessen strategische Einmaligkeit. Diess setzte quasi monopolistisch stringent auf das E-Auto. Seine strategische Dimension sah das E-Auto der Zukunft als lokalen Energiespeicher, das dem Kunden gar erlaubt, elektrische Energie aus dem Auto in das eigene Haus zu überführen. Offensichtlich kam auf dem Weg der strategischen Diess-Dimensionen doch einiges zusammen, so dass die Familien Porsche-Piech, die sich untereinander mehr rot als grün sind, die Reißleine zogen. Diess, so hört man, geht aufgrund der vertraglichen Gegebenheit mit bis zu 20 Millionen Euro und mehr Abfindungsgage fließend in den VW-Beraterstatus über. Es sei festgehalten, dass Herbert Diess, als Pfennigfuchser und seiner knorrigen Art wegen hinreichend bekannt - weshalb ihn Ferdinand Piech 2015 von BMW zu VW holte - immerhin die ausufernden VW-Managergehälter - Winterkorn zuletzt 17 Millionen Euro p.a. - deckelte! Die eigene Abfindungsgage hat allerdings mit Deckeln wenig zu tun.

Strategieebenen

Der Schwabe und Fußballfan Winterkorn setzte seinerzeit auf eine andere Konzern-Strategie. Sehr einprägsam: Wir bauen die besten Autos, wir verkaufen weltweit am meisten Autos und verdienen zusammen viel Geld! Da versteht jeder Bandarbeiter. Selbst in der Kürze einer Aufzugsfahrt. Da ist es leichter, das gestaltende Management motivatorisch mitzunehmen als bei der monopolistischen E-Auto-Prüderie und ganz neuer, wesensfremder Softwareexpertise namens Cariad Chaos. Geht da noch etwas Eigenständiges, oder ist man auf Apple, Nvidia, Google oder Qualcom angewiesen?

Ist der Riese VW unregierbar?

Es sei an dieser Stelle einmal die Frage gestellt, ob sich ein Konzern wie VW in dieser Dimension überhaupt noch führen lässt? Wir überlegen: 640.000 Mitarbeiter. Ein Prozent seien Führungskräfte. Das wären 6.400. Ein Promill wären dann 640. Und selbst die kann ein Vorstandsvorsitzender nie und nimmer persönlich kennen, geschweige denn persönlich führen. Er kennt persönlich doch nicht einmal die 120 Chefs der einzelnen Produktionswerke. Oder anders, ein Konzernchef wie bei VW muss mit 100 Managern, die er persönlich kennt und steuert, ja motiviert das Riesenschiff auf Kurs halten. Eine unermessliche Dimension. Eine Überforderung?

Die neue Hoffnung

Was hoffen lässt ist, dass der Neue, Oliver Blume, Dank Porsche 911 den eigentlichen VW-Markenkern neu auflegt. Da gab es im Konzern stets bezahlbare und reichweitentaugliche Modelle. Gerade für untere und mittlere Einkommensklassen. Und dieses Markenprädikat opferte Herbert Diess sakrosant für die Elektromobilität. Die Zerrissenheit im VDA und ACEA geht doch genau auch darauf und das Verbrennermotorverbot zurück. Diess wollte nicht wahrhaben, dass E-Fuels, die bereits mit 80 Cent pro Liter in Aussicht stehen, eine wirkungsvolle Ergänzung zur Elektromobilität darstellen. Die Verbrennermotoren auf deutschen Straßen umschiffte Herr Diess in zu großem Bogen. Die 10,1 Millionen VW, die 3,3 Millionen Audi, die 2,4 Millionen Skoda, die 1,3 Millionen Seat. Die 345.000 Porsche wären ja gerade noch erträglich. Wo bleibt da die Verantwortung für das Klima?

"Elektro Only" ist Ideologie, aber alles andere als machbar, vor allem im Volumensegment. 70 Prozent der E-Autos auf deutschen Straßen fahren derzeit mit Kohlestrom. Und wer weiß, wie lange uns die russischen Putinzwänge weiter dazu zwingen werden. Wir brauchen in Deutschland die Freiheit der Antriebstechnologien. Offenheit! Weshalb? Es lassen sich alle Antriebsarten klimafreundlich anwenden. Oliver Blume ist der Hoffnungsanker, dass diese Offenheit nun wieder möglich wird. Wir verneigen uns vor der 911-Ikone! Schließlich schaffen Porsche und Siemens Energy in Patagonien (Chile) mit einem E-Fuelwerk neue Fakten. Nach der finalen Ausbaustufe 2026 soll es rund 500 Millionen Liter sauberen Sprit jährlich liefern! Der Tankstellenpreis soll 2024 bei einem Preis von 1,30 Euro liegen. Napoleon fragte bei einer Berufung stets: Hat der Mann Fortune? Diese wünschen wir Herrn Blume. Napoleon meinte ferner: Ein General muss immer gleich zu Beginn seines Wirkens seine Grausamkeiten durchziehen. Der Herbst wird hier für alle zur vielfachen Herausforderung.

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Dienstag, 26. Juli 2022

Senkung der E-Auto-Prämie

Wann immer Subventionen im Spiel sind, erhebt sich der Kontrapunkt und fragt, wo bleibt der freie Markt? Das freie, faire Spiel der Kräfte?

Bis 2022 sind sage und schreibe für die Förderung von E-Autos und Plug-in-Hybride 4,6 Milliarden Euro an Prämien ausbezahlt worden. Liefe die Förderung unbeschränkt weiter, wären wir absehbar bei einer zweistelligen Subventionsnummer. Und wenn Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck eine Extrasteuer für Verbrenner einfordert, über die die Prämien für E-Autos zu subventionieren seien, dann zeigt sich ein perspektivisches Dilemma.

Der deutsche Handelssprecher des ZDK, Vizepräsident Thomas Peckruhn, stellt zurecht zwei ganz massive Forderungen in Sachen E-Auto-Prämie in den Vordergrund. Warum ist nicht der Zeitpunkt des Kaufes maßgeblich für den Prämienzuschlag, sondern die Übergabe? Weil die Herren Beamten der Auffassung sind, eine Umstellung des Verfahrens sei zu aufwändig. Deutsche Bürokratie! Untragbar.

Es kann ferner nicht sein, dass der Bundeswirtschaftsminister ein Prämienbudget von 2,5 Milliarden Euro freigibt und sich zurücklehnt. Wenn das abgerufen ist, gibt es nichts mehr. Fügen wir noch E-Lieferfristen von über einem Jahr an, so kann es sein, dass ein Käufer ohne jegliche Prämie nach Hause fährt. Diese Hürden sind es, die den weiteren E-Autoschub sichtbar behindern werden. Die Frage ist, ob die geplante E-Auto-Subventionssenkung oder gar Beseitigung nicht zu früh kommt?

Und doch sei die Frage erlaubt: Jemand muss diese E-Auto-Subventionen bezahlen. Wer? Schaut man derzeit auf die Gewinne der Automobilindustrie darf man fragen, wie lange man dort noch weitere Subventionen abgreifen will? Der billigste E-Auto-Kleinwagen kostet in China 4.500 Euro. Es werden nun nach und nach – MG, NIO u. a. - chinesische E-Autoanbieter auf dem deutschen Markt aufschlagen. Sie werden preispolitisch zeigen, was machbar ist, sprich marktwirtschaftlich den deutschen Hersteller zeigen, was geht. Klar, die Rohstoffpreise für Lithium, Nickel, Kupfer sind gestiegen. Auch die Strompreise. Dennoch, die Produktionskosten für E-Autos werden auf Dauer fallen. Auch die Rohstoffpreise für Verbrenner sind gestiegen. Addieren wir das Phänomen der Inflation hinzu, stellt sich die Frage der automobilen Bezahlbarkeit. Wie da die Verbraucher wohl im zweiten Halbjahr 2022 ihre Prioritäten sortieren werden?

Derzeit fahren 700.000 E-Autos auf deutschen Straßen. 2030 sollen es 15 Millionen sein, die mit grünem Strom fahren. Derzeit dominiert das E-Kohlestrom-Auto! Und der teilelektrische Anteil beim Plug-in-Hybrid ist bei den meisten Modellen zwischen 40 und 70 Kilometer ausgelegt. Und das bei der unrealistischen WLTP-Messung. Man darf also sehr wohl an der E-Auto-Prämie feinjustieren. Und Änderungen am Dienstwagenprivileg sind bereits angekündigt.

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Mittwoch, 27. Juli 2022

Die andere Sicht der Dinge - Handelspolitik

Mein Kommentar letzte Woche zur Thematik Händlerzufriedenheit brachte mir diese Woche ein interessantes Gespräch mit einem Top-Manager im Vertrieb eine Automobilherstellers ein. Da kommt dann klar zum Ausdruck, dass man dort zweistellige Renditengrößen avisiert und den Shareholder Value maximieren möchte. Stelle ich ihm dann die Frage, dass die Markenhändler bei zwei Prozent Umsatzrendite stünden, freie Autohändler in Deutschland zwischen vier und zehn Prozent, so lautet seine lapidare Antwort: "Das ist mir schon seit Jahren klar. Unabhängige Händler machen eine andere Arbeit." Was machen die anders? Die verkaufen Autos wie die Markenhändler auch. Nur ohne Standards und Verkaufsförderungsprogramme.

Er rät einigen Händlern, unabhängig zu sein. Vielleicht sollten sie sich sogar auf Luxusprodukte spezialisieren. Spreche ich ihn auf die unzureichende Agenturmarge zwischen vier und sieben Prozent an, kommt die Empfehlung: "So diese nicht ausreicht, möge der Händler seinen Betrieb verkaufen!" Dass es dazu gegenwärtig zum Beispiel bei Stellantis aufgrund der gekündigten Verträge wenig Chancen für einen ordentlichen Verkauf gibt, interessiert ihn wenig. Ebenso wenig, dass für den einzelnen Händler dessen Lebenswerk dahinter steht. Oder dem einen und anderen Audi-Händler wird empfohlen, seinen Hangar zu schleifen, um darauf ein neues millionenschweres Outfit zu schaffen. Was ist an derartigem Geschäftsgebaren nachhaltig?

Das bündelt dann in der Auffassung: "Ohne starkes Gebrauchtwagengeschäft und Finanzdienstleistungen ist es sinnlos, ein Händler zu sein." Das Wort Service inklusive Teile nimmt er aufgrund der E-Auto-Entwicklung schon gleich gar nicht in den Mund!

Fazit: Sie reden zwar in ihren Konzernclaims von ethischer Verantwortung und von der Wertschöpfung aller Beteiligten. Anspruch und Wirklichkeit im Alltag stehen da allerdings weit, sehr weit auseinander.

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Donnerstag, 28. Juli 2022

Mittelstandspolitik: Politischer Event im Autohaus

Die Kreishandwerkerschaft Zollernalb lud zur politischen Diskussionsrunde ins Seat-Autohaus Dehner nach Balingen ein. 60 Vertreter, Handwerksbetriebe folgten der Einladung, um mit der CDU-Landtagsabgeordneten und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut mittelstandspolitische Themen durchzugehen.

Mario Dehner, Geschüftsführer des Autohauses Dehner, betonte, aus seiner Sicht solle die Wertschätzung für das Handwerk mehr denn je in der Gesellschaft hervorgehoben werden. Als bewegt bewertete die Ministerin die aktuelle wirtschaftliche Lage unter dem Einfluss von Corona und Ukraine-Krise. Die Ministerin ging auch darauf ein, wie sich die Situation im Herbst - Energieversorgung und Auswirkung der Inflation - entwickelt.

Jürgen Gress, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Zollernalb (re.), Nicole Hoffmeister-Kraut (Bildmitte), li. daneben Mario Dehner, Geschäftsführer im Autohaus Dehner
© Foto: LV-Baden-Württemberg

Lobende Worte hatte die Politikerin für die Handwerksbetriebe parat. Deren Arbeiten seien hinsichtlich Qualität und Leistung vorbildlich. Dennoch seien auch sie gefordert, beispielsweise mit dem demografischen Wandel. Große Probleme sehe sie im Mangel an Auszubildenden und an Fachkräften und sprach die gezielten Fördergelder dafür an. Die Zukunftsinitiative Handwerk 2025 soll helfen, die Zukunft des Handwerks im Südwesten zu sichern.

In der sich anschließenden Fragerunde nahmen mehrere Anwesende das Mikrofon in die Hand und stellten ihre Fragen. So auch zu nachhaltigen Energiealternativen. Gas sei noch nie so im Fokus gestanden wie derzeit. Die Speicher seien laut Hoffmeister-Kraut zu 60 Prozent gefüllt. Haushalte seien primär geschützt. Weitere Fragen betrafen bürokratische Hemmnisse, Praktikumsplatzangebote sowie Fördermaßnahmen wie die Corona-Soforthilfe und deren Rückzahlung. An den Stehtischen gab es daraufhin noch weiteren Gesprächsaustausch mit der Ministerin. Das Beispiel sei zur Nachahmung empfohlen! (CB)

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Freitag, 29. Juli 2022

So geht Autohäusern viel Umsatz verloren - Telefonmanagement

Stellen Sie sich vor, Sie rufen in einem Unternehmen an und niemand geht ans Telefon. Es klingelt einfach durch oder es ist besetzt und sie hängen ewig in der Warteschleife. Wie oft würde Sie es versuchen, bevor sie sich denken: "Wer nicht will, der hat schon?" Im Schnitt gehen 180 Anrufe pro Monat in den Autohäusern verloren. 60 Anrufe davon betreffen den Service. Sie laufen einfach ins Leere und damit geht ihnen Umsatz verloren. Noch mehr, man kann über die verschiedenen Kanäle, auch Social Media, aktiv das Telefonat sogar forcieren.

Was Sie dagegen tun können, zeigt Frank Fichert, Verkaufstrainer, Coach, Berater. Er ist regelmäßig als Referent bei der AUTOHAUS-Akademie oder AUTOHAUS next dabei. Er führt dazu mit Christian Kocura ein Experteninterview. 15 Minuten, die sich lohnen! Sie können das direkt über YouTube anhören oder unter Frank Fichert, Sales Quality, weitere Hintergrundinformationen zu weiteren Ausgaben von ihm verschaffen.

Experteninterview mit Frank Fichert
© Foto: Prof. Hannes Brachat

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Spruch der Woche

© Foto: Sixt

Mal wieder einer der genialen Werbeideen aus dem Hause Sixt! Damit verabschiede ich mich bis zum 26. August 2022 – mit Vorfreude auf eine ruhige Zeit im Jahr.

Mit den besten Wünschen für eine starke Solidarität im Markenhandel!

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 26. August 2022!

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