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Autobanken: Die Vertreibung aus dem Paradies

Autobanken
Die Vertreibung aus dem Paradies
VW, Daimler und BMW verdienen nicht nur als Autobauer Milliarden, sondern auch als Banker.
© Foto: picture alliance/CHROMORANGE/Ralph Peters
Zum Themenspecial Corona-Krise

Mit Leasing- und Kreditverträgen vergolden sich die Autokonzerne ihre Bilanzen. Gewöhnlich. Die Kehrseite der Medaille: In der Krise stehen plötzlich mehr Risiken in den Büchern.

VW, Daimler und BMW verdienen nicht nur als Autobauer Milliarden, sondern auch als Banker. BMW zum Beispiel hat im vergangenen Jahr weltweit jedes zweite Fahrzeug mit einem Kredit- oder Leasingvertrag seiner Finanzdienstsparte verkauft. Und die erwirtschaftete ohne großen Aufwand ein Drittel des Konzerngewinns: 2,3 Milliarden Euro vor Steuern. In der Corona-Krise zeigen sich jetzt die Risiken des Spiels.

"Zuletzt waren die Kreditausfälle auf einem sehr geringen Niveau und lagen bei unter 0,5 Prozent. Für 2020 gehen wir von steigenden Werten aus", sagte Frank Fiedler, Finanzvorstand der Volkswagen Financial Services. BMW teilte mit: "Im Segment Finanzdienstleistungen wird mit geringeren Vertragszugängen und erhöhten Risikovorsorgen gerechnet."

Gleich von drei Seiten kommt das Geschäftsmodell jetzt unter Druck: In Zeiten von Rezession und steigender Arbeitslosigkeit sinkt die Nachfrage nach Autos und damit auch nach Kredit- und Leasingverträgen. Mancher Autokäufer kann seine Raten nicht mehr weiter bezahlen. Und die zurückkommenden Leasingautos sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt plötzlich weniger wert als kalkuliert.

Wie hart das die Autobanken treffen kann, hat BMW in der Schulden-, Banken- und Wirtschaftskrise 2008/09 erfahren. Die Münchner hatten ihren Absatz in den USA mit günstigen Leasingangeboten kräftig auf Touren gebracht. Und mussten 1,1 Milliarden Euro in den Wind schreiben, als das Kartenhaus zusammenbrach.

Absatz steigern und Kunden bei der Marke halten

In den vergangenen Jahren aber entwickelte sich das Geschäft wieder prächtig. "Autokäufer erwarten von ihrem Händler ein Finanzierungsangebot. Für die Vertragshändler und Autohersteller ist das eine gute Möglichkeit, den Absatz zu steigern und Kunden bei der Marke zu halten", sagte Stephan Moll, Referatsleiter Markt beim Bankenfachverband.

Etwa drei Viertel der Neufahrzeuge in Deutschland seien geleast oder mit Kredit finanziert: ein Viertel von den Hausbanken der Käufer, zwei Viertel von den Autobanken, sagte ein Autofinanz-Experte, der nicht namentlich genannt werden will.

"Die kriegen ihre Kunden von den Händlern reingetrieben. Die kriegen gebratene Tauben vorgesetzt", sagte Autobranchen-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Die Marketingabteilungen gäben ihnen zudem noch Geld, um Kunden mit Sonderzinsen anzulocken. Für die Autoproduktion brauche es teure Fabriken, Maschinen, Anlagen, aber "die Financial Services brauchen nur eine Software. Die müssen ja Profitmaschinen sein!" Gerade mal 17.000 der insgesamt 670.000 Mitarbeiter reichen dem VW-Konzern für seine Finanzdienstsparte, halb so viele sind es bei BMW.

Und die kümmern sich auch um das Kundengeschäft der hauseigenen Banken, finanzieren die Fuhrparks von Großkunden, managen Firmenflotten und finanzieren den Fahrzeugbestand ihrer Autohändler.

Der weltweit größte Autobauer VW hatte zu Anfang des Jahres rund zwölf Millionen Kredit- und Leasingverträge in den Büchern und weitere zwölf Millionen Service- und Versicherungsverträge.

Wie geht es damit weiter? "Bei Verbraucherkrediten insgesamt liegen die Ausfallraten um die zwei Prozent, bei der Kfz-Finanzierung dagegen im Promillebereich", sagte Experte Moll. "Bei der Autofinanzierung für gewerbliche Kunden ist die Ausfallrate nochmals deutlich niedriger als bei privaten Kunden."

Verlässliche Prognose "aktuell unmöglich"

Doch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie seien nicht zu beziffern, teilte Daimler mit. VW-Manager Fiedler sagte: "Wir prüfen die Bonität unserer Kunden sehr genau und sichern uns gegen Kreditausfälle ab." Aber eine verlässliche Prognose sei "aktuell unmöglich".

BMW wird etwas genauer. Die Kreditausfallrate für das gesamte Portfolio lag Ende 2019 bei nur 0,26 Prozent - im Finanzierungsgeschäft mit Endkunden bei 0,41 Prozent, im Leasinggeschäft bei 0,15 Prozent. Das Restwert-Risiko im laufenden Jahr schätzt der Vorstand als hoch ein. Aber Finanzvorstand Nicolas Peter zeigte sich vorsichtig optimistisch: "Nach aktueller Einschätzung sind wir weiterhin angemessen gegen Restwert- und Kreditrisiken abgesichert", sagte er bei der Bilanzpressekonferenz vergangene Woche.

In Europa würden Leasingautos von den Kunden oft zum festen Preis an den Händler zurückgegeben, "der hat dann das Risiko", sagte Dudenhöffer. Notwendig wäre jetzt, zögernde Autokäufer zu überzeugen, die Angst um ihren Job hätten. So wie der koreanische Autobauer Hyundai in der Finanzmarktkrise in den USA: "Du least ein Auto - aber wenn du arbeitslos bist, kannst du es sofort zurückgeben", sagte der Professor. Ein Rundum-Sorglos-Paket inklusive Wartung: "Das wäre heute ein ideales Instrument." (dpa)

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